Kolumnen

„Gewinne den Pot, nicht die Argumente!“

0

Und das will was heißen! Schließlich hätte ich viel mehr davon etwa ‚Pokermatrix‘ oder das Audiobook ‚All In‘ aus dem Animazing Verlag lobend zu erwähnen. OK OK, das hab ich nun ja auch getan… Verzeihung.

Chad, Vanessa und Stephan

Zurück zum Thema. Der obige Satz war es über den ich vor kurzem mit Chad und Vanessa ein bisschen philosophiert habe.

Zum Hintergrund sollte ich vielleicht erwähnen (und ich warne besser schon mal vor: Vorsicht! Ich bewerbe gleich ein weiteres Mal ein eigenes Produkt! Danach ist aber Schluss damit, versprochen.), dass sich die langjährige Bekanntschaft zu Chad Brown durch das gemeinsame Buchprojekt ‚Act to Win‘ in ein gute Freundschaft mit Chad und Vanessa Rousso entwickelt hat. Wir versuchen uns rund um den Globus so oft als möglich zu treffen (2008 z.B. trafen wir uns in Vegas, Monaco und London).

So kam es also, dass wir uns über Barrys Satz unterhielten. Der Satz ist besonders pikant, wenn man Vanessas Wesen und Hintergrund kennt. Sie ist außerordentlich talentiert. Sie studierte Jura an der Duke in Rekordzeit, besuchte nebenbei so viele Spieltheorie und Statistikvorlesungen, dass sie mir, obwohl ich Fachmann auf diesen Gebieten bin, nicht nachsteht. Das soll nicht eitel klingen. Es ist nun mal so, dass ich als Diplommathematiker logischerweise eben dort meine Kernkompetenz habe und dann ist es schon enorm, wenn eine Fachfremde, die zudem auch noch jünger ist als ich, in meinem Heimspiel auf Augenhöhe mit mir diskutiert. Hut ab! Ich kann mit ihr z.B. in Sachen Jura nicht mithalten.
Darüber hinaus hat sie eine Staatsmeisterschaft für gutes Diskutieren gewonnen. Als Pokerprofi hat sie eigentlich ausschließlich den Jetons nachzujagen, doch in ihr schlummert auch immer der Wille es allen zu zeigen. Gerade in der Niederlage also zu erklären, dass ihr Spiel überlegen war. Da ist Barrys Satz natürlich Sprengstoff!
Selbstverständlich weiß sie, dass es kostspielig ist, Informationen Preis zu geben. Man verrät allen am Tisch etwas über das eigene Spielniveau und man bildet darüber hinaus die Gegner kostenlos fort. Aber wen juckt es nicht manchmal, dem Glückskind gegenüber zu erklären, dass der Suckout eben seinem Namen besonders zur Ehre gereicht, weil er von einem Sucker, der seinesgleichen sucht, ausgeübt wurde? Das dann noch dezidiert über alle Setzrunden aufargumentiert und schon geht es einem besser! Aber was dann?

Wie bereits erwähnt, wissen nun alle über die eigenen Fähigkeiten Bescheid:
Welche Infos sammelt man?
Wie verwendet man sie?
Welche Moves gehören zum Spektrum?

Im schlimmsten Fall ist der Zurechtgewiesene so betroffen, dass er zu spielen aufhört und das schmälert die Gewinnerwartung aller. Man verdirbt es sich also sowohl mit den guten als auch mit den schlechten Spielern am Tisch und ist schnell einsam.

Vanessa widersteht natürlich solchen Versuchungen in ihr – was sie u.a. zu der Weltklassespielerin macht, die sie eben ist – und so bringt sie zu guter Letzt das Thema eines Debattingchamps würdig auf den Punkt:

„I think Greenstein is right on…a lot of players are easily derailed by their emotions as the result of altercations with other players. It is just as important to maintain emotional control at the table as it is to be able to derive optimal play strategies… otherwise, what good are those strategies if you don’t enact them because you get distracted by arguments and emotions?“

Greenstein habe Recht, es sei ebenso wichtig seine Emotionen im Griff zu haben wie bestmögliche Strategien zu entwickeln. Denn was wären die Strategien wert, wenn sie nicht angewendet würden, weil man emotional abgelenkt ist?

Zahler zocken – Könner kalkulieren

Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de

PS.: Mein Versprechen vorher war natürlich ein Bluff, selbst Schuld, wer was anderes von einem Pokercoach erwatet hat. Und so schließe ich mit: „Gamblerstore.de bietet meine Seminare in dermaßen handlichen Gutscheinen an, dass sie sich wunderbar unter Weihnachtsbäumen türmen lassen.“

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT