- Letzte Chance: Glücksspielbranche kämpft für Steuer-Rücknahme vor dem Steuerjahr 2027.
- Branche warnt: Freizeitspieler könnten durch neue Regelung abgeschreckt werden.
- Verdacht auf Einflussnahme: Prediction Markets profitieren steuerlich.
Die amerikanische Glücksspielindustrie steht vor einer ungewissen steuerlichen Zukunft. Nachdem die umstrittene Steueränderung im Rahmen des „One Big Beautiful Bill Act“ (OBBBA) beschlossen wurde, sieht es zunehmend danach aus, dass die Rücknahme der Regelung noch bis 2026 gelingen muss, um Steuerbelastungen für Glücksspieler ab 2027 zu vermeiden.

Die Änderung sieht eine Reduktion der Abzugsfähigkeit von Verlusten beim Glücksspiel von 100 % auf 90 % vor. Das bedeutet: Wer rein rechnerisch auf null spielt, könnte dennoch steuerpflichtig werden. Branchenvertreter kritisieren dies als „phantom income taxation“ scharf. Auch Phil Hellmuth hatte das Gesetz als „death tax“ bezeichnet.
Joe Maloney, Vizepräsident der American Gaming Association (AGA), macht klar: Das Ziel sei es, die Rücknahme der Regelung spätestens bis Ende 2026 durchzusetzen, also rechtzeitig vor der Steuererklärungssaison 2027. Zwar scheiterte zuletzt der Versuch von Rep. Dina Titus, die Rücknahme in ein übergreifendes Gesetz einzubringen, doch das Thema bleibt auf der Agenda. Eine rückwirkende Anpassung für das Steuerjahr 2026 sei möglich, was die schlimmsten Folgen für Spieler verhindern könnte.
Poker- und Sportwetten-Spieler im Schwebezustand
Die Unsicherheit trifft neben Sportwettern auch Poker-Spieler. Denn wie der Branchenexperte Steve Ruddock festhält, könnten sich Steuerpflichtige über Monate hinweg nicht sicher sein, nach welchem System ihre Gewinne und Verluste abgerechnet werden. Selbst bei einem Rücknahmebeschluss im Sommer 2026 bliebe bis dahin ein Vakuum. Diese Unsicherheit könnte viele Spieler verunsichern und das Vertrauen in regulierte Märkte weiter schwächen.
Besonders betroffen sind Freizeitspieler, die laut einer neuen Studie der Organisation „American Bettors’ Voice“ (ABV) einen Großteil des Gesamtvolumens im Markt ausmachen. Fallen diese weg, weil sie sich vor steuerlichen Konsequenzen scheuen, könnte der gesamte Poker- und Sportwettenmarkt ins Wanken geraten. Die ABV spricht gar von einer „existenzbedrohenden“ Entwicklung für die legale Glücksspielbranche.
Abwanderung zu Offshore-Anbietern und Prediction Markets befürchtet
Laut ABV könnten zwischen 12 und 32 % des Wettvolumens durch Abwanderung verlorengehen, sei es zu illegalen Offshore-Anbietern oder zu sogenannten Prediction Markets wie Kalshi oder Polymarket. Diese Plattformen bieten wetteähnliche Produkte an, unterliegen aber anderen steuerlichen Regeln, unter anderem keiner Begrenzung bei der Verlustverrechnung. Genau das macht sie besonders attraktiv.
Hinter diesen Plattformen stehen politische und wirtschaftliche Schwergewichte. So ist Donald Trump Jr. sowohl Berater bei Kalshi als auch Investor bei Polymarket. In der Branche kursiert der Verdacht, dass genau diese Gruppen Einfluss auf die Steuerpolitik genommen haben könnten, um traditionelle Anbieter zu schwächen und Marktanteile umzulenken. Die Folge: Mögliche Milliardenausfälle für die öffentlichen Kassen und ein drastischer Einschnitt für regulierte Pokerräume und Wettanbieter.
Die Uhr tickt für Glücksspieler und Politik
Noch ist nicht alles verloren, doch das Zeitfenster für eine Kurskorrektur schließt sich. Poker-Profis, Freizeitspieler und Sportwetter hängen von einer steuerpolitischen Entscheidung ab, die über ihre Zukunft am Tisch mitentscheidet.
Sollte die Rücknahme bis Ende 2026 gelingen, könnten die neuen Regeln noch gekippt werden, bevor sie voll wirksam werden. Scheitert der Versuch, drohen weitreichende Folgen für den gesamten US-Glücksspielmarkt und ein Exodus aus der Legalität.