Ein Krypto-Abzocker hat zahlreiche Coinbase-Kunden ausgeraubt und dabei 4 Mio. USD erbeutet. Die Coinbase-Kunden wurden auf perfide Weise hereingelegt. Doch auch der Krypto-Abzocker konnte sich nur kurzzeitig freuen. Der Täter verspielte die gesamte Beute in Online-Casinos. Aufgedeckt wurde der Fall von dem Blockchain-Experten ZachXBT.
Krypto-Abzocker gibt sich als Supportmitarbeiter aus
Kryptowährungen werden in einer Blockchain sicher aufbewahrt. Doch diese technische Sicherheit bedeutet nicht, dass clevere Betrüger nicht dazu in der Lage sind, Krypto-Besitzer abzuzocken. Ein mutmaßlicher Betrüger, der im Netz unter den Pseudonymen PawsOnHips und Daytwo zu finden ist, hat nach Einschätzung von ZachXBT mehr als 4 Mio. USD erbeutet, indem er sich bei Coinbase-Kunden als Supportmitarbeiter ausgab.
Auf diesem Weg gelang es dem mutmaßlichen Täter, die Opfer dazu zu bringen, vermeintliche Coinbase-Wallets auf Phishingseiten anzulegen. Dadurch konnte der mutmaßliche Betrüger die sensiblen Walletdaten abfangen und die Krypto-Guthaben erbeuten. In einem Fall ging es um 240.000 USD. ZachXBT fand den mutmaßlichen Betrüger auf Discord.
ZachXBT schaffte es sogar, Wallet-Adressen zu finden, mit denen Daytwo Glücksspiel betrieben hatte. Zudem gelang es dem erfahrenen Blockchain-Experten, Belege für mindestens 30 Fälle sicherzustellen. Hinter der gesamten Aktion steckt nach Einschätzung von ZachXBT ein massives Glücksspielproblem.
Wenn ein Spieler mehr als 4 Mio. USD beim Online-Glücksspiel verliert, ist das bedenklich. Für die Opfer des mutmaßlichen Betrügers ist das jedoch kein Trost. Sicher scheint nur, dass es auch bei optimaler Strafverfolgung am Ende nicht möglich sein wird, das gestohlene Krypto-Geld zurückzubekommen. Somit gibt es in dem gesamten Fall nur Verlierer.
Glücksspiel als Sucht oder für Geldwäsche?
Wenn es um Glücksspiel geht, sind zwei Themen immer präsent: Sucht und Geldwäsche. Im Fall von Daytwo ging es wohl ausschließlich um Spielsucht. Geldwäsche ist beliebt, weil es möglich ist, über passende Online-Casinos das Geld einer eindeutigen legalen Quelle zuzuordnen. Kriminelle nutzen dafür meistens gestohlene Kundenkonten. Auf dem Schwarzmarkt ist es möglich, entsprechende Konten zu kaufen.
Daytwo hatte aber allem Anschein nach andere Absichten. Wer es schafft, innerhalb weniger Monate 4 Mio. USD online in Casinos zu verlieren, muss unfassbare Umsätze produzieren, denn die Auszahlungsquoten liegen bei den meisten Spielen deutlich über 90 Prozent. Rechnet man mit dieser Quote, hätte Daytwo einen Umsatz von etwa 40 Millionen USD generieren müssen. Wahrscheinlich war der Umsatz noch deutlich höher.
Das ist nur in Online-Casinos, die speziell auf High Roller zugeschnitten sind, machbar. Gerade Krypto-Casinos, die außerhalb der üblichen Jurisdiktion agieren, ermöglichen es Spielern, riesige Beträge zu setzen. In legalen Online-Casinos wäre es kaum möglich, derart hohe Beträge zu verlieren, ohne dass zwischendurch eine Prüfung der wirtschaftlichen Situation des Kunden durchgeführt wird.
Social Engineering ist nicht nur bei Krypto-Betrügern beliebt
Als Social Engineering werden Methoden bezeichnet, bei denen das Verhalten der Opfer zugunsten der Täter manipuliert wird. Der Fall, den ZachXBT aufgedeckt hat, funktioniert ohne technisches Hacking oder elektronische Manipulationen. Der Täter musste es nur schaffen, die Opfer dazu zu bringen, ihm ungewollt Zugang zu ihren Krypto-Guthaben zu verschaffen.
ZachXBT geht davon aus, dass die gesammelten Beweise genügen werden, um die zuständigen Strafverfolgungsbehörden dazu zu bringen, Ermittlungen einzuleiten. Bei einer derart hohen Schadenssumme wäre es durchaus denkbar, dass der Täter Ende ins Gefängnis geht. Vielleicht wird dann auch die Spielsucht des Betrügers behandelt.
Das wäre eine gute Sache, denn irgendwann endet die Haftstrafe. Wenn die Spielsucht dann immer noch vorhanden wäre, würde es wohl nicht lange dauern, bis es erneut zu Straftaten käme. Spielsüchtige ruinieren sich selbst, ihr Umfeld und oft auch viele Unbeteiligte.
