Google löscht versehentlich kritische Berichte zu Casino-Skandal

Investigate Europe ist ein Recherche-Team, das einen exzellenten Ruf genießt und von zahlreichen Leitmedien zitiert wird. Doch bei Google scheint sich bislang nicht herumgesprochen zu haben, dass Investigate Europe wertvolle journalistische Arbeit leistet. Auf Netzpolitik berichtet Maxence Peigné von Investigate Europe, dass Google zahlreiche Berichte rund um einen kürzlich aufgedeckten Casino-Skandal aus dem Suchindex entfernt hat.

Google löscht auf Zuruf kritische Berichterstattung

In den vergangenen Wochen hat Investigate Europe spannende Berichte über den Glücksspielanbieter Soft2Bet veröffentlicht. Dabei wurden zahlreiche Vorwürfe hinsichtlich der Legalität der Angebote, die der Glücksspielanbieter betreibt oder unterstützt, aufgestellt. Viele Medien griffen die Recherche von Investigate Europe auf und berichteten entsprechend.

Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Plötzlich waren zahlreiche Berichte über Soft2Bet nicht mehr im Google-Index. Doch wie konnte das passieren? Es ist sehr ungewöhnlich, dass Google Suchergebnisse, die auf europäische Leitmedien verweisen, aus dem Index entfernt. Glücklicherweise ist es Investigate Europe aber gelungen, die Hintergründe aufzudecken.

Nach Auskunft von Investigate Europe gab es über 50 Urheberrechtsbeschwerden, die für Google Anlass genug waren, die betroffenen Webseiten aus dem Index zu nehmen. Doch wie kann das sein? Hat Investigate Europe etwa gar nicht recherchiert und alles abgeschrieben? Nein, das war natürlich nicht der Fall. Vielmehr wurden perfide Methoden angewendet, um die Seiten aus der Suche entfernen zu lassen.

Zunächst einmal ist es wichtig festzustellen, dass jeder eine Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung bei Google einreichen kann. Google überprüft in der Regel automatisiert, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt und löscht anschließend gegebenenfalls die problematischen Webseiten aus dem Index.

Das ist für Google ein alltägliches Geschäft, denn es gibt viele skrupellose Akteure im Internet, die versuchen, mit fremden Inhalten schnelles Geld zu verdienen. Doch nicht immer sind die Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen korrekt. Im aktuellen Fall handelte es sich nach Auskunft von Investigate Europe sogar um regelrechte Fake-Beschwerden.

Mit Fake-Beschwerden kritische Berichterstattung bekämpfen?

Nach Einschätzung von Investigate Europe wurden zwei Methoden eingesetzt, um die vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen bei Google durchzusetzen. Die erste Methode war besonders dreist. Die Beschwerden wurden im Namen von Investigate Europe, also dem Urheber der Berichte, eingereicht. Die zweite Methode war etwas subtiler.

Die Akteure hinter den Fake-Beschwerden hatten die unerwünschten Inhalte auf Tumblr gepostet, aber mit einem in die Vergangenheit gesetzten Datum. Dadurch wirkt es so, als wären die Berichte auf Tumblr älter als die originalen Berichte von Investigate Europe. In der Lumen-Datenbank werden alle Meldungen wegen Urheberrechtsverstößen gesammelt, sodass es möglich ist, den Hergang nachzuvollziehen.

Erschreckend an der gesamten Geschichte ist, dass Google die betroffenen Webseiten automatisiert aus dem Index entfernt hat, obwohl offensichtlich keine Urheberrechtsverletzungen vorliegen. Nach Einschätzung von Investigate Europe wäre dies einem qualifizierten Mitarbeiter, der die Fälle geprüft hätte, sofort aufgefallen.

Artikel über Casino-Skandal wieder bei Google verfügbar

Google hat mittlerweile reagiert und die betroffenen Webseiten wieder in den Suchindex aufgenommen. Ein Grund für die Aktion dürfte sein, dass heiße Themen in den Medien oft nur einige Tage oder Wochen diskutiert werden, bevor sie abflauen. Wenn es durch Fake-Beschwerden gelingt, unliebsame Berichterstattung aus dem Google-Index zu entfernen, kann dies durchaus erfolgreich sein.

Allerdings sollte niemand Google und Investigate Europe unterschätzen. Derzeit ist noch nicht klar, wer genau hinter den Fake-Beschwerden steckt. Sollte es gelingen, die Akteure hinter dieser problematischen Aktion zu enttarnen, könnte dies den ursprünglichen Casino-Skandal unter Umständen sogar noch ausdehnen.


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