- Poker im Visier: Griechenland will Online-Pokerseiten für Minderjährige systematisch sperren
- Technik-Offensive: Altersverifikation über Netzprovider und neue App „Kids Wallet“ geplant
- Juristische Hürden: Datenschutz und EU-Recht könnten Umsetzung erschweren
Griechenland plant eine umfassende Jugendschutz-Offensive, die auch das Online-Pokerspiel ins Visier nimmt. Ziel der Maßnahme ist es, Minderjährigen den Zugang zu sämtlichen Formen des Glücksspiels, darunter Wetten, Online-Casinos und Pokerplattformen, wirksam zu verwehren.

Laut Medienberichten bereitet die Regierung ein neues Kontrollsystem vor, das auch die Nutzung sozialer Medien wie Instagram oder TikTok für unter 15-Jährige einschränken könnte. Herzstück des Projekts ist eine neue App mit dem Namen „Kids Wallet“. Über diese sollen Eltern und Behörden künftig Altersfreigaben durchsetzen sowie Ausgabenlimits definieren können, um riskantes Verhalten frühzeitig zu unterbinden.
Technologie soll Altersgrenzen bei Poker & Co automatisieren
Der große Unterschied zu bisherigen Ansätzen liegt in der technischen Umsetzung: Internetprovider und Zahlungsdienstleister sollen aktiv in die Altersverifikation eingebunden werden. Wenn ein Nutzer nicht etwa über SIM-Kartendaten oder offizielle Register als volljährig identifiziert wird, sollen Glücksspielseiten inklusive Pokerangebote automatisch gesperrt werden. Ein Zugriff auf Echtgeldspiele wie Texas Hold’em wäre damit ohne Altersfreigabe künftig unmöglich.
Ob dies allerdings in der Praxis zuverlässig umsetzbar ist, ist noch unklar. Kritiker weisen auf mögliche Schlupflöcher wie VPNs, geteilte Geräte oder anonyme Prepaid-Karten hin. Zudem werfen Datenschützer Fragen auf: Eine zentrale Altersverifikation über Provider könnte gegen die DSGVO oder andere europäische Rechtsnormen verstoßen.
Ein strenges Land wird noch restriktiver
Schon heute zählt Griechenland zu den am strengsten regulierten Glücksspielmärkten Europas, insbesondere im Bereich Online-Poker. Während in vielen Ländern das Mindestalter für Glücksspiele bei 18 Jahren liegt, dürfen Griechen erst mit 21 Jahren offiziell teilnehmen. Werbung, die auf junge Menschen zielt oder problematisches Spielverhalten romantisiert, ist ohnehin untersagt. Die griechische Glücksspielaufsicht (Hellenic Gaming Commission) blockiert regelmäßig Anbieter ohne Lizenz. Im Jahr 2024 wurden über 2.000 illegale Webseiten gesperrt, darunter auch viele Pokerrooms mit ausländischer Lizenz.
Mit der „Kids Wallet“-App und der Netzsperre durch Provider könnte nun eine neue Ära technischer Prävention eingeläutet werden, die Glücksspielplattformen wie PokerStars oder GGPoker gezielt für unter 18-Jährige unzugänglich macht.
Rechtslage in der EU bleibt ein Stolperstein
Allerdings steht die geplante Umsetzung auf juristisch unsicherem Boden. Die europäische Gesetzgebung kennt klare Vorgaben zur Netzneutralität und zum freien Zugang zu digitalen Inhalten. Eine altersabhängige Blockade bestimmter Dienste durch Internetprovider könnte ohne explizite gesetzliche Grundlage gegen EU-Recht verstoßen. Auch der Digital Services Act dürfte hohe Hürden setzen, was automatisierte Eingriffe in die Surfgewohnheiten betrifft.
Sollte Griechenland dennoch den Vorstoß wagen, könnte es damit einen Präzedenzfall schaffen und den Druck auf andere Mitgliedstaaten erhöhen, ebenfalls über härtere technische Schutzmaßnahmen nachzudenken. Bis dahin bleibt offen, ob die geplanten Mechanismen wirklich greifen oder bloß ambitionierte Theorie bleiben.