Die deutsche Merkur-Gruppe, der größte deutsche Glücksspielanbieter, schließt das Online-Casino Sonnenspiele. In Zukunft will die Merkur-Gruppe die beiden Marken Merkur Slots und Merkur Bets in Deutschland stärken. Allerdings könnte die Schließung des Casinos auch damit zu tun haben, dass vor einigen Wochen erhebliche Sicherheitslücken öffentlich geworden sind.
Merkur will keine Sonnenspiele mehr
Die Sonne ist das klassische Merkur-Markensymbol. Die Spielautomaten und Spielotheken des Glücksspielkonzerns werden seit Jahrzehnten mit der Sonne geschmückt. Deswegen war es eine durchaus charmante Idee, ein Online-Casino unter der Marke Sonnenspiele zu entwickeln. Doch anscheinend war der Erfolg überschaubar, denn sonst würde Merkur dieses Online-Casino nicht schließen.
Die verbliebenen Kunden wurden informiert und konnten ihre Gelder anstandslos auszahlen. Wer diese Gelegenheit nicht nutzen konnte, wurde per E-Mail informiert und kann die Auszahlung jederzeit nachholen.
Einen wirtschaftlichen Verlust hat somit kein Kunde erlitten. Für Glücksspiel-Fans, die auf der Suche nach Merkur-Spielautomaten im Internet sind, gibt es auch in Zukunft viele attraktive Möglichkeiten. Nicht zuletzt gibt es auch zahlreiche Online-Casinos ohne Lizenz, die Merkur-Spiele im Programm haben.
Wirtschaftliche Gründe waren wahrscheinlich ausschlaggebend. Aber auch die schlechte Presse, die der Merkur-Gruppe im Rahmen des jüngsten Mega-Datenskandals zuteilwurde, könnte dazu beigetragen haben, dass der Konzern Umstrukturierungen im Online-Geschäft in Deutschland vornimmt.
Davon abgesehen ist es aber wahrscheinlich eine gute Idee, die etablierte Marke Merkur in den Mittelpunkt zu stellen. Der legale Online-Glücksspielmarkt in Deutschland ist mit einigen Schwierigkeiten verknüpft. Die schwache Kanalisierung wird die neue Markenstrategie nicht kompensieren. Aber vielleicht gelingt es, einige Glücksspiel-Fans zu gewinnen, die bislang nicht wussten, dass es Merkur-Slots im Internet gibt.
Sonnenspiele-Aus ist Zeichen für schwachen Online-Glücksspielmarkt
Sonnenspiele ist nur eines von mehreren Online-Casinos, die in den vergangenen Monaten vom Markt genommen wurden. Teilweise haben sich Glücksspielanbieter sogar komplett vom deutschen Online-Glücksspielmarkt verabschiedet. Davon ist die Merkur-Gruppe weit entfernt. Wahrscheinlich würde der Glücksspielkonzern die Präsenz auf dem deutschen Markt auch dann beibehalten, wenn das Geschäft keine Gewinne abwerfen würde, schon aus Prestigegründen.
Aber wahrscheinlich wäre Sonnenspiele nicht geopfert worden, wenn der deutsche Glücksspielmarkt brummen würde. Fakt ist jedenfalls, dass eine Reduzierung der Anzahl der Online-Casinos auch den Arbeitsaufwand und die Kosten reduziert.
Regulierter Online-Glücksspielmarkt am Abgrund?
Wenn sich schon der größte deutsche Glücksspielkonzern nicht dazu in der Lage sieht, mehr als ein Online-Casino in Deutschland erfolgreich zu führen, ist das ein Alarmsignal. Normalerweise sollten die Merkur-Slots allein genügen, um zahlreiche Spieler zu begeistern.
Aber offensichtlich genügt ein attraktives Spielangebot nicht. Ein Grund dafür könnte sein, dass Spielautomaten in Casinos mit deutscher Erlaubnis deutlich schlechtere Auszahlungsquoten haben als Spielautomaten in internationalen Online-Casinos. Der Grund dafür ist die deutsche Glücksspielsteuer, die von jedem Einsatz abgezogen wird.
Auch das monatliche Einzahlungslimit in Höhe von 1.000 € trägt nicht zur Attraktivität der von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder regulierten Online-Casinos bei. Ein nüchterner Vergleich der Qualität der Merkur-Casinos mit deutscher Lizenz und der internationalen Casinos mit Merkur-Slots zeigt, dass international deutlich mehr geboten wird.
Dieses Problem muss gelöst werden, wenn das regulierte Online-Glücksspiel zu einem Erfolg werden soll. Welche Möglichkeiten gibt es? Glücksspielexperten drängen seit Jahren darauf, die legalen Angebote attraktiver zu machen und den Kampf gegen Anbieter auf dem Schwarzmarkt zu verschärfen. Es kann allerdings noch Jahre dauern, bis der Glücksspielstaatsvertrag geändert wird. Beim Kampf gegen den Schwarzmarkt kämpft die GGL bislang überwiegend mit stumpfen Waffen.
