Er redet viel und gewinnend freundlich mit seinen Mitspielern und weil die Leute am Tisch auch so nett sein wollen wie er, geben sie ihm auf jede Frage Auskunft, die Daniel, meist in Bezug auf gefoldete Hände, stellt, die er dann sicher in der nächsten Hand gegen genau diesen verwendet.
„Mit was wolltest du mich schlagen?“
„Zwei Paare“
„Danke“ und er lächelt.
Ein neuer Spieler kommt an den Tisch. Daniel begrüsst ihn persönlich mit Handshake und obwohl der Stack des Neuankömmlings nur wenig über dem Average liegt, sagt Negreanu: „Du hast viele Chips, du musst ein guter Spieler sein“, aber ohne auch nur den Funken von Sarkasmus. Wieder hat er Sympathie gewonnen, wieder wird er von diesem Spieler mehr Antworten bekommen, als er selbst Fragen gestellt haben wird.

Nachdem die mitteilungsbedürftigen Spieler vom Tisch genommen hat, haben die noch verbliebenen gelernt und schweigen ihre Chips an.
Ein paar japanische Railbirds versuchen von sich ein Foto zu schießen, mit Daniel im Hintergrund und weil ohnehin niemand mit ihm redet, springt er auf, stellt sich zu den Japanern und sagt irgendetwas unverständliches, aber offensichtlich japanisches, weil die Gruppe hemmungslos zu kreischlachen beginnt, dann geht er zu seiner mitgebrachten „Whole Food“ Supermarkttasche, holt einen Speisenwarmhaltebehälter raus und zeigt den japanisch, veganen Inhalt dem neu gewonnen asiatischen Fanclub. Der beginnt trotz fernöstlicher Zurückhaltung fast Daniel-Sprechchöre zu schreien. Soviel Freundlichkeit freut wiederum seine noch verblieben Gegner und die Erzählungen beginnen von vorne.
Wo immer Daniel Negreanu auftritt erweckt er den Eindruck, es ginge ihm nur um den Moment, um das Spiel und vor allem um Spass und diesen Spass mit anderen Menschen zu teilen und genau darin liegt, gut versteckt, eine seiner spielerischen Stärken, auch wenn es dieses mal nur zum zweiten Platz reichte.
Der letzte Vertreter der Spassgesellschaft
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