Kolumnen

Bad Days

Irgendwas stimmte nicht. Kopfschmerzen, etwas fiebrig. Dazu dieser lästige Schwindel – ich weiß nicht, wann er kommt, geschweige denn, wie stark er mich erwischt. Die Konzentrationsfähigkeit wird extrem eingeschränkt; ich bin teilweise zur Unfähigkeit verdammt.

Mein neuer Seelsorger meinte, man müsste entweder das Problem bei der Wurzel packen (Kindheit, Bad Beats revue passieren lassen etc.) oder aber mich schrittweise mit Psychopharmaka vertraut machen. Beide Methoden machten mir Angst… außerdem schien mir der Schnaps-Abteilungsleiter im Kaufland nicht gerade der beste Ansprechpartner für mein Problem zu sein.

Doch was seh ich da! Autoschlangen nachts um 1 Uhr mitten im Ruhrgebiet auf einer Seitenstraße mit Kopfsteinpflaster. Hier gibt es scheinbar was zu sehen.
Neugierig bog ich von der Born- in die Juliusstrasse ein – rechts schwer gebeutelte Schönheiten, links ein Parkplatz mit Carports. Vielleicht darf ich mir heute doch noch wie ein Sieger vorkommen.

Ursprünglich wollte ich mir dieses Gefühl via dicken Cash verschaffen. Doch Pokern im Pot- was soll das? Nun, die European Poker Tour gastierte in Deutschland und beim größten Pokerevent hierzulande sollte man zumindest mal vorbeischauen, ein paar Hände schütteln und bei dieser Pro-Dichte vielleicht sogar den eigenen Poker-Horizont etwas erweitern. Und wenn sich kurzfristig noch ein Geldgeber (Jemand, der genau weiß, was er tut) fürs Main Event findet, würde ich natürlich auch nicht nein sagen.

Um es kurz zu machen: Nebenbei durfte ich auf jeden Fall das 2000 Buy In Side Event spielen. Double Chance, also 2x 5000 Chips, recht angenehme Struktur – auf 2 Tage angesetzt. Als an Tag 2 noch ca. 60 von rund 210 Spielern übrig waren, durfte auch ich meinen Platz räumen. Und da aktuell sowieso die Casino Staff in Hohensyburg von allen Seiten niedergemacht wird, ich zudem von meiner mittelmäßigen Performance ablenken will, sei kurz angemerkt, dass ich an Tag 1 innerhalb weniger Stunden mehr als 5 Mal! umgesetzt wurde. Natürlich kann einem das Kartenlos beim Reseaten mal ungünstig erwischen.
Aber die Art und Weise, wie die Tische aufgelöst wurden, hatte null System (wie übrigens auch der große Andreas „Wieviel Gel verträgt mein Haar“ Krause lautstark feststellte).

Weiterhin hatte ich es hier und da mit Spielern zu tun, die bereits nach einem Standard Preflop Raise komplett überfordert waren, und sich übermäßig viel Zeit für ihre „Taff Decisions“ ließen. Ich war also sehr gereizt und hatte nichts dagegen, das Arschloch zu spielen, welches ziemlich schnell „Time“ ruft. Nicht, dass der betroffene Spieler jetzt in Zeitnot geraten wäre, im Gegenteil: Gemütlich hätte er außerhalb des Casinos bei einer Zigarette seine Entscheidung überdenken können. Der Dealer schrie zwar mehrfach vorschriftsmäßig den kompletten Saal zusammen, aber ein Floorman wollte einfach nicht erscheinen.

Eines muss man der Crew in Hohensyburg jedoch lassen: Ihre mit Tesafilm bewaffnete Anti-Branding-Armee hatte alles fest im Griff. Selbst der winzige, unscheinbare Checkraiser-Schriftzug auf meinem Kragen wurde sofort entdeckt und eiskalt zugeklebt.

Auf meiner verzweifelten Suche nach Cash ging ich ein paar gewagte Sidebets bezgl. Verlauf des EPT –Final Tables ein, die ich allesamt verlor. Marc Gork, mit absolut verrückter Spielweise und interessantem Auftreten, hat es leider nicht geschafft. Wie cool muss man eigentlich sein, um am Final Table seiner ersten EPT, von Kameras umringt, um mehrere 100 k € spielend, ein Buch zu lesen? Sicher ist man an einem Full Ring Table oft nicht ausgelastet, Lesen also eine nette Ablenkung.

Aber 3 handed? No way! Ich bezweifle, dass er auch nur einen einzigen Satz behalten hat.
Dafür wird ihm der Sponsorvertrag vom Heinrich-Heine-Verlag sicher sein.
Im HU wollte ich es dann ein letztes Mal wissen und setzte Unsummen auf mein Pferd.
Ich war mir sicher. Derselbe Glücksritter nahm die Wette mit Bauschmerzen an.
Dann riss es mich vom Sessel, beide Spieler schieben ihre Chips in die Mitte – der spielerisch leicht überlegene Kanisch (und gleichzeitig mein Ticket zur finanziellen Unabhängigkeit) hält planmäßig AQ, Sandra Naujoks A9 – der alles entscheidende Flip – Sandra turnt die 9 – ich bin pleite. 50 € wechseln den Besitzer. Anschließend läuft mir Mrs. Naujoks über den Weg – zähneknirschend, krampfhaft lächelnd gratuliere ich natürlich. Und dann der nächste Schlag ins Gesicht: Dezent weist sie mich drauf hin, dass ich ihr noch 1 k $ schulde, die sie mir vor ein paar Monaten auf Full Tilt geshipt hatte. Argh!!

Abschließend möchte ich also einen Spendenaufruf zugunsten kleiner Gambler starten – ihr bekommt auch alles zurück…irgendwann!


1 Kommentar
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Drahkce
11 Jahre zuvor

Hattest Du denn nach soviel Cashflow Problemen noch genug für eine „Mahlzeit“ in der Juliusstraße? 😉