Das Grand Casino Baden ist mit einer Beschwerde vor dem Schweizer Bundesgericht gescheitert. Der Glücksspielanbieter muss wegen Verstößen gegen den Spielerschutz im hauseigenen Online-Casino eine Geldbuße in Höhe von 1,8 Mio. CHF bezahlen. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts wurde durch das Bundesgericht bestätigt.
Grand Casino Baden zahlt 1,8 Mio. CHF für schlechten Spielerschutz
In der Schweiz gibt es eine nationale Regulierung des Online-Glücksspiels, die auf andere Art gestaltet ist als etwa in Deutschland und vielen anderen Ländern. In der Schweiz dürfen nur konzessionierte Glücksspielanbieter aus dem terrestrischen Bereich Online-Casinos betreiben. Das sollte eigentlich dazu führen, dass ein besonders hohes Schutzniveau gewährleistet ist.
Der aktuelle Fall zeigt jedoch, dass dies nicht zwangsläufig der Fall ist. Das Grand Casino Baden hat nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts und des Bundesgerichts nicht genug dafür getan, um Spieler mit einem Spielsuchtproblem zu schützen. Die Schweizer Casinos sind dazu verpflichtet, ihre Spieler im Auge zu behalten und bei hohen Einzahlungen gegebenenfalls die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Spieler zu überprüfen.
Mit Steuererklärungen und Bankbelegen müssen die Spieler nachweisen, dass sie über das erforderliche Vermögen oder Einkommen verfügen, um mit hohen Summen zu spielen. Ist dies nicht der Fall, muss das Online-Casino eine hohe Einzahlung ablehnen und ein geeignetes Limit festlegen. Das ist im Grand Casino Baden aber nicht immer passiert.
Im Juli 2019 war das Grand Casino Baden einer der ersten Schweizer Glücksspielanbieter mit einem Online-Casino. Hinter dem Grand Casino Baden steckt die Stadtcasino Baden AG, ein Unternehmen, das auch das Casino Locarno betreibt. Gegen die 1,8 Mio. CHF Geldbuße, die von der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), hatte der Casino-Betreiber Einspruch erhoben.
Doch mit dem Einspruch konnte sich die Stadtcasino Baden AG nicht durchsetzen, sodass die Zahlung fällig ist. Die Summe ergibt sich aus einer einfachen Formel: Die ESBK bestraft Glücksspielanbieter in schweren Fällen mit Geldbußen in Höhe von 2,5 % des Bruttospielertrags. Das Grand Casino Baden hatte im Jahr 2020 einen Bruttospielertrag von 72 Mio. CHF. Mit dem Online-Casino wurde ein Bruttospielertrag von 6,4 Mio. CHF im Jahr 2020 erwirtschaftet.
Es ist nachvollziehbar, dass der Casino-Betreiber die Strafe als ausgesprochen hoch empfindet, da mehr als ein Viertel des gesamten Bruttospielertrags im Online-Casino fällig wird. Aber maßgeblich ist in der schweizerischen Glücksspielregulierung der Bruttospielertrag des gesamten Casinos, nicht nur des Online-Angebots.
In 17 Fällen versäumt Badener Online-Casino Sperren und Limits
Im Urteil gegen das Grand Casino Baden werden insgesamt 17 Fälle aufgelistet. Die Zahlen sind durchaus spektakulär. Am härtesten hat es einen Spieler getroffen, der 481.565 CHF im Jahr 2020 verloren hat. Auf den Plätzen folgen Spieler mit 280.860 CHF und 165.350 CHF Nettoverlust. Das sind gigantische Beträge. Der Spieler mit dem höchsten Verlust hat allein 10.838.171 CHF in Online-Spielen gesetzt.
Nach Auffassung der Schweizer Gerichte, die mit dem Fall befasst waren, hätte das Badener Online-Casino die meisten Spieler auf der Liste frühzeitig sperren müssen, da bei einer näheren Prüfung herausgekommen wäre, dass es sich um Problemspieler oder Spielsüchtige handelte. In allen 17 Fällen gab es aber weder Sperren noch Einzahlungslimits.
Erschreckende Summen in legalen Online-Casinos
Wenn Spieler in den legalen Online-Casinos der Schweiz sechsstellige Summen verlieren, mag man sich nicht ausmalen, was High Roller in Online-Casinos ohne Lizenz verlieren. Auch in Deutschland sind theoretisch derartige Probleme möglich, da mit einer besonderen Genehmigung Einzahlungslimits von 30.000 € pro Monat zulässig sind. High Roller spielen allerdings bevorzugt in internationalen Casinos, die keine Überprüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vornehmen.
