Von Pokerspielern vor dem Schokoladenregal
Heute ging Werthan in Baden bei Wien in einen Supermarkt, um für das Live-Reporting-Center der Pokerfirma , welches sich mitten im Turnierbereich der EM befindet, Süssigkeiten zu besorgen. Weil, und das wissen nur ganz wenige, Pokerspieler heimliche Naschkatzen sind und deshalb dann und wann zum Live-Reporting-Center der Pokerfirma schleichen, um sich dort mit den von der Pokerfirma zur Verfügung gestellten Bonbons, Toffees und Drops heimlich ihre Sucht zu befriedigen.
Also deshalb war der Werthan im Supermarkt, um eben jene Süssigkeiten zu erstehen. Dort in den weitverzweigten und dem Werthan manchmal unheimlich anmutenden Gängen, weil zu lange und zu reich bestückte Korridore immer eine Überforderung darstellen, sah er ein kleines Mädchen vor einer riesengroßen Auswahl an Bonbonieren stehen. Mit großen Augen und voll Unsicherheit, ob denn die zuerst gewählte Schokoladenauswahl für den zu Beschenkenden auch die richtige sei, legte sie die eine Packung zurück, um eine andere zu nehmen, abzuwägen, um dann wieder ein anderes Päckchen zu nehmen, bis sie sich dann für eine Bonboniere entschied, deren Inhalt aus Schokoladenherzen bestand.
Als Werthan dann zurück kam zum Turnier und den achthundert Euro Hold’em Freezout Bereich besuchte, sah er in die Gesichter der Spieler und erkannte bei manchen von ihnen denselben, unsicheren Gesichtsausdruck des kleinen Mädchens wieder. Sie zögerten ihre Chips zu setzen, andere waren unsicher das Raise zu beantworten und wieder andere zogen ihre Chips wieder zurück, welche sie für den Call vorbereitet hatten. Ebenso wie das kleine Mädchen unsicher ob ihrer Auswahl, die Schokolade wieder ins Regal zurückstellte. Werthan fühlte sich wohl, denn ab diesem Moment wusste er, dass auch die Profis, die Abgebrühten, die ganz harten Pokerspieler, welche sich hier zur Europameisterschaft zusammenfanden, manchmal unsicher sind und so etwas wie Angst andeuten. Deshalb, wenn du selber am Spieltisch sitz, denke an die Worte des Herrn Doktor Keiner: „Wenn du Angst vor einem Gegner hast, hat dein Gegner vielleicht ebendiese auch vor dir.“