Kolumnen

Auf eine Zigarette mit Markus Golser

Mir kommt vor, dass auf der diesjährigen WSOP viel tighter gespielt wird als noch voriges Jahr. Ich kann mich erinneren, dass es letztes Jahr kaum einen Finaltisch gab, der länger als 4 Uhr dauerte und dieses Jahr ist es nicht ungewöhnlich, dass der Sieger erst um 6 Uhr morgens oder später feststeht. Events, die für 3 Tage geplant sind, spielen ihren Finaltisch oft erst am 4. Tag. Ist das Poker, welches zur Zeit gespielt wird, wirklich weniger aggressiv geworden?

Ja, es ist viel tighter geworden. Es fand ein gegenseitiges Lernen statt. Die aggressiven Internetspieler lernten von den tighten Livespielern und umgekehrt, beide haben von einander angenommen. Der Weg geht jetzt wieder zum tighteren Ansatz zurück, aber schon mit einer gewissen Aggressivität und um die Spots, die sich ergeben, dann eben auszunützen.

Also die Tendenzen im Poker sind demnach einer Mode unterworfen. Eine Zeit lang war es modern mit „any two“ und ein wenig Position massiv zu raisen, jetzt ist es wieder etwas ruhiger geworden am Tisch. Eddy Scharf hat in einem Gespräch an der Rail vor kurzem eine Theorie vertreten, dass man tendenziell immer gleich spielt , also tight oder loose, und dein Spiel gerade in die Mode passt, wenn du glaubst einen Lauf zu haben. Glaubst du diese Theorie oder eher, dass du dein Spiel anpasst.

Ich vertrete eher die Theorie, dass du dein Spiel anpasst. Du musst dein Spiel immer anpassen. Als die Internetspieler gekommen sind, war ein grober Schritt zu tun und jetzt sind es eher Kleinigkeiten. Du kannst im modernen Poker nicht stehen bleiben, du musst dich immer weiterentwickeln. Irgendwann ist das Spiel perfekt, also dass du es mathematisch richtig spielst.
Aber das interessante am Poker ist, ja, dass du ab einem gewissen Niveau Situationen und die Gegner spielst und nicht die Karten. Natürlich hat es viel mit der Tagesverfassung zu tun und eben mit dem Glücksfaktor. Turnierpoker ist einfach mehr an Glück gebunden als Cash-Game, aber das hat mit der Mathematik jetzt wenig zu tun. Aber mathematisch ist es irgendwann ausgereizt, genauso wie beim Backgammon, da gibt es den mathematisch richtigen Zug und vielleicht noch den zweitbesten usw.. Genauso ist es auch beim Poker mathematisch richtig und deshalb ist beim Poker die Gegnereinschätzung das A und O. Poker auf hohem Niveau ist Beobachtung und wer der bessere Beobachter ist wird langfristig der erfolgreichere Spieler sein.

Ich hab mir am Dienstag, das Heads-up des PokerStars Super Tuesday angesehen. Das dauerte fast eine Stunde, was für Internetpoker doch sehr, sehr lange ist, sagte zumindest die anwesende Fachfrau, welche auch der Grund für mein Interesse an dem Turnier war. Ist dieser Trend des tighten Spieles auch im Internet zu spüren?

Ja, ich denke schon. Ich spiele sehr wenig Onlineturniere, ich hab in meinem Leben vielleicht 20 gespielt. Aber sicherlich geht es im Internet wieder tighter zu und die Leute pushen nicht mehr mit „any two cards“. Der Weg geht wieder weg vom Gambeln.

Ich danke für das Gespräch.

Ebenso.


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