Splitter aus Las Vegas, Vol.15

„Fisch“ ist die Bezeichnung für wechselwarme, immer oder fast immer im Wasser lebende Wirbeltiere. „Transfer“ meint die Zahlung eines Geldbetrags in Fremdwährung ins Ausland. „Essen“ bezeichnet umgangssprachlich eine zubereitete Speise und laut Duden die Tätigkeit der Nahrungsaufnahme. „Sitzen“ wird wegen dessen Bequemlichkeit oft als Privileg gehandhabt und ein weiterer Clown als Floorman.

Frische Fische um eine Million

Das teuerste Pokerturnier aller Zeiten hat also begonnen und der Fisch-Anteil ist nicht zu unterschätzen. Teilweise dürften sie nicht mal die Regelkunde beherrschen. So passierte auf Tisch 401 folgende Szene. Das Board war bereits bis zum River gelegt und Frederique Banjout, der CEO eines Schuhkonzerns, checkte. Der E­inzige, der noch mitspielte, war Sam Trickett, welcher 340k in den Pot investierte. Banjout fragte daraufhin den Dealer „I can raise, right?“. Es ist dies sein erstes WSOP-Turnier und er hat keinen Hendon Mob Eintrag. Frederic Banjout ist dritter in den Chipcounts nach Tag eins.

PS: Beide hatten die gleiche Straight und der Pot wurde geteilt

Missglückter Transfer

Marvin Rettenmaier wollte, aber durfte nicht mitspielen. Er hatte zwar das Geld überwiesen, allerdings dachten die Verantwortlich, dass eine Bankbestätigung  fehlen würde. Die brauchen so etwas, damit sie wissen, dass das Geld aus einer redlichen Quelle kommt und die WSOP nicht zur Geldwäsche verwendet wird. Im Prinzip wie bei uns in Europa. Wenn du mit einer Million zur  Bank gehst, wollen die auch wissen, woher du die Kohle hast. Aber das haben ja schon fast alle unserer Leser miterlebt.
Marvins Bestätigung war zwar da, allerdings wurde sie von den Turnierorganisatoren verlegt und als sie gefunden wurde, war Marvin leider nur noch Nummer zwei in der Warteliste und dass gleich zwei Spieler nicht zu einem Turnier mit einer Million Buy-in erscheinen, wäre doch ein wenig unwahrscheinlich, ergo ein sehr trauriger Marvin R.

Gratis Essen

Wenn man schon eine Million bezahlt, dann darf man sich auch ein anständiges Catering erwarten. Kaffee, Tee, Softdrinks, Früchte und ein  paar Kekse, das war es. Andererseits, wenn man schon so einen Haufen Geld für ein Turnier bezahlt, dann darf man wahrscheinlich auch davon ausgehen, dass die Herrschaften sich ein Essen selbst bezahlen können.

Sitzgelegenheit

Das Main Event rückt näher und die Räume der WSOP werden schön langsam unerträglich voll. Weit draußen, weit weg von Amazon, Brasilia und Pavillion, den Turniersälen der WSOP, dort neben dem Eingang zum Pool und den Daddelautomaten, welche in unerträglichen Klingelvarianten auf sich aufmerksam machen, werden die Zusatztische bereits aufgestellt. Wehe dem, der dort hingelost wird. Julian Herold passierte dies vor zwei Jahren und er erlebte für sich den – bis zu diesem Zeitpunkt seiner Pokerkarriere – schrecklichsten Turnierort .

Clownhafte Floormen

Noch ein Nachtrag zum Ladies Event. Die Floormen sind stilgerecht verkleidet.  Solange Organisatoren denken, dass Ladiesturniere etwas besonders Lustiges sind, welche faschingshaft zu Maskierungen verwendet werden können, solange wird sich am Image von Ladiesturnieren nichts ändern. Da hat wieder jemand nicht verstanden, dass die Zeiten von zaghaftem „Mädchenpoker“ längst vorbei sind. Aggressiv vorgetragene Drei-, Vier- und sogar Fünf-Bets waren keine Seltenheit und Vanessa Selbst gewann das 2,5k 10-Game.


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