Sandra Naujoks im großen Pokerfirma.de Interview


Fiktive Männer, Thronverzicht und die Frage nach dem Mr. Right

Götz Schrage: „Hallo Sandra – Ich bin so verdammt nervös wie sonst selten!“

Sandra Naujoks: „Aber wieso denn? Gibt doch wirklich keinen Grund.“

Götz Schrage: „Ich habe all deine hundert Interviews seit der EPT gesehen oder gelesen. Kein unabsichtlich losgelassenes Stückchen Naujoks kommt hervor. Andere werden gar nichts gefragt und verraten alles über sich, aber du hast da immer den Modus „Gesprächskontrolle“ eingeschaltet. Wie machst du das? “

Sandra Naujoks: „ Habe ich das tatsächlich? Gefühlt waren es eher 300 Interviews.
Das war schon ein richtig großes Pensum, aber ich mache das gerne. Ich will einfach in die Welt hinausschreien wie schön das Pokerspiel an sich ist und wieviel Spaß es mir persönlich macht. Das hat wenig mit „Gesprächskontrolle“ zu tun, sondern mehr mit der Liebe zur Sache.“

Götz Schrage: „Direkt nach deinem grandiosen Turniersieg bei der EPT Dortmund hast du den finnischen Kollegen ein Interview auf Englisch gegeben. Was mein Herz so gerührt hat du hast nach kurzer Zeit englisch mit finnischem Akzent gesprochen. Ein Akt der Höflichkeit oder war das einfach deine optimierte „basic strategy“? Quasi ein sich auf den Gegner einlassen?“

Sandra Naujoks: > (lacht) „Nein das ist mir gar nicht aufgefallen. Vielleicht sollte ich noch ein wenig an meinem Englisch arbeiten. Werde dann in Las Vegas üben jedenfalls.“

Götz Schrage: „Aber bleiben wir noch ein wenig in Finnland. Ich meine die Fragen nach dem „Herrn Naujoks“ wird ja auch immer wieder gestellt – logisch bei so einer schönen und erfolgreich jungen Frau. Gibt es den vielleicht doch und du musst ihn daheim wegsperren, weil sich das die PR-Strategen von Pokerstars so ausgedacht haben?“

Sandra Naujoks: „Nein, den gibt es im Moment definitiv nicht. Ich bin viel zu sehr unterwegs und muss mich auf andere Dinge konzentrieren. Da bleibt das Privatleben einfach auf der Strecke. – Aber was hat das denn jetzt mit Finnland zu tun?“

Götz Schrage: „Ach ja – genau wegen „Ziigmund“ alias Ilari Sahamies. Ich meine diese aktuelle Tussi – wenn das überhaupt wahr ist – diese Hanna-Leena Turpeinen kann ihm doch überhaupt nicht den notwendigen Halt geben. Das wäre doch das absolute Traum-Ding. Statt Sandra und die Schlange – Sandra und das finnische Biest“.

Sandra Naujoks: (ausweichend) „Also ich war schon in Finnland und bin wirklich begeistert von der Schönheit und den netten Leuten. Ein wunderschönes Land, wo ich gerne mal wieder hinfahren möchte.“

Götz Schrage: „Da ist sie wieder – die Pressesprecherin des deutschen Außenministers Steinmeier. Ich wollte doch eigentlich eine dezent indiskrete Frage stellen, um dir ein wenig den Typ Mann, der dir gefällt rauszufinden. Versuche ich es anders. Eine einsame Insel. Nur du und „Ziigmund“ – er hat kurze Hosen und seine letzte Flasche Rotwein ausgetrunken. Kniet sich hin und macht dir einen Antrag. Was tust du dann?“

Sandra Naujoks: „Ich frage ihn, ob er Karten dabei hat.“

Götz Schrage: (seufzt) „Unbezwingbar – ich werde das Thema wechseln, aber nur zu meiner Entschuldigung. Vielleicht bin ich einfach verbildet. In meiner kleinen Reporterseele denke ich mir, eine Schlange Zuhause, eine Zigarre im Mund, kann sein, dass in dieser phallischen Symbolik ein kleines Signal an die Außenwelt gesandt wird?“

Sandra Naujoks: „Also gut um ein klein wenig das Mysterium zu lüften. Es gibt sehr wohl einen von mir präferierten Männertyp – ich würde das mit dem „liebeswerten Chaoten“ umschreiben.“

Götz Schrage: „Na immerhin – Danke. So quasi Prinz Harry in gut aussehend. Ich glaube, der ist ziemlich chaotisch und wenn du dann Königin von England werde könntest – natürlich unter der Bedingung sofort das Pokern sein zu lassen – würdest du das annehmen? Wahrscheinlich singt sogar Elton John bei der Hochzeit.“

Sandra Naujoks: „Da würde ich dezidiert auf den Thron verzichten. Niemals! Pokern würde ich für nichts und niemanden aufgeben. Poker ist meine große Liebe und ich will mich dieser meiner Passion mit aller Hingabe und Leidenschaft widmen. Wer sich da versucht dazwischen zu schieben, hat jedenfalls bei mir ganz, ganz schlechte Karten.“

Götz Schrage: „Ist quasi drawing dead.“

Sandra Naujoks: „Genau – Absolut und ohne Chance. Ich habe mir für die nächsten Jahre viel vor genommen. Will mein Turnierspiel weiter verbessern und mich mit den Besten der Besten messen. Ich werde viel reisen und vielleicht überhaupt für einige Zeit in die Staaten bleibt. Das ist alles, auf was ich im Moment fokussiert bin.“

Götz Schrage: „Kommen wir von den zukünftigen Männern zu den vergangenen. Kommen wir zu Alexander Kravchenko. Den hast du ja bei deinem Turniersieg in Baden dermaßen zertrümmert und das hat wohl gröbere Wunden an der russischen Machoseele verursacht. Angeblich hat er mit dem Pokern aufgehört und arbeitet als Handarbeitslehrer in der Waldorfschule von Kaliningrad.“

Sandra Naujoks: > (lacht) „Da hast du aber entschieden falsche Informationen. Ich habe Alexander Krawchenko in Dortmund getroffen. Der ist ja abseits des Pokertisches ein wirklich supernetter und humorvoller Mensch. Das würde man bei seinem brachialen Pokerspiel und der finsteren Miene gar nicht so vermuten. Tatsächlich haben wir aber viel gescherzt und natürlich musste ich auch fragen, ob sie ihn überhaupt nach Russland haben einreisen lassen, nachdem er gegen eine Frau verloren hat.“

Götz Schrage: „Nachhause werden sie ihn schon gelassen haben. Schließlich hat er ja eine Menge Euros mitgebracht, aber einen Finaltisch hat Krawchenko seitdem nicht mehr aus der Nähe gesehen. Vielleicht hast du ihm doch den entscheidenden Stoß ins Nichts gegeben.“

Sandra Naujoks: „Da mache ich mir wirklich keine Sorgen. Alexander Krawchenko wird sicher bald wieder zuschlagen. Rechne auch fest damit, ihn bei der WSOP zu treffen. Am Liebsten an einem Finaltisch zu einer Revanche.“

Götz Schrage: „Baden war ja dein erster großer Auftritt, jetzt die EPT Dortmund. Wie fühlt man sich als reiches Mädchen?“

Sandra Naujoks: „Danke gut – es ist ein nettes und für mich immer noch ungewohntes Gefühl.“

Götz Schrage: „Keine wirklich romantischen Pläne – irgendwas, wo einem warm ums Herz wird?“.

Sandra Naujoks: „Was meinst du da konkret?“

Götz Schrage: „Na ja, jetzt brauchst du zugegeben mal wirklich Fantasie. Stellen wir uns mal vor, ich hätte daheim eine Million unter dem Kopfkissen versteckt. Frage mich mal, was ich dann machen würde. Zugegeben extrem hypothetisch, ich bin der Millionär und du bist die Reporterin.“

Sandra Naujoks: „Na gut – Herr EPT Millionär Götz – was machst du jetzt Romantisches mit deiner Million?“.

Götz Schrage: „Ich eröffne ein Buchgeschäft und verkaufe nur Bücher, die mir selbst gefallen und wenn jemand kein Geld hat und gut erklären kann, warum er ein Buch liebt, schenke ich es ihm! – Das, Sandra, ist wirklich romantisch! Jetzt bis du dran.“

Sandra Naujoks: „Na gut – dann raise ich mal. Quatsch, ich gehe gleich all-in. Ich habe mal an meine Eltern gedacht und wie ich mit meinem Vater zum Harley Davidson Händler gegangen bin, das war ein wirklich schöner Moment. Dann sind da noch meine Mutter und meine Oma und vor allen Dingen mein Projekt in Kambodscha ist finanziert – das freut mich sehr. Für mich persönlich bleibt dieses Wissen, dass es ganz viel Fleckchen auf dieser Erde gibt, auf denen ich mir jetzt leisten könnte, ein kleines Häuschen hinzupflanzen.“

Götz Schrage: „Zugegeben – sehr romantisch und so gar nicht trocken und „sandranaujoksmäßig“.“

Sandra Naujoks: „Schön, dass ich dich mit meinem Move überraschen konnte. Gibt es sonst noch was, wo du gerne verblüfft werden möchtest.“.

Götz Schrage: „Na ja ich hätte noch ein paar Fragen zu deiner Geburtsstadt Dessau. Du hast im Vorgespräch zu diesem Interview irgendwie durchklingen lassen, dass du keine große Bindung mehr zu deiner Heimat hast. –Wie kommt das? Schlechte Erinnerungen oder ist das eine zu indiskrete Frage?“

Sandra Naujoks: „Nein, gar nicht. Ich weiß auch nicht. Vielleicht, weil es in Dessau für junge Menschen kaum Chancen und Perspektiven gibt. Alle meine Jugendfreunde sind so wie ich weggegangen und ich habe einfach keinen Punkt zum festmachen. Ich war so ein Kind des Plattenbaus und wenn ich jetzt mal zufällig vor dieser Anlage stehe, kann ich das nirgendswo mehr festmachen. Da ist kein Fenster, kein Zeichen, wo ich denke, „da gehörst du hin Sandra“.“

Götz Schrage: „Sehr schöne Antwort. Hast du eine Erinnerung an die Nacht des Mauerfalls. Ich meine du warst damals acht Jahre alt. Vielleicht noch zu jung, um die historischen Folgen auch nur zu ahnen, aber doch sicher alt genug, um die Atmosphäre aufzunehmen. Das Gefühl der Eltern und des Umfeldes. Wie war dein persönlicher 10. November 1989? An was erinnerst du dich.“

Sandra Naujoks: „Götz, da muss ich dich enttäuschen. Ich war da wohl zu behütetet oder in Dessau dauern die Dinge immer etwas länger. Für mich hat sich der Mauerfall erst in dieser gewissen Individualisierung bemerkbar gemacht. Ehrlich gesagt über die langsam aufkommende Markenvielfalt. In der DDR gab es nun mal zum Beispiel nur zwei Haarshampoos. Eines für Erwachsene und eines für Kinder und weil es nicht mehr gab, habe ich das auch nie vermisst und jetzt war da plötzlich so viel nebeneinander auf allen Gebieten und da habe ich dann die Veränderung so richtig empfunden.“

Götz Schrage: „Ich glaube die Sentimentalität kommt dann mit dem Alter und ich bin mir sicher, die werden dich ganz bald danach fragen und du musst dich ins Goldene Buch der Stadt Dessau eintragen. Didi Hallervorden steht da sicher drinnen – der ist doch auch dort geboren und ich hoffe Kurt Weil, bevor ihn die Nazis vertrieben haben.“

Sandra Naujoks: „ Richtig und sicher Walter Gropius. – Aber mich hat noch niemand gefragt von der Stadt, aber dafür haben sie meinen Bruder angerufen vom ansässigen Radiosender. Der spielt Fußball in der Gegend – also wer weiß, was da noch kommt aus der alten Heimat.“

Götz Schrage: „ Ich merke gerade wir haben uns echt verplaudert und nervös bin ich gar nicht mehr. Dabei gäbe es noch eine Menge zu fragen. “

Sandra Naujoks: „Habe ich doch gesagt!“

Götz Schrage: „ Weißt du was wir machen – wenn du in Las Vegas bist zur WSOP lass uns nochmals plaudern. Da sprechen wir darüber, wie viele verschiedene Sorten Haarshampoo es dort erst im Supermarkt gibt und du erzählst mir dann im Rückblick von San Remo und Monte Carlo.“

Sandra Naujoks: „Das hört sich nach einer netten Idee an. So machen wir das.“

Götz Schrage: „Dann liebe Sandra vielen Dank für das Gespräch auch im Namen der vielen Leser von Pokerfirma.de.“

Sandra Naujoks: „Ich danke – es hat Spaß gemacht.“


3 Comments
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ch1ll3d
11 Jahre zuvor

cooles Interview! Macht viel Spaß zu lesen!

Nicolas
11 Jahre zuvor

Alexander Kravchenko „arbeitet als Handarbeitslehrer in der Waldorfschule in Kaliningrad“. Hab mich weggeschmissen vor lachen!
götz deine Interviews sind Klasse!

ML
11 Jahre zuvor

Meld dich mal sandra 🙂

lg markus