Neue Studie: Anti-Werbung immunisiert gegen Glücksspielwerbung

Eine neue Studie der Swansea University School of Psychology hat spannende Ergebnisse zur Wirkung von Anti-Werbung im Glücksspielbereich hervorgebracht. Demnach ist es möglich, mit einer gezielten Anti-Werbung die Zuschauer gegen Glücksspielwerbung zu immunisieren. Wie funktioniert das? Im Kern geht es um Aufklärung. So zeigt sich etwa, dass Menschen, die ein Video zu den Strategien und Taktiken, die bei der Werbung für Glücksspiel eingesetzt werden, gesehen haben, anschließend weniger anfällig für die Werbebotschaften sind.

Anti-Werbung erstaunlich effektiv gegen Glücksspielwerbung

Die Idee war ganz einfach: Die Forscher der Swansea University School of Psychology wollten wissen, ob es möglich ist, mit gezielter Anti-Werbung Menschen davon abzubringen, Glücksspielangebote zu nutzen. Auf Basis der Inokulationstheorie mussten sich 1.200 Studienteilnehmer Anti-Werbung, in der die Mechanismen der Glücksspielwerbung erklärt werden, anschauen. Das Ziel war es, die Spieler möglichst gut gegen Werbung für Glücksspiele zu immunisieren.

Anti-Werbung erstaunlich effektiv gegen Glücksspielwerbung

Die Teilnehmer der Studie wurden vorher gründlich untersucht, um einen Risikoindex zu erstellen. Wie anfällig sind die Teilnehmer für Glücksspiele und die Entwicklung einer Spielsucht? Dabei spielt es eine wichtige Rolle, wie hoch die Risikobereitschaft der potenziellen Spieler ist. Die ausführliche Untersuchung aller Teilnehmer lieferte wichtige Basiswerte.

Bei der Studie wurden fünf Marketingstrategien näher untersucht. Dabei ging es um demografisches Targeting, Glücksspiel im Rahmen von Sportveranstaltungen, die Präsentation eines positiven Glücksspielerlebnisses, Affiliate-Marketing und Bonusangebote. Gerade die Bonusangebote erwiesen sich als besonders wirkungsvoll bei den Teilnehmern.

Viele Spieler zeigen sich offen für beworbene Bonusangebote in Online-Casinos, obwohl die Promotionen komplizierte Bonusbedingungen hatten und einen hohen Mangel an Transparenz vorwiesen. Doch das störte viele Studienteilnehmer nicht. Die Verlockung, mit einem Bonusvorteil Glücksspiele zu erleben, scheint entsprechend hoch zu sein.

Einfacher Spielerschutz ohne Verbote und Strafen

In der Studie zeigte sich, dass 21 % der Teilnehmer, die zuvor Bonusangebote als Anlass nutzten, ein Konto beim Glücksspielanbieter zu eröffnen und zu spielen, ihr Verhalten änderten. Die Bonusangebote waren nicht mehr interessant, nachdem die Anti-Werbung die Sensibilisierung der Spieler verbessert hatte.

Das ist ein starker Hinweis darauf, dass es möglich ist, mit entsprechender Aufklärung und Anti-Werbung dazu beizutragen, dass gefährdete Spieler sich nicht von Lockangeboten verführen lassen. Es ist kein Zufall, dass nahezu alle Online-Casinos mit Bonusangeboten werben. Anti-Werbung findet jedoch praktisch nicht statt.

Einfacher Spielerschutz ohne Verbote und Strafen

Stattdessen werden etwa in Deutschland Bonusangebote rechtlich stark begrenzt. Die wichtigste Folge dieser Maßnahme ist, dass Bonusangebote auf dem Schwarzmarkt deutlich interessanter für Spieler sind. Vielleicht muss man auch in Deutschland angesichts der aktuellen Studiendaten den Ansatz beim Spielerschutz in diesem Bereich überdenken.

Spielerschutz wird derzeit in Deutschland beim Online-Glücksspiel vor allem durch eine strenge Regulierung umgesetzt. Ein niedriges Einzahlungslimit, ein niedriges Einsatzlimit, ein eingeschränktes Spiele-Portfolio und diverse weitere Maßnahmen führen dazu, dass der legale Glücksspielmarkt im Internet äußerst unattraktiv ist.

Der Spielerschutz leidet darunter allerdings in der Praxis, denn gerade die gefährdeten Spieler sind größtenteils in Online-Casinos ohne deutsche Lizenz unterwegs. Die neue Studie der Swansea University School of Psychology zeigt, dass Spielerschutz vielleicht etwas kreativer gedacht werden muss. Allein mit Verboten und Strafen wird es auch in Zukunft nicht gelingen, einen wirkungsvollen Spielerschutz umzusetzen.


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