
Mitten in dieser wunderbaren Welt, unspektakulär zwischen „Dat Backhus“ und „Budnikovsky“ gelegen, residiert seit gut zwei Monaten der „Poker König“. Nein – hier wohnt nicht Weltmeister Sebastian Ruthenberg – hier hat Detlef Richter einen Pokerclub eröffnet. Es geht abwärts. 15 Stufen in die Zockerhölle oder genauer: In den rotgetünchten Spielkeller. Gleich soll, wie jeden Freitagabend, an den drei grün bezogenen Tischen ein Texas Hold’em Turnierchen losgehen. Schnäppchen Buy-In für läppisch günstige 10 Euro und dem Sieger des Ganzen winkt eine repräsentative Herrenarmbanduhr, gestiftet aus dem Sortiment des Zeitungskiosks in der Nachbarschaft. Da ich mir erst neulich im Fitness Studio meine Panerai Luminor übel zerkrazt habe, steige ich ein.
Für die wenigen unter Ihnen, die heute erstmals meine Kolumne lesen: Mit diesem Entschluss, springe ich ins eiskalte Wasser. Außer einem Crash-Kurs vor drei Wochen im Ace Club bringe ich keinerlei Erfahrung mit. Meine Schweißerbrille habe ich auch vergessen, aber gut – bei Mau Mau und Skat habe ich zu Schulzeiten nie schlecht ausgesehen. Trotzdem stärke ich mich erstmal am heute ziemlich bescheidenen Buffet (All you can eat für 5,90 Euro) mit ein paar Hähnchenschenkelchen.
An Tisch 1, Platz 8 baue ich schließlich auf mein Anfängerglück und erinnere mich daran, dass die Stars nur rund 20 Prozent ihrer Hände spielen. Barmann Vincent ist zum Dealer mutiert und er meint es gut mit mir. Ich gewinne zwei, drei kleine Runden und hole mit einem Full-House den ersten fetten Pott. „Ich darf doch zeigen, was ich hab, wenn ich will, oder?“, frage ich unschuldig und lege lässig König und Drei auf den Filz. Komischwerweise glauben von jetzt an alle, dass ich nur raise, wenn ich gut bestückt bin, was ich mir bei einigen Bluffs zu nutze mache. Es läuft und als die ersten vom Tisch müssen, sind sie sicher, dass ein Typ, der für pokerfirma.de schreibt, auch garantiert weiß, wie man am Final Table Uhren gewinnt.
Die Blase platzt allerdings, als ich tatsächlich übersehe, dass ich einen Kreuz Flush habe. Nur zwei Spieler, Showdown und ich zeige Kreuz 7 und Kreuz König mit den Worten – „Sieht schlecht aus für mich – mehr hab ich nicht zu bieten…“ Allgemeines Gelächter versus peinliches Schweigen. Der Spruch war nicht arschcool – ich hab´s echt nicht geblickt. Egal. Der Pott gehört mir. Raucherpause. Im kleinen Inhof wird gequarzt, während leichter Hagel meinen heißen Kopf kühlt. Ein Experte mit Anzug und Ohrring erzählt von Zockereien in der Spielbank Schenefeld und glaubt immer noch nicht, dass ich von Tuten und Blasen keine Ahnung habe.

Tief beeindruckt beschließe ich Teil 1 der Nacht mit einem gepflegten Jägermeister und lasse mich in einem weißen Mercedes zur „Hasenschaukel“ chauffieren. Was dann geschah, gehört nicht in diese Pokerkolumne…
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