- Symbol entweiht? Seit 2019 betreibt ein Pokerclub Räume im Haus der Gewerkschaften.
- Streit um Definition: Gewerkschaft spricht von Sportclub, ARMA vermutet Glücksspiel.
- Politische Brisanz: Mietverträge für symbolische Beträge empören die Öffentlichkeit.
Die ukrainische Vermögensverwaltungsbehörde ARMA hat eine offizielle Untersuchung gegen einen mutmaßlich illegalen Pokerclub im Haus der Gewerkschaften auf dem Maidan in Kiew eingeleitet.

Laut ARMA-Chefin Olena Duma geht es konkret um den „Pokerbet“-Club, der seit 2019 rund 1.032 Quadratmeter Fläche im Gebäude anmietet, zu einem monatlichen Mietpreis von anfangs 22.000 US-$ (ca. 19.000 €). Das Gebäude ist wegen seiner Rolle bei den Euromaidan-Protesten ein hochsymbolischer Ort ukrainischer Freiheitsgeschichte.
Gewerkschaft verteidigt Vermietung – kein Casino, sondern Sportclub?
Ein Vertreter des Gewerkschaftsbundes (FPU) bestätigte derweil gegenüber ARMA, dass die Vermietung an den Pokerclub vom Präsidium genehmigt worden sei. Er betonte jedoch, dass es sich um einen Sport- und Pokerclub handele, nicht um ein Casino.
Dennoch kam bei weiteren Gesprächen ans Licht, dass die Gewerkschaft in der Vergangenheit Dutzende weitere Mietverträge abgeschlossen hat, von denen viele bislang nicht an die ARMA gemeldet wurden. Einige dieser Verträge sollen sogar für symbolische Beträge von einer Hrywnja (ca. 0,021 €) an Abgeordnete und Unternehmer gegangen sein.
Politisch brisant: Pokertische statt Gedenkstätte?
Für die ARMA ist der Vorfall viel mehr als nur ein Verwaltungsproblem. Die Behörde spricht von einer Entweihung eines Ortes, der „Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit“ sei. Behördenleiterin Olena Duma kritisierte scharf: „Das ist eine Missachtung der Erinnerung und der Werte, für die Blut vergossen wurde.“
Das Gebäude ist derzeit ohnehin Teil eines laufenden Strafverfahrens, in dem der Gewerkschaftsbund verdächtigt wird, staatliches Eigentum unrechtmäßig genutzt oder veräußert zu haben. Im Zuge dessen wurde das Maidan-Gebäude vom Staat beschlagnahmt.
Wiederholte Skandale um das Gebäude
Bereits zuvor war das Maidan-Gebäude immer wieder Ziel kontroverser Nutzungen. Nach der Restaurierung des durch einen Brand beschädigten Gebäudes sorgte zunächst die geplante Eröffnung eines Restaurants für Empörung.
2021 eröffnete dann der Pokerclub „Full House Khreschatyk“ im Keller. Auch dies führte zu öffentlicher Kritik. Seit April 2025 wird das Haus offiziell vom KAMparitet-Konsortium verwaltet, das es im Rahmen eines staatlichen Managementauftrags übernommen hat.