Der norwegischen Glücksspielbehörde Lottstift ist eine peinliche Datenschutz-Panne unterlaufen. In den vergangenen Monaten sind durch ein technisches Problem zahlreiche Daten, zu denen wohl auch mehr als 500 Hinweise auf illegales Glücksspiel gehören, verschwunden. Das ist nicht nur eine Datenpanne, sondern auch ein erheblicher Imageschaden.
Norwegische Glücksspielbehörde verliert wertvolle Daten
In Norwegen wird, genauso wie in Deutschland, die Bevölkerung dazu aufgefordert, Hinweise auf illegale Glücksspielangebote einzureichen. Dieser Ansatz ist auch in anderen Ländern zu finden und dient dazu, die Glücksspielbehörden zu entlasten. Es geht aber auch darum, den Spielern die Möglichkeit zu geben, ihr Wissen sinnvoll zu nutzen.
Doch auch die eifrigsten Hinweisgeber helfen nicht viel, wenn die Glücksspielbehörde am Ende die Hinweise verliert. Genau das ist der norwegischen Glücksspielbehörde in den vergangenen Monaten passiert. Durch einen IT-Fehler sind zahlreiche Hinweise für immer verloren. Es ist nicht ganz klar, wie dies passieren konnte, aber die Folgen sind unangenehm.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass das technische Problem über ein Jahr lang nicht entdeckt wurde. Anfang Juni fand ein Mitarbeiter schließlich das Problem und kümmerte sich um eine Lösung. Über ein Jahr lang wurden zahlreiche Hinweise nicht korrekt gespeichert und sind größtenteils für immer verloren. Nur etwa 120 Hinweise konnten immerhin wiederhergestellt werden.
Allerdings handelte es sich um Hinweise, die in den zwei Monaten vor der Entdeckung des Problems abgegeben wurden. Alle älteren Hinweise sind längst automatisch gelöscht worden, und zwar aus Datenschutzgründen. Die norwegische Glücksspielbehörde hat alle Hinweisgeber dazu aufgefordert, ihre Meldungen erneut abzugeben.
Warum es in der Glücksspielbehörde nicht aufgefallen ist, dass keine Hinweise aus der Bevölkerung ankamen, muss geklärt werden. Vielleicht kam auch ein Teil der Hinweise an und nur ein Teil wurde gelöscht. Das sind alles Fragen, die untersucht werden sollten, damit in Zukunft derartige Probleme frühzeitig entdeckt werden.
Es ist eine einfache Lösung, den Vorfall als IT-Problem zu benennen. Aber auch IT-Probleme werden von Menschen verursacht, denn jemand hat das System eingerichtet. Die Glücksspielbehörde hat offensichtlich nicht dafür gesorgt, dass das System vernünftig überwacht wird. Fraglich ist, ob die verlorenen Hinweise durch die Hinweisgeber erneut eingereicht werden.
Nach der Auswertung des Problems geht man davon aus, dass über 500 Hinweise nicht angekommen sind. Das bedeutet auch, dass sich über 500 freiwillige Hinweisgeber umsonst die Mühe gemacht haben, die norwegische Glücksspielbehörde über mögliche Probleme zu informieren.
Professionelle Glücksspielbehörde besser als Hinweisgeber?
Es gehört nicht viel dazu, alle illegalen Glücksspielangebote auf dem norwegischen Markt oder auf dem deutschen Markt zu finden. Eine fachkundige Person mit hoher Motivation könnte diesen Job wahrscheinlich allein erledigen. Allerdings sind nahezu alle Glücksspielbehörden in Europa personell knapp ausgestattet.
Das führt dazu, dass die Glücksspielbehörden darauf angewiesen sind, dass Hinweise aus der Bevölkerung kommen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verzichtet sogar weitgehend auf eigene Recherchen und verlässt sich darauf, dass die entscheidenden Tipps von freiwilligen Hinweisgebern kommen.
Ein Ansatz, bei dem echte Profis sich tagtäglich darum kümmern, den illegalen Glücksspielmarkt im Internet zu vermessen und jedes Online-Casino ohne Lizenz zu untersuchen, wäre vielleicht eine bessere Lösung. In Norwegen gilt ähnlich wie in Deutschland, dass das illegale Online-Glücksspiel floriert, eventuell auch weil die Glücksspielbehörden nicht über die nötige Leistungsfähigkeit verfügen.
Ein kleiner IT-Fehler und ein paar verlorene Hinweise sind auf lange Sicht kein großes Drama. Aber es ist ein ernsthaftes Problem, wenn Glücksspielbehörden darauf angewiesen sind, dass ganz normale Bürger Hinweise auf illegale Glücksspielanbieter geben, die von den Behördenmitarbeitern eigentlich selbst gefunden werden sollten.
