Spielerklagen werden zur Kostenfalle: falsche Versprechen?

Vor einigen Tagen musste der Prozessfinanzierer Right Now Insolvenz anmelden. Das ist eine schlechte Nachricht für viele Spieler, die Klagen gegen Online-Casinos und Buchmacher laufen haben. Doch was ist der Grund dafür, dass die vermeintlich lukrativen Spielerklagen plötzlich zum Problem werden? Eine Antwort lautet, dass die Glücksspielanbieter, die in Malta sitzen, durch ein neues Gesetz vor Klagen geschützt werden. Aber das ist nicht die komplette Antwort.

Spielerklagen plötzlich teuer für einige Kläger

In den vergangenen Jahren hat sich eine ganze Industrie rund um Spielerklagen entwickelt. Bevor mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 in Deutschland das Online-Glücksspiel legalisiert wurde, gab es ausschließlich Online-Glücksspielanbieter mit internationalen Lizenzen in Deutschland. Besonders prominent vertreten waren die Casinos mit Malta-Lizenz, die oftmals auch als EU-Lizenz bezeichnet wurde.

Doch als erste Klagen vor Gericht erfolgreich waren und Casino-Betreiber in Malta zu Rückzahlungen, teils in erklecklicher Höhe, verurteilt wurden, witterten findige Unternehmer und Anwälte ein riesiges Geschäft. Fortan wurden und werden immer noch Spieler gesucht, die im Zeitraum zwischen 2012 und 2020 bei maltesischen Glücksspielanbietern große Summen verloren hatten.Casino RouletteMithilfe der Prozessfinanzierer können die Spieler vermeintlich kostenlos klagen und beteiligen dafür das Unternehmen an der Rückzahlung. Doch an dieser Stelle beginnt das Problem. Es ist keineswegs sicher, dass Gerichte dem Kläger recht geben und die Casino-Betreiber zu einer Rückzahlung verdonnern. Das ist dann in der Regel kein Problem für den Kläger, aber ein Problem für den Prozessfinanzierer, der in Vorleistung gegangen ist.

Dieses Problem lässt sich aber, solange die Mehrzahl der Klagen erfolgreich ist, halbwegs kontrollieren. Der Gewinn der Prozessfinanzierer wird vielleicht etwas kleiner, aber auch wenn nicht jede Klage erfolgreich ist, sollte unter dem Strich doch ein erfolgreiches Geschäft möglich sein. Allerdings haben die Prozessfinanzierer die Rechnung ohne die maltesische Regierung gemacht.

Das maltesische Parlament hat im vergangenen Jahr ein neues Gesetz verabschiedet, die sogenannte Bill 55, die Glücksspielanbieter mit Sitz in Malta vor Rückzahlungen an Spieler schützt. Die Chancen stehen hoch, dass dieses Gesetz eines Tages vom Europäischen Gerichtshof kassiert wird, da es wahrscheinlich nicht mit europäischem Recht in Einklang zu bringen ist.

Aber wie das Beispiel Right Now zeigt, hat nicht jeder Prozessfinanzierer die nötigen finanziellen Mittel, um bis dahin durchzuhalten. An dieser Stelle entsteht das Problem für die klagenden Spieler. Wenn die Prozessfinanzierer wegfallen, bleiben die Spieler auf den Kosten für die Verfahren sitzen. Gerade bei hohen Streitwerten können die Kosten erheblich sein.

Rückzahlungsanspruch könnte auch vor EuGH scheitern

Auch wenn die umstrittene Bill 55 vom Europäischen Gerichtshof kassiert werden sollte, bedeutet dies noch lange nicht, dass das Geschäft der Prozessfinanzierer wieder funktioniert. Es kann auch sein, dass der EuGH in einer weiteren Grundsatzentscheidung feststellt, dass es keinen Rückzahlungsanspruch für den Zeitraum zwischen 2012 und 2020 in den typischen Fällen gibt.

RückzahlungsanspruchFür Spieler, die derzeit laufende Klagen haben, ist die Situation schwierig. Wahrscheinlich wäre es sinnvoll, auf den EuGH zu warten, um zu entscheiden, ob eine Klage auf Rückzahlung künftig eine hohe Aussicht auf Erfolg hat. Das sehen offenbar viele Spieler auch so, sodass der Zulauf zu den Prozessfinanzierern, oftmals junge Start-ups mit wenig Eigenkapital, erheblich nachgelassen hat.


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