Der neueste Tätigkeitsbericht der Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) belegt eindrucksvoll, dass es in der Schweiz einen klaren Trend zum Online-Glücksspiel gibt. Der Bruttospielertrag der legalen Online-Casinos ist im Jahr 2024 um 8,5 % gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist der Bruttospielertrag der Spielbanken um 5,8 % gesunken. Daran wird ein bemerkenswerter Trend vom terrestrischen Glücksspiel zum Online-Glücksspiel deutlich.
Schweizer spielen zunehmend in Online-Casinos
Seit 2017 gibt es in der Schweiz legale Online-Casinos. Der Alpenstaat hat sich für eine besondere Regulierung entschieden. Nur Inhaber einer Spielbankenkonzession können eine Lizenz für Online-Glücksspiele bekommen. Damit ist sichergestellt, dass ausschließlich zuverlässige Glücksspielanbieter den legalen Markt bedienen können. Internationale Glücksspielanbieter können keine Lizenz in der Schweiz bekommen.
In den ersten Jahren gab es kaum Spielbanken-Betreiber, die von der neuen Möglichkeit Gebrauch machten. Doch mittlerweile hat sich ein starker Online-Glücksspielmarkt in der Schweiz etabliert. Im Jahr 2024 wurde online ein Bruttospielertrag von 331 Millionen (310 Millionen CHF) erwirtschaftet. Im Vergleich zum Vorjahr lässt sich eine Steigerung um 8,5 % verzeichnen. Das entspricht einer Summe von 25,6 Millionen EUR (24 Millionen CHF).
Die terrestrischen Spielbanken erwirtschafteten im Jahr 2024 einen Bruttospielertrag von 327 Mio. EUR (588 Millionen CHF). Der Bruttospielertrag sank im landbasierten Glücksspiel im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 %. Das entspricht einer Summe von 38,4 Millionen EUR (36 Millionen CHF). Somit kann festgestellt werden, dass der Markt insgesamt leicht geschrumpft ist.
Die zusätzlichen Umsätze im Online-Glücksspiel kompensieren nicht ganz die Verluste im terrestrischen Glücksspiel. Eindeutig ist aber, dass in der Schweiz die legalen Online-Casinos an Beliebtheit gewinnen, jedenfalls im Vergleich mit dem terrestrischen Glücksspiel. Für den Staat spielt es letztlich keine Rolle, ob Einnahmen über Online-Glücksspiel oder terrestrisches Glücksspiel erwirtschaftet werden.
Die Spielbankenabgabe bezieht sich auf den gesamten Bruttospielertrag. Aus dem Online-Glücksspiel wurde eine Spielbankenabgabe von 141 Mio. EUR (132 Millionen CHF) generiert. Aus dem terrestrischen Glücksspiel floss eine Spielbankenabgabe von 287 Mio. EUR (269 Millionen CHF) an den Staat.
Online-Casinos ohne Lizenzen bleiben Problem
In der Schweiz gibt es eine öffentlich einsehbare Sperrliste, auf der zahlreiche Internetadressen verzeichnet sind. Es handelt sich um Online-Glücksspielanbieter, die in der Schweiz keine Zulassung haben, aber trotzdem Kunden aus der Schweiz akzeptieren oder in der Vergangenheit akzeptiert haben. Die Sperrliste sieht imposant aus, funktioniert aber nur begrenzt.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Internetsperren zu umgehen. Deswegen gibt es auch in der Schweiz zahlreiche Glücksspiel-Fans, die Online-Casinos ohne Lizenz nutzen. Der Grund ist einfach: Die Online-Casinos in der Schweiz sind streng reguliert und haben im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nicht besonders attraktive Angebote.
Zudem gibt es speziell unter den umsatzstarken High Rollern viele Spieler, die keine Freude an der staatlichen Datensammlung haben. Das ist ein wichtiger Grund, warum Krypto-Casinos international boomen. Immerhin gelingt es in der Schweiz aber, das nachlassende Interesse am terrestrischen Glücksspiel größtenteils in die legalen Online-Casinos umzuleiten.
Es ist jedoch kein gutes Zeichen, dass der Markt insgesamt im Jahr 2024 leicht geschrumpft ist. Schaut man sich in anderen Ländern um, wird schnell deutlich, dass der Glücksspielmarkt insgesamt wächst. Deswegen liegt die Vermutung nahe, dass auch in der Schweiz zunehmend Glücksspiel-Fans außerhalb der legalen Angebote aktiv sind.
Immerhin identifiziert die ESBK den Schwarzmarkt als fundamentales Problem für den legalen Glücksspielmarkt. Fraglich ist aber, ob aus dieser Erkenntnis wirkungsvolle Maßnahmen gegen Online-Glücksspielanbieter ohne Lizenz in der Schweiz erwachsen. Bislang ist es keinem Land gelungen, illegale Online-Casinos dauerhaft zu verbannen.
