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Ivey und der Glückshut – neue Details zum Crockfords Urteil

Poker Superstar Phil Ivey hat den Rechtsstreit in London verloren und muss so auf umgerechnet €9,91 Millionen an Baccaratgewinnen verzichten. Das Borgata möchte das Urteil als Beweis für ihren Fall nutzen. In diesem Zusammenhang wurde nun der komplette Richtspruch publik und dieser hat Erstaunliches ans Tageslicht gebracht.

Über das Urteil des Londoner Gerichts im Rechtsstreit zwischen Phil Ivey und Genting Casinos UK Ltd haben wir bereits berichtet. Der Richter sah trotz aller Argumente seitens der Kläger keinen Anlass für ein faires Spiel und urteilte, dass der Crockfords Club die Gewinne in Höhe von £7,8 Millionen einbehalten darf.

Wie wir vor zwei Wochen berichteten, hat Marina District Development Company das zuständige Gericht in New Jersey gebeten, das Urteil in London als Beweis für die Verhandlung zuzulassen. Die Mutterfirma des Borgata Hotel Casino & Spa erhofft sich, ihre Argumente zu unterstreichen.

In diesem Zusammenhang hat nun John Brennan auf North Jersey Blog das komplette Urteil von Richter John Mitting veröffentlicht. Einige Punkte sind hier besonders spannend. Crockfords hat sich auf drei Punkte berufen, doch nur ein einziger Punkt gab für den Richter den Ausschlag.

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Foto: PokerStars Blog

Er [manipulierte das Spiel] unter einem Umstand, dass sie [Anm.: die Dealerin] und ihre Vorgesetzten die Folgen, die aufgrund seiner Anweisungen entstanden, nicht realisierten. Dementsprechend änderte er das Spiel, […] zu einem Spiel, indem er über mehr Wissen als der Croupier verfügte. […] Dies ist aus meiner Sicht Betrug im Sinne des Zivilrechts.“

Richter John Mitting beruft sich dabei auf den Gaming Act aus dem Jahre 1845. In diesem Gesetz wird Betrug wie folgt definiert: „Jede Person, die beabsichtigt mit Schwindel oder einem ungesetzlichen Gerät Karten spielt … und von einer anderen Person … Geld gewinnt.

Damit kommen zwei banale Dinge zum Tragen. Phil Ivey (Foto) und seine Gehilfin Cheung Yin Sun haben gelogen. Das Duo behauptete, dass sie aus Aberglauben eine Kartenmischmaschine, einen Dealer, der Mandarin spricht und das Drehen der Karten fordern. Sun und Ivey trugen sogar „Glückshüte“, um ihre Tarnung als abergläubische Zocker aufrecht zu halten.

Der zweite entscheidende Punkt ist die Unwissenheit des Casinopersonals. Obwohl Edge Sorting in der Casinoindustrie wohl bekannt ist, konnten die ins Gericht berufenen Mitarbeiter dem Richter glaubhaft machen, dass sie vor dem Zwischenfall noch nie etwas über die Methode gehört haben.

Auf die Frage hin, warum Ivey überhaupt überführt werden konnte, gab man an, dass sich ein Mitarbeiter an einen Kartentrick seines Großvaters erinnerte. Kurzum, die angebliche ‚Dummheit‘ des Personals und Iveys dreiste ‚Lügen‘ ließen die Klage scheitern und das Casino musste die Gewinne nicht auszahlen.

Edge Sorting profitiert von einem Herstellungsfehler bei den Karten, kann allerdings nur angewendet werden, wenn der Dealer nicht per Hand mischt und eine bestimmte Ecke gut Sichtbar ist. Phil Ivey ist der Meinung, dass diese Technik kein Betrug, sondern Können ist. Anmerken muss man zudem, dass der Vorteil, den ein Spieler hat, noch keine Gewinngarantie ist. Ein Mathematiker, der in das Londoner Gericht bestellt wurde, sprach von einem Vorteil von gerade einmal 4,5% bis 7%.


2 Comments
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ieke
5 Jahre zuvor

Casinomitarbeiter: …noch nie etwas von Edge Sorting gehört… :o)
…an einen Kartentrick des Großvaters erinnert… unglaublich was man vor Gericht alles vorbringen kann und dann durchgeht; der richter muß ein vollkoffer sein

lol
5 Jahre zuvor

Der Richter wurde bestimmt bestochen