Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) hat angekündigt, Turbozertifikate strenger zu regulieren. Nach Einschätzung vieler Experten nutzen viele Privatanleger Turbozertifikate wie Glücksspiele. Das Problem dabei ist, dass laut BaFin 74,2 % der Privatinvestoren Verluste mit den besonders stark gehebelten Zertifikaten erleiden.
BaFin reguliert Turbozertifikate deutlich strenger
Was ist ein Turbo-Zertifikat? Es handelt sich um ein strukturiertes Finanzprodukt, das sich auf einen Basiswert bezieht. Dieser Basiswert kann beispielsweise eine Aktie, ein Index oder auch ein Rohstoff sein. Mit dem Zertifikat wettet der Käufer darauf, dass der Kurs des Basiswerts ansteigt oder fällt. Durch einen eingebauten Hebel profitiert der Käufer im Erfolgsfall überproportional.
Allerdings fällt der Kurs des Turbo-Zertifikats auch sehr schnell, wenn sich der Kurs des Basiswerts in die falsche Richtung bewegt. Bei den sogenannten Knock-Out-Zertifikaten gibt es zudem den Effekt, dass der Hebel bei einer günstigen Kursentwicklung kleiner wird, bei einer ungünstigen Kursentwicklung aber steigt.
Ein einfaches Beispiel: Wenn ein Privatanleger darauf wettet, dass der DAX steigt und ein Turbo-Zertifikat mit einem Hebel von 10 kauft, genügt schon ein Anstieg des DAX um 1 %, um einen Gewinn von 10 % zu erzielen. Fällt der DAX hingegen um 1 %, sinkt der Wert des Zertifikats um 10 %.
Das ist eine vereinfachte Rechnung, denn aufgrund der oben beschriebenen Veränderung des Hebels kann ein regelrechter Abwärtssog bei ungünstiger Kursentwicklung entstehen. Wenn sich die Märkte rasant bewegen, kann es auch zu einem Totalverlust innerhalb kürzester Zeit kommen.
Es ist leicht zu verstehen, warum viele Privatanleger mit Turbozertifikaten überfordert sind. Im Kern handelt es sich um Wetten auf steigende oder fallende Kurse. Wer nicht genügend Ahnung hat und Turbozertifikate nicht strategisch und mit einem durchdachten Risikomanagement nutzt, scheitert fast zwangsläufig.
Der durchschnittliche Verlust von Privatanlegern mit Turbozertifikaten lag zwischen 2019 und 2023 laut BaFin bei 6.358 €. Die BaFin berichtet, dass in den vergangenen Jahren die Werbung für Turbozertifikate zugenommen hat. Teilweise würden sogar spezielle Bonusangebote aufgelegt, um Privatanleger von diesem Finanzinstrument zu überzeugen.
Turbozertifikate können pures Glücksspiel sein
Für professionelle Anleger sind Turbozertifikate enorm wertvoll. Der große Vorteil ist, dass es durch den Hebel möglich ist, das Anlagevermögen klein zu halten und trotzdem erheblich zu profitieren. Zudem sind Turbozertifikate hervorragend geeignet, um Investitionen abzusichern, etwa gegen einen plötzlichen Kurssturz.
Die BaFin will Turbozertifikate nicht verbieten. Aber in Zukunft soll es deutliche Risikohinweise für Privatanleger geben, in denen wirkungsvoll dargelegt wird, dass es ein erhebliches Verlustrisiko gibt. Zudem sollen Lockangebote wie günstigere Ordergebühren und Boni verboten werden. Nicht zuletzt sollen Anleger einen detaillierten Wissenstest durchlaufen, bevor sie freigeschaltet werden für den Handel mit Turbozertifikaten. Dieser Wissenstest soll regelmäßig wiederholt werden.
Börse ist nicht gleich Casino
Zweifellos gibt es Finanzprodukte wie Turbozertifikate, die in falscher Hand ähnlich lukrativ sind wie Online-Spielautomaten. Aber generell sind Investitionen an der Börse durchaus empfehlenswert. In Deutschland gibt es traditionell eine große Skepsis gegenüber der Börse. Bei jungen Erwachsenen gibt es allerdings den Trend, Geld an der Börse zu investieren.
Wenn es darum geht, Geld zu vermehren, sind Investitionen in Aktien eine erstklassige Option. Der Besuch in einem Online-Casino ohne Lizenz macht Spaß und manchmal entstehen sogar hohe Gewinne. Aber niemand sollte davon ausgehen, dass es im Casino möglich ist, regelmäßig Geld zu verdienen. Wenn es darum geht, das eigene Vermögen aufzubauen oder zu vergrößern, sind Investitionen in Aktien, Immobilien und andere Assets definitiv die bessere Wahl.
