Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) diskutiert im neuen Tätigkeitsbericht 2024 auch das unerlaubte Glücksspiel. Der illegale Glücksspielmarkt im Internet bestand 2024 demnach aus 212 Anbietern, die 858 Websites betrieben. Die GGL schätzt den Bruttospielertrag auf dem Schwarzmarkt auf 500 bis 600 Mrd. Der legale Online-Glücksspielmarkt umfasst einen Bruttospielertrag von etwas mehr als 600 Milliarden EUR. Demnach kann festgestellt werden, dass die Kanalisierung des Online-Glücksspiels in Deutschland bei ungefähr 50 %, eventuell auch leicht darüber, liegt. Das ist dramatisch schlecht.
Daten zur Kanalisierung im GGL-Tätigkeitsbericht 2024 versteckt
Einmal im Jahr veröffentlicht die GGL einen Tätigkeitsbericht, um auf das vorangegangene Jahr zurück zu blicken. Dabei werden viele interessante Zahlen veröffentlicht. Der Begriff Kanalisierung wird sechsmal im Tätigkeitsbericht 2024 verwendet. Allerdings wird an keiner Stelle die Kanalisierung explizit angegeben. Aber es ist durchaus möglich, die Kanalisierung zu ermitteln, denn die GGL liefert die notwendigen Zahlen.
Mit Kanalisierung wird zum Ausdruck gebracht, wie hoch der Anteil des legalen Marktes am Gesamtmarkt ist. Beim Glücksspiel ist die entscheidende Kennzahl der Bruttospielertrag. Die GGL gibt für das Jahr 2024 einen Bruttospielertrag von 0,6 Milliarden EUR für virtuelle Automatenspiele an. Für Online-Casinospiele, also klassische Bankhalterspiele wie Roulette, Blackjack und Baccarat, gibt die GGL einen Bruttospielertrag von 0,0007 Mrd. EUR an.
Wir können somit der Einfachheit halber davon ausgehen, dass der legale Glücksspielmarkt ein Volumen von 600 Millionen € hat. Richtig spannend wird es allerdings, wenn wir zum Vergleich die Angaben zum unerlaubten Markt 2024 anschauen. Die GGL berichtet von 212 Anbietern und 858 deutschsprachigen Internetseiten, die von diesen Anbietern betrieben werden.
Der Bruttospielertrag dieser 212 Anbieter wird auf 500 bis 600 Mio. EUR geschätzt. Somit haben der illegale und der illegale Glücksspielmarkt ungefähr das gleiche Volumen. Nimmt man die beiden angegebenen Werte, ergibt sich eine Kanalisierung zwischen 50 und 54,4 Prozent. Das ist alles andere als beeindruckend, zumal wir davon ausgehen, dass der geschätzte Bruttospielertrag GGL für den unerlaubten Markt eher konservativ angesetzt ist.
Legaler Glücksspielmarkt mit 50 Prozent Kanalisierung gescheitert?
In jeder anderen Branche würden die Alarmglocken schrillen und umfassende Maßnahmen inklusive Gesetzesänderungen eingeleitet, wenn ersichtlich wäre, dass der Schwarzmarkt die Hälfte des gesamten Marktes umfasst. Doch beim Online-Glücksspiel kann es sich die zuständige Glücksspielbehörde leisten, nicht einmal die Kanalisierung anzugeben und im Detail zu diskutieren.
Im Tätigkeitsbericht 2024 wird ausführlich diskutiert, wie mit IP-Sperren und Payment Blocking gearbeitet wird, um die Glücksspielanbieter ohne Lizenz vom Markt zu verdrängen. Die Maßnahmen sind angeblich sehr erfolgreich. Wie sähe die Kanalisierung wohl aus, wenn IP-Sperren und Payment Blocking nicht verfügbar wären?
Die Kanalisierung wird sich auf lange Sicht nicht verbessern lassen, ohne eine Änderung der Glücksspielregulierung. Darin sind sich die meisten Glücksspielexperten einig. Der legale Markt muss attraktiver werden, damit mehr Glücksspiel-Fans die legalen Angebote bevorzugen. Allerdings ist es fraglich, ob die erforderlichen Änderungen umsetzbar sind.
Wie beim Glücksspielstaatsvertrag 2021 müssen sich alle Bundesländer auf eine gemeinsame Regulierung einigen. Da es aber einige Landesregierungen gibt, die klar gegen Glücksspiel positioniert sind, wird es schwierig sein, die Regulierung zu lockern. Deswegen wird die Kanalisierung sich aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren kaum ändern.
Mit restriktiven Maßnahmen allein lässt sich nicht viel erreichen. Auch wenn im Moment der Druck auf Malta als Lizenzgeber erhöht wird, wird dies nur begrenzt helfen. Die GGL gibt an, dass lediglich 19 von 212 unerlaubten Glücksspielanbietern in der EU ansässig sind. Gegen die anderen Glücksspielanbieter hat die deutsche Glücksspielbehörde praktisch keine Handhabe.
Schaut man sich in einschlägigen Online-Foren um, wird schnell deutlich, dass die meisten Glücksspiel-Fans wissen, dass der regulierte Online-Glücksspielmarkt in Deutschland nicht attraktiv ist. Kenner bevorzugen Online-Casinos ohne Lizenz, da sie mehr einzahlen und mit höheren Einsätzen spielen können. Dieses Problem lässt sich mit IP-Sperren und Payment Blocking nicht lösen.
