Ein geleakter Gesetzesentwurf aus Österreich sorgt derzeit für Diskussionen in der europäischen Glücksspielbranche. Das Dokument zeichnet ein deutlich konkreteres Bild davon, wie die Zukunft des Online-Glücksspiels im Land aussehen könnte.
Besonders bemerkenswert ist dabei ein möglicher Kurswechsel bei den Online-Casinolizenzen. Während bislang lediglich ein Anbieter über eine entsprechende Genehmigung verfügt, sieht der Entwurf offenbar die Einführung eines neuen Lizenzsystems vor, das mehreren Betreibern den Markteintritt ermöglichen würde.
Marktöffnung mit hohen Hürden
Die Diskussion über eine Reform des österreichischen Glücksspielmarktes läuft bereits seit Jahren. Neu sind jedoch die Details, die nun durch den geleakten Entwurf bekannt geworden sind.
Demnach soll die Zahl der künftigen Online-Casino-Lizenzen nicht begrenzt werden. Gleichzeitig könnten die Voraussetzungen für eine Zulassung allerdings so hoch ausfallen, dass nicht jeder interessierte Betreiber tatsächlich eine Lizenz erhalten wird.
Nach den bekannt gewordenen Plänen müssten Unternehmen unter anderem offene rechtliche Verpflichtungen in Österreich erfüllen und ausstehende Steuerforderungen begleichen. Dies soll auch für zurückliegende Jahre gelten. Branchenvertreter gehen davon aus, dass dadurch erhebliche Kosten entstehen könnten.
Die geplanten Lizenzen sollen zunächst für fünf Jahre vergeben werden und anschließend um weitere zehn Jahre verlängert werden können.
Deutlich strengere Vorgaben für Spieler
Neben der Marktöffnung enthält der Entwurf zahlreiche Maßnahmen zum Spielerschutz.
Für Spieler unter 26 Jahren ist ein wöchentliches Einzahlungslimit von 250 Euro vorgesehen. Ab dem Alter von 26 Jahren soll die Grenze bei 1.680 Euro liegen, wobei unter bestimmten Voraussetzungen höhere Beträge möglich wären.
Darüber hinaus sollen die maximal erlaubten Einsätze auf 2 Euro pro Spielrunde begrenzt werden. Gleichzeitig würde der Höchstgewinn auf 2.000 Euro sinken. Besonders einschneidend wäre ein vollständiges Verbot von Jackpots.
Auch verpflichtende Spielpausen sind Teil der Pläne. Nach 90 Minuten durchgehendem Spiel müssten Nutzer eine Pause von mindestens 15 Minuten einlegen. Ergänzt werden soll das System durch eine zentrale Sperrdatei, die von der zuständigen Aufsichtsbehörde verwaltet wird.
Politische Entscheidung steht noch aus
Trotz der veröffentlichten Details handelt es sich bislang lediglich um einen Gesetzesentwurf. Bevor die Reform Realität werden kann, muss sie zunächst die politischen Hürden in Österreich überwinden.
Der aktuelle Entwurf soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause behandelt werden. Erst danach wird sich zeigen, welche Regelungen tatsächlich Bestand haben und ob Österreich den Schritt zu einem offenen Lizenzmodell vollzieht.
Für die Branche bleiben insbesondere zwei Fragen offen: Welche finanziellen Folgen hätten mögliche Nachzahlungen für interessierte Betreiber und wie praktikabel wären die geplanten Einschränkungen beim Spielerschutz? Antworten darauf wird es vermutlich erst geben, wenn die endgültige Gesetzesfassung vorliegt.
