Kritik am Glücksspielatlas – Spielsuchtproblem doch viel kleiner?

Der Glücksspielatlas, eine vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Studie, hat im vergangenen Jahr mit einer spektakulären Zahl aufgewartet: In Deutschland sollen demnach 1,3 Millionen Personen eine psychische Störung durch Glücksspiele haben. Bei weiteren 3 Millionen Personen soll ein problematisches Verhalten beim Glücksspiel ausgeprägt sein. Doch stimmt das wirklich? Aktuelle Berichte und Umfragen lassen große Zweifel an den Zahlen des Glücksspielatlas 2023 aufkommen.

Spielsucht -Zahlen im Glücksspielatlas wahrscheinlich falsch

Für die Medien war es ein gefundenes Fressen, als der Glücksspielatlas 2023 im vergangenen Oktober veröffentlicht wurde. Die Hauptaussage der Studie war schnell gefunden: Mehrere Millionen Menschen in Deutschland haben ein Spielsuchtproblem oder sind dabei, eine Spielsucht zu entwickeln. Insgesamt sollen laut Glücksspielatlas 4,3 Millionen Menschen betroffen sein. Von zahlreichen renommierten Medien wurden die Zahlen ohne kritische Hinterfragung übernommen.

Spielsucht -Zahlen im Glücksspielatlas wahrscheinlich falsch

Dabei hätte ein Blick auf die Geschichte des Glücksspielatlas geholfen, um die Zahlen einzuordnen. Im Jahr 2019, als die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) noch für die Studie zuständig war, lag die Anzahl der Personen mit einem pathologischen Spielverhalten bei 200.000. Wie kommt man innerhalb weniger Jahre von 200.000 auf 1,3 Millionen oder sogar 4,3 Millionen?

Die Studie aus dem Jahr 2019 sieht ein Problem bei 0,34 % der Erwachsenen in Deutschland, während die Studie aus dem Jahr 2023 für den Glücksspielatlas 2023 einen Anteil von 2,4 % dokumentiert. Es ist vollkommen unrealistisch, dass sich die Anzahl der Spielsüchtigen in einem Zeitraum von nur fünf Jahren derart drastisch verändert. Also muss es andere Gründe für die höchst unterschiedlichen Zahlen geben.

Die Qualität der Studie aus dem Jahr 2023 wird von renommierten Forschern heftig kritisiert. Die Studie, die von der Universität Bremen durchgeführt wurde, wurde sogar zur„Unstatistik des Monats“ gekürt. In der Begründung wird detailliert erklärt, dass die neuen Zahlen maßgeblich durch eine problematische Befragungsmethode und eine weitgehend ungeeignete Auswahl der Befragten zustande gekommen sind.

Anzahl der Spielsüchtigen ungefähr gleich geblieben

Eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter dem Titel „Glücksspielsurvey 2024“ im Auftrag des Verbands der Automatenindustrie(VDAI), die mit den bewährten Methoden, die bis 2019 für den Glücksspielatlas verwendet wurden, durchgeführt wurde, kommt zu dem Schluss, dass 0,39 % der Befragten ein problematisches Spielverhalten haben. Die Anzahl der pathologischen Spieler wird mit 0,34 % angegeben.

Anzahl der Spielsüchtigen ungefähr gleich geblieben

Diese Zahlen entsprechen dem Stand von 2019, sodass davon auszugehen ist, dass sich die Anzahl der Spielsüchtigen in Deutschland nicht verändert hat. Wer behauptet, dass sich die Anzahl der Spieler mit problematischen oder pathologischen Verhalten erheblich verändert, sollte auch eine Theorie präsentieren, die den rasanten Anstieg erklärt. Mittlerweile hat sich allerdings die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Methodik, mit der der Glücksspielatlas erstellt wird, das Problem ist.

Dramatische Zahlen für politische Maßnahmen?

Die Glücksspielbranche hat keine große Lobby in Deutschland, aber viele Kritiker. Casinos ohne OASIS haben keine deutsche Lizenz der GGL und sind hier nicht Hauptkritikpunkt. Deswegen ist es besonders ärgerlich, dass eine vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Studie problematische Zahlen liefert, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Realität abbilden.

Das hält aber die notorischen Glücksspielgegner nicht davon ab, die problematischen Studienergebnisse in Diskussionsrunden einzubringen. Wenn es um eine möglichst strenge Glücksspielregulierung geht, scheint zumindest einigen Diskussionsteilnehmern jedes Mittel recht zu sein.


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