- Poker-Vorstoß in D.C.: Bürgermeisterin Bowser bringt Gesetzesvorschlag zur Legalisierung von Poker erneut ein
- Wirtschaft in der Krise: 6 % Arbeitslosigkeit, schwacher Jobmarkt, Poker als Hoffnungsträger
- Politisches Risiko: Stadtrat hatte ähnliche Vorstöße zuletzt geschlossen abgelehnt
Washington D.C. steht wirtschaftlich am Scheideweg. Die Arbeitslosenquote stagniert bei 6 %, die Zahl der Arbeitssuchenden übersteigt das Jobangebot, und die Stimmung unter den lokalen Unternehmern ist gedrückt.

Inmitten dieser angespannten Lage bringt Bürgermeisterin Muriel Bowser eine ungewöhnliche Maßnahme erneut auf den Tisch: die Legalisierung von Live-Poker, Blackjack und Bingo. Die Hoffnung? Ein frischer Impuls für die lahmende Wirtschaft der US-Hauptstadt.
Bereits im Mai hatte Bowser im Rahmen ihres 21,8-Milliarden-US-Dollar-Budgets für das Fiskaljahr 2026 einen ersten Anlauf genommen. Damals scheiterte der „Poker and Blackjack Gaming Authorization Act of 2025“ jedoch am Widerstand im Stadtrat und fand keinen Eingang in die finale Gesetzesvorlage CB 26-0265. Doch aufgeben ist nicht Bowser’s Stil. „Sie sagen mir, Poker ist heiß“, betonte sie bei einer Pressekonferenz am Dienstag kämpferisch und kündigte eine überarbeitete Initiative an.
Hotels, Bars und große Turniere im Visier
Das überarbeitete Gesetz zielt darauf ab, Live-Poker und Blackjack für Personen ab 18 Jahren zu legalisieren. Ein Fokus liegt dabei auf der Ausrichtung nationaler Turniere, die Spieler aus dem In- und Ausland nach D.C. locken könnten. Diese Events sollen zusätzliche Einnahmen generieren, den Tourismus ankurbeln und neue Arbeitsplätze schaffen.
Konkrete Zahlen, wie viel Steuereinnahmen oder Wirtschaftswachstum durch die Maßnahmen zu erwarten sind, konnte Bowser noch nicht nennen. Auch der städtische Finanzdirektor hat bislang keine Prognosen geliefert. Ihre Stellvertreterin, Nina Albert, verwies auf die noch laufende Konzeptphase.
Klar ist: Die Stadt setzt darauf, ihr Entertainment-Ökosystem zu diversifizieren und unabhängiger von Bundesstellen zu werden, deren Abbau laut Axios sogar eine leichte Rezession für 2026 auslösen könnte.
Poker als Teil einer größeren Wachstumsagenda
Die Poker-Initiative ist nur ein Baustein von Bowsers wachstumsorientierter Kehrtwende. Parallel dazu will sie die Bauvorschriften für Entwickler lockern, Büroimmobilienkäufe steuerlich attraktiver gestalten und Straßenhändler erneut regulieren. Dies würde eine Rolle rückwärts zur De-Kriminalisierung von 2023 bedeuten. Auch Förderprogramme wie der „Vitality Fund“ und der „Growth Fund“ sollen Unternehmen nach D.C. holen oder dort halten, um die Innenstadt zu beleben.
Die finalen Entscheidungen liegen nun beim Stadtrat, der bereits im Sommer vier ähnliche Vorschläge in Bowsers Haushaltsentwurf verworfen hatte. Entsprechend groß dürfte die Debatte rund um die Legalisierung von Poker ausfallen. Doch Bowser scheint entschlossen, D.C. wirtschaftlich zu transformieren und setzt dabei auch auf das Spiel mit den Karten.