Curaçao eGaming (Cyberluck NV), einer von vier Master-Lizenzinhabern auf Curaçao, ist pleite. Der Bankrott vergrößert das Chaos rund um das neue Lizenzierungssystem, das derzeit eingeführt wird.
Curaçao eGaming kommt finanziellen Verpflichtungen nicht nach
Der Bankrott von Curaçao eGaming hat einfache Gründe: Diverse Sub-Lizenzinhaber des Master-Lizenzinhabers haben allem Anschein nach Gewinne nicht ausgezahlt. In einem Gerichtsverfahren in Curaçao wurde bereits am 20. März 2023 entschieden, dass Curaçao eGaming die Verantwortung hat für nicht ausgezahlte Gewinne in Höhe von 66.400 € in einem Online-Casino der GLD Group BV.
Es ist davon auszugehen, dass es noch weitere Fälle gibt, denn ein mittlerer fünfstelliger Betrag sollte einen Master-Lizenzinhaber in Curaçao nicht aus der Bahn werfen. Bekannt ist beispielsweise, dass es Klagen auf Gewinnauszahlungen gegen Stacktrace NV, 1xCorp NV und Cake Entertainment NV gibt, wobei es allein im Fall Stacktrace um eine Summe von über 1 Million € gehen soll.
Mit der mittlerweile gerichtlich bestätigten Insolvenz fällt Curaçao eGaming in Zukunft als Lizenzgeber aus. Theoretisch sollte das kein Problem sein, da die Sub-Lizenzinhaber in das neue Lizenzsystem in Curaçao integriert werden.
Aber ganz praktisch dürfte es einige Sub-Lizenzinhaber geben, die nicht die nötigen Voraussetzungen mitbringen, um eine Lizenz im neuen System zu bekommen. Somit gibt es eine hohe Unsicherheit bei Betreibern von Online-Casinos, Online-Buchmachern und Online-Poker, deren rechtliche Existenz darauf basierte, dass Curaçao eGaming eine Master-Lizenz in Curaçao hatte.
Für Pokerfans, die schon seit einigen Jahren dabei sind, dürfte es interessant sein zu wissen, dass Curaçao eGaming auch der Lizenzgeber von LockPoker war, einem der berüchtigtsten Anbieter von Online-Poker. Im Jahr 2015 ging das Unternehmen mit Millionen-Schulden aus dem Geschäft. Zahlreiche Pokerspieler in aller Welt mussten die Zeche bezahlen.
Neues Lizenzsystem ersetzt Master- und Sub-Lizenzen
Auf Druck der niederländischen Regierung, die großen Einfluss auf Curaçao hat, wurde in den vergangenen Jahren ein neues Lizenzsystem entwickelt. Zum besseren Verständnis: vor der Einführung des neuen Lizenzsystems gab es in Curaçao nur vier Master-Lizenzen. Eine dieser Master-Lizenzen hatte Curaçao eGaming.
Die Master-Lizenzinhaber konnten ohne große Kontrolle Sub-Lizenzen vergeben. Das war über Jahrzehnte ein lukratives Geschäft. Allerdings gab es über die Jahre immer wieder Kritik an den Inhabern der Sub-Lizenzen und am gesamten Lizenzsystem. Doch solange das lukrative Geschäft für viele Beteiligte funktionierte und es keinen Druck aus den Niederlanden gab, bestand kein Änderungsbedarf.
Obwohl in vielen europäischen Ländern, unter anderem auch in Deutschland, nur Glücksspielanbieter mit einer deutschen Lizenz legal sind, war es üblich, dass Casinos mit einer Sub-Lizenz von Curaçao eGaming, aber auch mit anderen Curaçao-Lizenzen, Kunden mit deutschem Wohnsitz akzeptierten. An dieser Praxis hat sich bislang nichts geändert, auch nicht mit dem neuen Lizenzsystem.
Es muss sich noch zeigen, ob das neue Lizenzsystem Fortschritte bringt. Bislang deutet nichts darauf hin, dass die Curaçao-Glücksspielanbieter darauf verzichten werden, Kunden in Europa zu akzeptieren, wenn die nationalen Gesetze dies eigentlich verbieten. Aber vielleicht werden künftig zumindest die Lizenzinhaber besser kontrolliert als in der Vergangenheit.
