Kolumnen

Splitter aus Las Vegas #14

Die Flexibilität ist nicht unbedingt eine Tugend des Amerikaners. Doch wenn man Phil Ivey heißt, dann geht das schon. Der gute Phil war in zwei Turnieren noch im Rennen und zwar im 10k Heads-Up und im 2,5k Pot-Limit Hold’em/Omaha. Im Normalfall ist es so, dass es einfach heißt „Pech gehabt“ und du musst zwischen zwei Turnieren hin und her rennen, wenn diese den gleichen Beginn haben. Bei Ivey wurde aber eine Ausnahme gemacht und sein Heads-Up gegen Kido Pham kurzerhand auf 12 Uhr vorverlegt. Relativ einsam saßen die beiden im leeren Amazon-Saal und spielten ihr Heads-Up, welches Kido Pham schlussendlich gewann und Ivey konnte um 15 Uhr beruhigt sein PLH/O spielen, bei dem er auch ausschied, auf Platz 12. Wie die Simplisten unter den Pokerologen sagen: „Wenn es läuft, dann läuft es. Wenn nicht, dann nicht.“

Zwei neue Superlativen stellte Event 34, das Senioren-Turnier, auf. Einerseits war es das größte Senioren-Turnier in der Geschichte von Poker und andererseits war es das größte Spielerfeld, welches an einem Tag im Rahmen der WSOP Platz genommen hatte. Als die Bubble platzte war eine Stimmung am Poker-Court, als ob bereits jeder den Event gewonnen hätte. Die Spieler fielen sich in die Arme, gratulierten wildfremden Menschen und jubelten das man es bis in den weit entfernten Pavillion-Raum hören konnte.
Bei der WSOP ist es so, dass ab dem Erreichen der Geldränge am Tisch keine elektronischen Geräte verwendet werden dürfen. Floorman Robbie erweiterte dies durch Plattenspieler, Kassettenrekorder, Grammophone und Tischtelefone und die selbstironischen Lacher der Senioren waren auf seiner Seite. Der älteste Spieler ist übrigens 92 Jahre alt.

Ursprünglich wollte Werthan eine Zigarette mit dem Sicherheitschef der WSOP rauchen, dies tat er zwar auch, allerdings hatte Werthan den Hintergedanken mit ihm ein wenig über die Sicherheit zu quatschen und ob in Vegas so etwas wie in Berlin überhaupt möglich wäre. Ähnlich viele „no comment“ auf Fragen gäbe es sonst höchstens noch von Bischof Mixa zum Thema „erzieherisches Verprügeln in deutschen Internaten“. Die Amerikaner, welche sonst mit Zahlen sehr großzügig umgehen, verkneifen sich beim Thema Sicherheit jede Information. Weder über die Anzahl der Securities, noch was passieren würde, wenn ein paar Jungs dasselbe wie in Berlin versuchen würden oder ob die Bewaffneten Schießbefehl haben bei einem Überfall, wurde Auskunft gegeben. Im Amazonraum, wo auch die Pressetribüne steht, sieht man mit freiem Auge zirka 80 Kameras hängen. Da kann man den Computer schon mal alleine lassen.


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