Die Österreichischen Lotterien haben ein Rubbellos-Chaos verursacht, das schon jetzt als einer der größten Skandale der österreichischen Glücksspielgeschichte gilt. Aufgrund ungenau formulierter Rubbellos-Regeln fordern aktuell mehr als 200 Spieler den Jackpot-Gewinn in Höhe von 60.000 €. Doch wie konnte es so weit kommen? Wenn die Gewinne ausgezahlt werden müssen, haben viele Spieler „1 Jahr Weihnachten“, denn das ist der Name der Rubbellos-Lotterie.
Rubbellos-Chaos löst Glücksspiel-Skandal aus
Seit vielen Jahren veranstalten die Österreichischen Lotterien, ein teilstaatlicher Glücksspielanbieter, die Lotterie der Serie 446 unter dem Titel „1 Jahr Weihnachten“. Der Hauptgewinn sind zwölf monatliche Zahlungen in Höhe von 5.000 €, also ein Gesamtbetrag von 60.000 €. Die Lotterie ist enorm populär, sodass 1,2 Millionen Lose in der Weihnachtszeit 2023 verkauft wurden.
Rubbellos sind ein einträgliches Geschäft für den Veranstalter. Mit einer Ausschüttungsquote von gerade einmal 57 % (Slots in Online-Casinos: 95+ %) wäre unter normalen Umständen ein Gewinn von 1,6 Millionen € erzielt worden. Doch die Österreichischen Lotterien stehen vor einem finanziellen Debakel, da sie eventuell mehr als 200 Hauptgewinne auszahlen müssen.
Eingeplant waren nur zwei Hauptgewinne, aber auf den Rubbellosen sind missverständliche Spielbedingungen aufgedruckt. Dabei geht es konkret um die folgende Formulierung:
„Auf diesem Rubbellos befinden sich 2 Spiele. Rubbeln Sie ,Spiel 1‘ und ,Spiel 2‘ auf. Finden Sie 3x den gleichen Geldbetrag pro Spiel, so haben Sie diesen Geldbetrag 1x gewonnen.“ Und weiter: ,Finden Sie 3x das Geldschein-Symbol ,5000‘, gewinnen Sie EUR 5.000,- monatlich, 1 Jahr lang!‘“
Was ist das Problem? Es hätte heißen müssen:
„Finden Sie 3x das Geldschein-Symbol ,5000‘ pro Spiel, gewinnen Sie EUR 5.000,- monatlich, 1 Jahr lang!“
Die Wahrscheinlichkeit, mit beiden Spielfeldern das lukrative Geldschein-Symbol zu finden, ist deutlich höher, sodass entsprechend mehr Spieler glauben, dass sie den Jackpot geknackt haben.
Rubbellos-Chaos beschäftigt österreichische Gerichte
Das Handelsgericht Wien hat einem Rubbellos-Besitzer bereits im Oktober 2024 recht gegeben. Nach Einschätzung des Gerichts muss ein professioneller Glücksspielanbieter die Spielregeln so formulieren, dass keine Zweifel daran bestehen, wer den Jackpot gewinnt. Der Kläger hat bereits seine 60.000 € erhalten.
Auf dieser Basis laufen derzeit weitere Gerichtsverfahren. Der Anwalt Oliver Peschel vertritt allein 180 Rubbellos-Besitzer, die darauf hoffen, ebenfalls 60.000 € zu kassieren. Wenn der Anwalt erfolgreich ist, müssen die Österreichischen Lotterien am Ende über 10 Mio. € Gewinn auszahlen. Zudem gibt es einige Einzelklagen und es ist nicht ausgeschlossen, dass es auch noch weitere Rubbellos-Besitzer gibt, die sich zu Klagen entschließen.
Aufgrund der hohen Schadenssumme setzen die Österreichischen Lotterien alles in Bewegung, um nicht zahlen zu müssen. Besonders interessant ist dabei die Argumentation des Leiters der Rechtsabteilung des Glücksspielanbieters. Nach Michael Czermak hätten bis zu 270.000 Lose den Jackpot geknackt, wenn man die Argumentation der Kläger übernehme.
Daraus folge, dass es sich um einen offensichtlichen Fehler handele, sodass die Österreichischen Lotterien nicht zur Kasse gebeten werden sollten. Ob sich diese durchaus mutige Rechtsinterpretation vor Gericht durchsetzt oder dazu führt, dass zahlreiche Spieler nach ihren alten Rubbellosen suchen, sei mal dahingestellt.
Fakt ist, dass die Österreichischen Lotterien das Rubbellos-Chaos und den daraus resultierenden Skandal selbst verursacht haben. Deswegen würden sich wohl nicht nur die Kläger darüber freuen, wenn die Spieler am Ende vor Gericht Recht bekommen.
