Kolumnen

Den PokerNews Cup verschlug es in ein Skigebiet

So kann man sich täuschen. Los ging’s mit der Location. Der Name Alpine Palace Hotel klingt ja nicht schlecht, fünf Sterne sieht man auch nicht an jeder Ecke … ich war dann aber doch überrascht. Erst hier merke ich welch heruntergekommenen und billigen Absteigen die Bellagios, Venetians und Crown Casinos dieser Welt sind. Na gut, das ist vielleicht übertrieben und mit den richtigen Voraussetzungen bekommt man auch dort den maximalen Luxus.

In einem Punkt wird das Alpine Palace aber immer die Nase vorne haben. Hier wird der Gast nicht subtil ins Casino zum Zocken gedrängt. Eher das Gegenteil: er soll raus aus dem Gebäude und rauf auf die Skipisten. Es gibt zwar einige Tische für Cashgame und Poker soll hier in Zukunft weiter forciert werden, der durchschnittliche Gast ist aber doch wegen Schnee und Erholung hier. Und da die meisten nach zwei Tagen auf Krücken humpeln, muss das hoteleigene Spa einiges bieten.

Da ist es dann nicht ungewöhnlich, im Aufzug einen Marcel Luske im Bademantel anzutreffen. So relaxt hat der fliegende Holländer ganz auf sein Markenzeichen vergessen und am Pokertisch die Sonnenbrille richtig rum aufgesetzt. Wenigstens hat es ihm nicht die Stimme verschlagen. Auch der schwedische Skirennläufer Johan Brolenius (So-Gut-Wie-Weltmeister 2009 im Slalom) ist im Alpine Palace Stammgast … ich habe mir sagen lassen ihm geht es hauptsächlich um Poker.

Als besonderes Highlight empfand ich den Outdoor Pool. Nach einem langen Tag spätabends bei dichtem Schneefall ins warme Wasser … da kann selbst das oben erwähnte Australien nur schwer mithalten.

    
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Aber widmen wir uns kurz dem Turnier. PokerNews hat mit der Location einiges riskiert, das Alpine Palace ist in Bezug auf Poker sicher keine allseits bekannter Ort. Das wird sich in Zukunft zwar ändern, so wurden z.B. die German High Rollers hier gedreht (momentan auf DSF zu sehen). Bis sich der Name verbreitet, wird es wohl noch etwas dauern, es wundert mich nicht, dass nur wenige Spieler auf eigene Faust nach Saalbach-Hinterglemm gefunden haben.
Geschätzte 90% des Feldes im Main Event bestand aus Package-Gewinnern, viele davon haben sich sogar über Freerolls qualifizieren können. Mit knapp 129 Teilnehmern blieb das Main Event sicher hinter den Erwartungen zurück, dafür erfreuten sich die Side Events großer Beliebtheit. Buy Ins zwischen € 50 und € 300 sind auch für Hobbyspieler durchaus leistbar.

Lediglich mit Event #4 – das Highroller PL Omaha Turnier für € 5.000 – hat man sich verspekuliert. Gerade mal ein Tisch konnte gefüllt werden, die Partie wirkte wie (und war) ein Spiel unter Freunden. Tony G war natürlich dabei und konnte sich bis ins Heads Up spielen, musste sich dort dann dem Fast-Lokalmatador Markus Golser geschlagen geben.

Ansonsten konnten sich die großen Namen nicht wirklich durchsetzen. Dafür war ihre Anwesenheit bemerkbar. In einem Dorf wie Hinterglemm sind die Möglichkeiten zum Ausgehen beschränkt, so konnte man die meisten direkt an der Bar des Hotels antreffen. Und dank des nicht vorhandenen Rauchverbots in Österreichs Lokalen konnten Markus Golser und Sandra Naujoks ihre Zigarren ganz offen bei einem Glas Wein konsumieren.

Eine Ausnahme gab es. Der südafrikaustralianische Pro Mark Vos scheint sich in den Alpen bestens zurecht zu finden, nach einem Sieg in Event #2 konnte er sich auch im Main Event bis an den Finaltisch spielen. Der Sieg ging an den Holländer Marc Naalden, Runner Up wurde Marc Naalden aus Estland. Für letzteren war es nach der WSOP das zweite Großevent, beide Male konnte er sich das Package in einem Freeroll holen.

Insgesamt Action in Maßen. Für die größte Aufregung am Floor sorgten am letzten Tag noch drei Spieler aus dem bwin Team. Zu Mittag hatten sie sich für Videoaufnahmen in den Pool begeben, erfrischt vom Champagner wurde kurzerhand beschlossen, das letzte Event im Bademantel zu spielen. Leider hatte man die Rechnung ohne den Wirt – bzw. Turnierdirektor Thomas Lamatsch – gemacht. Auch wenn es offiziell keine Kleiderordnung zu geben schien und das Hotel voll von halbnackten Leuten war: die Teilnahme am Turnier wurde ihnen in dieser Aufmachung verwehrt.

Schade, die Konkurrenz hatte sich schon darauf gefreut, einen dieser Spieler am Tisch zu haben. Ein Gus Hansen darf in Las Vegas mit freiem Oberkörper an den Tisch kommen, in Bademantel gehüllte Spieler sind in einem Spa-Ressort aber scheinbar zuviel.

Fazit: die Turnierserie hatte sicher einige Schwächen, die hauptsächlich auf das überschaubare Feld zurückzuführen sind. PokerNews hat sich als Veranstalter wohl mehr erhofft, die Spieler ihren Aufenthalt aber sichtlich genossen. Das Hotel war eine Klasse für sich, das Helikopter-Shuttle vom und zum Salzburger Flughafen (mit dem Hotelchef als Piloten) rundete die Luxuswoche ab. Für die hauptsächlich jungen Spieler hatte das kleine Feld einen großen Vorteil. Der Tag an den Tischen zog sich nicht ewig dahin, gleichzeitig konnte man praktisch jeden kennenlernen. Am Abend gingen die meisten zusammen fort, für mich als Beobachter hatte die internationale Gruppe in der klischeehaft älpischen Hüttengaudi-Atmosphäre jedenfalls maximalen Unterhaltungswert.

Danke PokerNews für das riskante Unterfangen. Die Erwartungen der Spieler waren sicher begrenzt, aufgrund des Rundum-Packages kann ich mir aber nicht vorstellen, dass irgendwer Grund zu Beschwerden hat. Und darum geht es doch: alle fühlen sich wohl und werden Positives berichten.


1 Kommentar
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ShadowBJ21
11 Jahre zuvor

Vielleicht hätte es ja ausser den Ticket Gewinnern noch den Einen oder Anderen „Selbstzahler“ (wie mich z.B.) nach Saalbach gebracht wenn die Strukturen der Side-Events nicht so unterirdisch gewesen wären.

Die konnten sich problemlos mit denen deutscher Sachpreisveranstalter messen. Selbst die regulären Turniere in Salzburg waren da noch besser!

M.E. hat man hier eine gute Chance vertan 🙁