Kolumnen

Ben Kangs Mission Impossible

Bens Tisch stellt sich zu Beginn so dar:

Am besten gefällt mir der Spot am Cutoff gegen den Big Blind von 86k. Sollte er diesen als Openspot bekommen, so muss er meines Erachtens nach mit any Two rein. Auch seine Midposition-Spots sind OK, wenn Seat 8 oder 9 im Big Blind ist.

Das Spiel startet mit Ben in UTG. Er foldet. Schon in Hand 2 doppelt er glücklich auf, als er den Push des Buttons nach einem Midposition-Limp quasi blind bezahlt. Ich wähle diesen Spot nicht, aber nach Equity ist er spielbar. Ben muss 32k nachbezahlen für einen Pot von 80k. 40% Equity braucht er also. Konkret hat er diese auch fast: 37% für 72s vs. AKo.

Ich sehe diesen Spot als spielbar, weil Ben einfach so kurz ist, der Fehler nach Erwartung nur bei ca. einem Big Blind liegt und die Message für Bens Folgespiel gut ist: „Seid vorsichtig, ich bezahle!“ Jetzt hat er verdoppelt und kann darauf bauen, dass gegen ihn nur ge-value-bettet wird.

Dieses Wissen nutzt er, weil er es geradezu tragisch oft braucht: So legt er JJ und zweimal AK nieder, nachdem ihm ein weiterer Verdoppler auf 140k gelungen war. Ein looser Spieler hatte aus Midposition eröffnet, der Small Blind bezahlt und Ben schloss mit J7 die Runde ab. Den Flop von 775 trifft er voll und geht nach einem Check des Small Blind direkt mit über 200% Potsize All In. Der Opener wirft weg, doch der Small Blind bezahlt mit 66. Die 66 halte ich hier für nicht gut gespielt. Er sollte preflop 3-betten oder folden.

Es folgen tolle Karten, aber zu massive Action zwingt Ben in korrekte Folds. So 3-bettete Ben mit JJ in den Blinds die Openraise eines soliden Spielers aus early Position. Als dieser shoved, gibt Ben schweren Herzens aber korrekt auf.

Im zweiten Spot raist Ben aus early Position, wird vom gleichen Spieler klein ge-3-bettet. Ben foldet AK. Wieder ärgerlich, aber sinnvoll. Denn der Abstand zur Bubble schmilzt schneller als Bens Stack.

Wir sprechen kurz und er ist überzeugt, dass er für rechnerisch $500 pro Karte, die er ab nun muckt, bereit ist, diesen wenig inspirierenden Weg zu gehen.

Dann schauen doch glatt Asse am Button als Openspot vorbei. Ben stellt ein, die Blinds folden. Glück gehabt! Kein Witz! Das war echt Glück! Denn Ben ist zu 100% in the Money, das unterschreibe ich, wenn er nicht mehr spielt. Das Geld wächst dann hunderte von Plätzen kaum an und ihm nützt ein Verdoppler nicht wirklich, denn sein Stack ist weit abgeschlagen.

Wäre er gecallt worden, wäre er nur zu 80% in the Money und hätte nur geringfügig größere Chancen auf großes Geld.

Während ich diesen Beitrag schreibe, wird er es wohl ausgesessen haben. Danach kann er gerne ballern, was das Zeug hält. Denn dann macht „Dahinsiechen“ keinen Sinn mehr. Viel Erfolg, Ben! Grats zum Cash!

Zahler zocken – Könner kalkulieren
Stephan M. Kalhamer
the-gambling-institute.de


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