Daniel Negreanu erkennt in der Künstlichen Intelligenz einen der größten Umbrüche für das Spiel. „Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel“, sagt er. KI könne Spielern helfen, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Gleichzeitig hätten Anbieter inzwischen starke Werkzeuge entwickelt, um genau das zu unterbinden. „Hoffentlich“, schreibt er, nicht ohne Skepsis. Für ihn steht fest: Poker muss sich anpassen – online wie live.
Besonders im Live-Sektor sieht er Herausforderungen. So fordert er klare Maßnahmen gegen langsames Spiel: „Jedes Turnier mit einem Buy-in über $5.000 sollte Shot Clocks haben.“ Der Trend zum Tanken – also zum übertrieben langsamen Denken – gefährde laut Negreanu den Spielfluss und das Zuschauererlebnis.
WSOP, Nostalgie und Phil Hellmuths Murmeln
Emotional wurde es, als Negreanu auf vergangene WSOP-Momente zurückblickte. Eine besondere Hand aus dem Jahr 2001 verfolgt ihn noch heute: Mit AK schied er als Chipleader gegen Pocket Sechsen aus – unter den letzten zwölf Spielern. Diese Szene sitzt tief. Dennoch verliert er nicht seinen Humor: „Phil Hellmuth am Tisch? Immer ein Spektakel. Wie er vor sich hin murmelt, wenn er verliert – unbezahlbar.“
Keine politische Heimat, aber klare Meinung
Auf die Frage, ob er mittlerweile zum Trump-Lager gehöre, antwortete Negreanu unmissverständlich: „Nein. Ich sehe mich als politisch obdachlos.“ Seine Kritik richtet sich gegen ein neues Gesetz, das Glücksspielverluste steuerlich kaum noch anerkennen will. Die sogenannte „Big Beautiful Bill“ sei ein Rückschlag für Profis und Amateure gleichermaßen.
Negreanu bleibt kämpferisch: „Ich glaube, das wird gekippt. Beide politischen Seiten sehen, wie dumm und unfair es ist.“
Game of Gold bleibt (vorerst) Vergangenheit
Die Poker-Realityshow „Game of Gold“ brachte frischen Wind in die Szene. Fans hofften auf eine zweite Staffel, doch Negreanu dämpft die Erwartungen: „Aktuell sieht es nicht gut aus. Aber wer weiß – ich fand das Format großartig.“ Die Hoffnung auf ein Comeback bleibt.
Poker mit 51: Besser als je zuvor
Negreanu glaubt an späte Blütezeiten im Poker. Das oft zitierte Spielerhoch zwischen 40 und 45? Für ihn überholt. „Ich bin 51 und besser als je zuvor.“ Disziplin, mentale Schärfe und ständiger Antrieb sind laut ihm die Bausteine seines Erfolgs.
Daniel Negreanu bleibt mehr als nur ein Champion. Er ist Stimme, Kritiker, Motivator – und gerade weil er Klartext spricht, prägt er das Spiel weit über die Tische hinaus.
