150.000 Websites werben nach Cyberattacke für chinesische Online-Casinos

Eine spektakuläre Cyberattacke hat mehr als 150.000 Websites mit Werbung für chinesische Online-Casinos geflutet. Nach Einschätzung von Experten ist die aktuelle Attacke nur ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren für viele Website-Betreiber zu einem erheblichen Problem werden könnte. Die Attacke begann im Februar, läuft aber allem Anschein nach immer noch. Die illegale Guerilla-Aktion dürfte ihren Zweck längst erfüllt haben.

Guerilla-Marketing für chinesische Online-Casinos mit Cyberattacke

Cyberattacken basieren auf Lücken und Schwachstellen in Browsern, Surfern und Website-Software. Doch selten kommt es zu derart großen Cyberattacken wie beim aktuellen Angriff der chinesischen Online-Casinos. Derart inoffizielle Werbung könnte man dem Guerilla-Marketing zuordnen, wenn es sich nicht um eine höchst illegale und moralisch verachtenswerte Form der Casino-Werbung handelte.

Mit einer Malware werden bei der aktuellen Cyberattacke die Browser gekapert. Mit verschleierten Skripten ist es allem Anschein nach erstaunlich einfach, Websites lahmzulegen. Bislang scheint kein Kraut gewachsen zu sein gegen die Verbreitung der Malware, denn nach anfänglich 35.000 infizierten Websites sprechen Experten nun von mehr als 150.000 betroffenen Websites. Täglich kommen neue Websites hinzu.

Die Werbung für chinesische Online-Casinos ist alles andere als subtil. Wenn der Malware-Angriff erfolgreich ist, wird eine Werbung auf den gesamten Bildschirm geschaltet, die sich nicht einfach wegklicken lässt. Der Stil erinnert dabei durchaus an seriöse Casino-Werbung, sodass es mit Sicherheit auch Website-Besucher gibt, die von einer legalen Werbung ausgehen.

Malware-Entfernung ist teurer als Sicherheitsmaßnahmen

Für die Website-Betreiber ist es nicht einfach, die Malware zu entfernen. Zudem gibt es unzählige Websites, die nicht kontinuierlich gewartet werden. Auf diesen Websites läuft die Casino-Werbung ungestört, teilweise wahrscheinlich noch für eine lange Zeit.

Beworben werden neben illegalen Online-Casinos auch illegale Online-Buchmacher. Es ist völlig klar, dass sich seriöse Glücksspielanbieter für derartige Machenschaften nicht hergeben. Aber Betreiber illegaler Spielangebote haben an dieser Stelle weniger Hemmungen. Es geht nur darum, in kurzer Zeit möglichst viel Geld zu verdienen.

Allerdings ist die Größenordnung für die Glücksspielbranche eine neue Dimension. Erste Patches sind bereits im Umlauf. Zudem empfehlen Experten, die Sicherheitsfeatures für Skripte anzupassen, um die versteckten Skripte gar nicht erst zu aktivieren.

Auch legale Glücksspielbranche hat Sicherheitsprobleme

Es ist keineswegs so, dass ausschließlich illegale Glücksspielanbieter für Probleme sorgen. Auch Besucher legaler Online-Casinos setzen sich mitunter erheblichen Gefahren aus. Besonders deutlich wird dies am jüngsten Fall, in dem Merkur-Casinos durch mangelhafte Sicherheitsstrategien Kundendaten ungeschützt im Netz stehen ließen. Wenn sensible Kundendaten von der Handynummer bis zur Bankverbindung plötzlich frei verfügbar sind, ist das ein Super-Gau, der hinsichtlich der Auswirkungen schlimmer ist als eine Website, die unerwünschte Werbung für illegale Online-Casinos einblendet.

Viele Sicherheitsexperten warnen seit Jahren davor, dass Cyberattacken zu einem größeren Problem werden. Trotzdem haben wir Menschen kein Problem damit, Unternehmen im Internet ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Dabei zeigt die gesamte Geschichte des Datenschutzes, dass Datensparsamkeit der beste Ansatz ist.

Pikanterweise sind es gerade die illegalen Online-Casinos, die an dieser Stelle Vorteile haben. Während Online-Casinos mit deutscher Lizenz ihre Kunden durchleuchten und für eine Limiterhöhung sogar eine Schufa-Auskunft oder anderweitige wirtschaftliche Auskünfte verlangen, können Spieler in internationalen Online-Casinos zurückhaltender mit ihren Daten umgehen.

Name, Adresse und Kontaktdaten sind immer erforderlich. Aber in Krypto-Casinos ist es möglich, sichere und verschlüsselte Transaktionen ohne Bank abzuwickeln.


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