Der Glücksspielanbieter Evolution Gaming hat nach Auskunft von CEO Martin Carlesund große Probleme mit Cyberangriffen und IP-Blocking. Carlesund diskutierte dieses Thema jüngst im Earnings Call zur Bilanz 2024 ausführlich. Die Cyberattacken sind insbesondere in Asien ein großes Problem. Dahingegen kämpft der Marktführer im Bereich der Live-Casinos in Europa mit IP-Blocking.
Cyberangriffe in Asien beeinträchtigen Evolution Gaming

Carlesund zeigte sich im Call nicht besonders optimistisch, dass der Verursacher der Cyberangriffe identifiziert werden könnte. Die einzige Chance, die Cyberattacken abzuwehren, besteht darin, die eigenen Systeme zu verbessern. Da aber bei Cyberangriffen oft komplette Netze oder Netzknoten lahmgelegt werden, sind die Möglichkeiten begrenzt.
Ein Nettogewinn von 201,2 Millionen € in Asien im vierten Quartal ist zumindest ein ordentliches Wachstum gegenüber dem gleichen Quartal im Vorjahr (181,7 Millionen €). Aber nach den Aussagen von Carlesund liegt es nahe zu vermuten, dass ein deutlich höheres Geschäftsergebnis möglich wäre, wenn die Geschäfte in Asien nicht durch Cyberangriffe gestört würden.
IP-Blocking wird zunehmend zu Problemen für Evolution Gaming
Als IP-Blocking bezeichnet man Maßnahmen, bei denen bestimmte IP-Adressen in Ländern oder Regionen gesperrt werden. Diverse Länder in Europa nutzen IP-Blocking, um Online-Casinos, in denen die Spiele von Evolution Gaming verfügbar sind, zu sperren. Der Grund ist einfach: Die gesperrten Online-Casinos haben keine Lizenz in den Ländern, in denen sie gesperrt sind.
Carlesund wies zwar im Call mit den Investoren darauf hin, dass sich das Unternehmen zu legalen Glücksspielmärkten bekennt und für eine hohe Kanalisierung einsetzt. Aber wenn IP-Blocking wirtschaftliche Probleme verursacht, kann dies nur bedeuten, dass es zahlreiche Online-Casinos gibt, die Spiele von Evolution widerrechtlich in bestimmten Ländern anbieten.
Diese Auffassung hat man auch bei der die UK Gambling Commission, denn derzeit findet eine umfassende Lizenzprüfung statt. Es könnte sein, dass Evolution Gaming die UK-Lizenz verliert, weil der Glücksspielanbieter auch mit Casino-Betreibern kooperiert, die keine britische Lizenz haben. Wenn dieses Beispiel Schule macht, sind die aktuellen Probleme von Evolution Gaming vielleicht nur der Anfang.
Auch Deutschland plant IP-Sperren
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) würde gerne IP-Sperren umsetzen. Aber IP-Blocking ist aus rechtlichen Gründen aktuell nicht umsetzbar. Doch das könnte sich demnächst ändern, denn wenn die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 voranschreitet, sind Gesetzesänderungen durchaus vorstellbar.
IP-Blocking wird von vielen Experten als einzige wirksame Möglichkeit angesehen, Glücksspielanbieter ohne deutsche Lizenz vom deutschen Markt fernzuhalten. Auch wenn es Möglichkeiten gibt, IP-Blocking zu umgehen, würden die Hürden und damit auch die Kosten für Anbieter, die illegal in Deutschland aktiv sind, höher.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch Evolution Gaming Schaden nehmen würde, wenn IP-Sperren in Deutschland eingeführt würden. In Deutschland sind derzeit Live-Casinos nur auf Länderebene möglich. Die Qualität der bisher verfügbaren Angebote ist bescheiden, sodass viele Tischspiel-Fans auf Online-Casinos ohne OASIS ausweichen.
Ob Evolution Gaming die aktuelle Strategie beibehalten kann, oder sich zumindest in Europa komplett auf die legalen Online-Glücksspiele fokussieren muss, weil der Gegenwind zu stark wird, muss sich in den nächsten Jahren zeigen.
