Die Niederlande und Curaçao sind historisch miteinander verknüpft. Curaçao ist ein Teil des niederländischen Königreichs, gehört aber nicht zur Europäischen Union. Die neue Glücksspielregulierung auf Curaçao, für die gerade ein modernes Lizenzsystem eingeführt wird, geht wesentlich auf den Druck der Niederlande zurück. Die niederländische Seite drängt nun erneut darauf, das neue Lizenzsystem zum Erfolg zu führen.
Bisherige Curaçao-Lizenz verursacht Probleme in Europa
Curaçao gehört zu den erfolgreichsten Lizenzbehörden der vergangenen Jahre auf dem europäischen Glücksspielmarkt. Zahlreiche Online-Casinos und Online-Buchmacher nutzen die Curaçao-Lizenz, um Glücksspiele und Sportwetten in Europa der Europäischen Union anzubieten. Allerdings ist die Legalität der Curaçao-Lizenz in Europa, vorsichtig formuliert, äußerst zweifelhaft.
Die europäischen Behörden haben de facto keinen Zugriff auf die Glücksspielbehörde von Curaçao, sodass es nicht möglich ist, auf dem rechtlichen Weg gegen den Lizenzgeber vorzugehen. Auch Maßnahmen gegen die Lizenznehmer, die üblicherweise in Curaçao firmieren, haben sich als weitgehend ineffektiv erwiesen.
Der Glücksspielbranche in Curaçao wird von Geldwäsche über Betrug bis zu Verbindungen mit der organisierten Kriminalität allerhand nachgesagt. Ein besonderer Umstand ermöglichte die aktuelle Entwicklung. Während der Corona-Pandemie war Curaçao auf die Unterstützung der Niederlande angewiesen. Die Niederlande nutzten diese Gelegenheit unter anderem, um die Regierung von Curaçao dazu zu verpflichten, die Glücksspielregulierung zu reformieren.
Niederlande und Curaçao kooperieren bei neuer Glücksspielregulierung
Das alte Lizenzsystem in Curaçao bestand aus vier Master-Lizenzinhabern, die weitgehend frei darüber entscheiden konnten, welchem Unternehmen eine Sub-Lizenz erteilt wurde. Dieses System führte dazu, dass die Angebote mit Sub-Lizenzen teilweise ein erschreckendes Niveau haben und hatten. Vor allem hinsichtlich Spielerschutz, Schutz vor Geldwäsche und Spielsicherheit gab und gibt es einiges zu bemängeln.
Die Niederlande haben durchgesetzt, dass Curaçao ein modernes Lizenzsystem einführt, in dem die Curaçao Gaming Authority (CGA) als neue Glücksspielbehörde für alle Lizenzvergaben zuständig ist. Die neue National Ordinance on Gambling (LOK) sieht deutlich strengere Regeln für die Lizenzinhaber vor. Zumindest in der Theorie wird das neue Lizenzsystem die Qualität der regulierten Anbieter deutlich erhöhen.
Jüngst trafen sich in Willemstad (Curaçao) der Staatssekretär für niederländische Königsreichsbeziehungen, Zsolt Szabo, der niederländische Justizminister, David van Weel und der Finanzminister von Curaçao, Javier Silvania, um den aktuellen Stand der neuen Glücksspielregulierung zu diskutieren. Dabei wurde betont, dass ein Erfolg dauerhaft nur auf Basis einer intensiven Kooperation zwischen Curaçao und den Niederlanden möglich sei.
Die Niederlande stellen ihre Erfahrungen mit der Regulierung des Online-Glücksspiels zur Verfügung. Kansspelautoriteit (KSA), die niederländische Glücksspielbehörde, setzt eine strenge Regulierung der Online-Casinos und anderer Online-Glücksspielanbieter um. Somit ist die Behörde gewissermaßen der Gegenpol zur bisherigen Regulierungspraxis auf Curaçao.
Gemeinsamer Kampf gegen Geldwäsche und Betrug
Die Niederlande wollen Curaçao und die neue Financial Intelligence Unit (FIU Curaçao) dabei unterstützen, gegen Geldwäsche und Betrug im Glücksspielbereich vorzugehen. Der regelmäßige Austausch zwischen der neuen Glücksspielbehörde von Curaçao und der KSA ist dabei eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung.
Allerdings muss sich noch zeigen, ob die Regierung von Curaçao tatsächlich gewillt ist, das enorm lukrative Geschäft mit Lizenzen für Online-Glücksspielanbieter deutlich einzuschränken. Eine strengere Regulierung wird aller Voraussicht nach den wirtschaftlichen Erfolg in diesem Wirtschaftssegment deutlich schmälern. Das ist der Grund, warum viele Glücksspielexperten das neue Lizenzsystem auf Curaçao mit Skepsis betrachten.

