Aufpeppen von Homegames

Wenn man seine Draws nicht trifft und die Bluffs alle in die Hose gehen, verliert man schnell die Lust sich überhaupt hinzusetzen und zu Pokern. Hier werde ich ein paar Tricks und Varianten zeigen, die so manche langweilige Pokerabende retten werden…

Neue Varianten einbauen

Ohne Zweifel ist No Limit Hold’em der „Cadillac des Poker“ und die mit Abstand beliebteste Variante. Das heißt aber noch lange nicht, dass es sonst keine anderen interessanten Pokervarianten gibt:

Chinese Poker

Ein Spiel, das vor allem unter den Profis sehr beliebt ist. Es ist eine sehr schöne Abwechslung zum sonst so ernsten Hold’em oder Pot Limit Omaha. Der Glücksfaktor ist sehr hoch und man hat kaum einen Vorteil gegenüber den anderen Mitspielern. Also handelt es sich im Prinzip um reine Zockerei – genau das richtige also für einen aufregenden Pokerabend.
Chinese Poker kann man maximal zu viert spielen, es sei denn man nimmt ein zweites Deck Karten dazu. Dies wird aber sehr kompliziert und daher rate ich von solchen Experimenten ab. Man nehme also vier Spieler, ein Deck Karten und vereinbart ein Limit. Gemessen wird in so genannten Units, die später unter den Spielern hin und her wandern. Bei gut betuchten Spielern wie Phil Ivey oder Barry Greenstein wird mit einem Unit von $ 10.000 gespielt, bei Ihnen zu Hause vermutlich nicht. Da sollte das Unit eher bei einem Euro, oder auch 10 Cent liegen.
Hat man sich darauf geeinigt, erhält jeder Spieler 13 verdeckte Karten. Seine Aufgabe ist es nun daraus drei Pokerhände, bestehend aus drei, fünf und fünf Karten zu basteln. Diese Pokerhände heißen dann Front Hand (bestehend aus drei Karten), Middle Hand (fünf Karten) und Back Hand (ebenfalls fünf Karten). Es gilt die wichtige Regel, dass die Front Hand am schwächsten sein muss und die Middle Hand besser als die Front und schlechter als die Back Hand sein muss.
Sind alle Spieler mit ihren Bastelarbeiten fertig, werden die Karten aufgedeckt und verglichen. Zuerst die Front Hands der Spieler. Nun muss man schauen welcher Spieler wen schlägt. Jeder Spieler muss dann demjenigen Spieler ein Unit abdrücken, der seine Hand schlägt. Bei vier Spielern erhält also derjenige mit der besten Front Hand von jedem Gegner eine Unit, also insgesamt drei.
Genauso wird dann auch mit der Middle und Back Hand verfahren.
Es gibt auch noch dutzende Variationen, Boni und spezielle Wetten. Aber da sich dieser Artikel nicht nur um Chinese drehen soll, breche ich an dieser Stelle ab. Die normale Variante ist für den Anfang schon interessant genug…

Blind Man’s Bluff

Auch wenn diese Variante eher wenig mit Poker zu tun hat, ist es immerhin ein lustiges Partyspielchen mit der gewohnten Pokeraction. Gus Hansen sagt er spiele nicht die Karten, er spiele den Gegner. Bei Blind Man’s Bluff ist man sogar gezwungen dies zu tun, denn man kennt seine eigenen Karten nicht, nur die der Gegner. Hierzu bekommt man zwei Karten ausgeteilt, darf sich diese nicht ansehen, sondern muss sie sich an die Stirn kleben, damit diese nur die Gegner zu sehen bekommen. Am einfachsten ist es natürlich „No Limit Hold’em Blind Man’s Bluff“ zu spielen, wobei Pot Limit Omaha auch ganz lustig ist. Bei 7 Card Stud wird es dann schon schwieriger…

Bei der World Series of Poker 2004 wurde sogar ein Blind Man’s Bluff Side Event ausgetragen:

H.O.R.S.E, C.O.L.S, B.L.O.E.D, oder was auch immer…

Vielen ist H.O.R.S.E ein Begriff. Es handelt sich hierbei um ein gemischtes Spiel, bei dem bei jeder Runde, die Variante gewechselt wird. So wird eine Runde Hold’em, eine Omaha, eine Razz, eine Seven Card Stud und eine Omaha Eight or Better gespielt. Aber niemand sagt, dass es bei diesen Varianten bleiben muss, oder?
Wie wäre es zum Beispiel mit C.O.D.S.? Chinese, Omaha, Lowball und Seven Card Stud. Oder B.L.O.E.D? Blind Man’s Bluff, Lowball, Omaha, Omaha Eight or Better und Deuce to Seven.
Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt und wenn Sie über die richtige Truppe verfügen, die mit solch einfallsreichen Varianten vertraut ist, dann steht einer Partie B.L.O.E.D nichts mehr im Wege.

Die Actionbringer

Bei der beliebten Fernsehshow „High Stakes Poker“ ist immer für Action gesorgt. Vor allem seitdem das Seven-Deuce Spiel etabliert wurde und auch der „Straddle“ für immer größere Pots sorgte, geht es dort richtig rund.

Das Seven-Deuce Spiel

Jeder weiß, dass 72, auf englisch Seven-Deuce die schlechteste Starthand in Hold’em Poker ist. Also hat man sich gedacht, dass man es belohnen müsse, wenn man mit dieser Hand einen Pot gewinnen kann. Genau darum geht es beim Seven-Deuce Spiel: Eine Belohnung für denjenigen Spieler zu verteilen, der es schafft mit dieser Hand einen Pot zu gewinnen. In der Regel zahlt ihm dann jeder andere Spieler einen vorher ausgemachten Betrag in der Höhe von ein bis drei Big Blinds. Spielt man also eine Partie mit € 1/2 Blinds, so kann der Seven-Deuce Triumphator von jedem seiner Gegner zum Beispiel 4 Euro einstreichen.
Obwohl das jetzt nicht die Belohnung ist, wegen der man große Bets und Raises mit dieser schwachen Hand riskiert, verleitet es fast jeden Spieler dazu es zu versuchen. Hier geht es mehr um die Ehre und das gute Gefühl nach einem dicken Bluff nicht nur einen großen Pot einzustreichen, sondern auch noch 72 zu zeigen und noch mehr Geld zu kassieren. Das rechtfertigt dann meist die großen Risiken, die man eingeht.
Das Spiel wird außerdem ziemlich verzerrt. Wenn man vor dem Flop einen dicken Reraise sieht, muss man sich ernsthaft fragen ob der Gegner Asse oder Könige hat – oder eben auch Seven Deuce…

Aktionen in the Dark

Phil Hellmuth liebt es „in the dark“ zu checken. Das heißt er tätigt seine Aktion bevor überhaupt die nächste Runde begonnen hat. Er liebt es out of Position zu checken bevor überhaupt der Flop aufgedeckt wurde. Diese Aktionen finden in the dark, also im Dunkeln statt.
Logischerweise kann man auch in the dark betten, oder sogar raisen. Ein einfacher Bet in the dark ist noch einigermaßen sinnvoll auch wenn es für manche absurd erscheint etwas zu setzen obwohl man noch gar nicht muss. Ist sein Gegenüber dann ähnlich verrückt, ist auch ein auf die Bet folgender Raise in the dark nicht ungewöhnlich. Bei den ganz verrückten gibt es dann schon einmal einen Reraise in the dark. Das macht dann natürlich keinen Sinn mehr, dafür aber Spaß!

Der Straddle

Für gewöhnlich bleiben die Blinds während einer Partie unverändert, zumindest wenn man ein Cash Game und kein Turnier spielt. Das kann auf Dauer schon irgendwie eintönig werden, vor allem für einen Spieler, der einen großen Verlust wieder wett machen oder einfach mehr Action und größere Pots sehen will. Hier bietet sich der sogenannte Straddle an. Dies ist ein dritter Blind und entspricht dem doppelten des Big Blind. Aus einer Partie mit Blinds von 1 Euro und 2 Euro, wird also eine mit 1 Euro, 2 Euro und 4 Euro. Derjenige mit dem 4 Euro Einsatz übernimmt dann die Rolle des Big Blinds und agiert in der ersten Setzrunde dementsprechend auch als letzter.
Auch hier kann man es wieder übertreiben und zwar mit dem Restraddle. Dieser verdoppelt noch einmal den Straddle und die Partie würde sich dann mit vier Blinds spielen: 1 Euro, 2 Euro, 4 Euro und 8 Euro. Damit werden die Blinds mal eben vervierfacht und mehr Action ist definitiv garantiert!

Dass No Limit Hold’em Partien für viele irgendwann nicht mehr so interessant wie zu Beginn sind, ist nachvollziehbar. Das heißt aber noch lange nicht, dass man dagegen nichts tun kann. Mit den in diesem Artikel dargestellten Varianten ist für Abwechslung gesorgt. Und auch die Actionbringer sorgen für Spannung, auch wenn manches eher weniger mit korrekter Pokerstrategie zu tun hat. Aber das gehört auch manchmal dazu. Es geht eben nicht immer um Outs und Pot Odds.


0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments