Kolumnen

Der versäumte Flug – Der teure Tee – Der bullige Riesenchinese

Es ist quasi alles weg und wenn die netten Herren am Konsulat nicht gut arbeiten, bleibe nur ich da in Shanghai und eröffne ein Casino. Obwohl das ist wieder verboten – aber es wäre nicht das Einzige was in Shanghai an Verbotenem abgeht. Fangen wir mal ein wenig chronologisch an.

Tokio – meine Lieblingsstadt von der Ferne war dann gar nicht so prickelnd wie erwartet. Niemand lächelt, alle laufen hektisch durch die Gegend und es ist so teuer, dass nicht mal das Geld ausgeben Spaß macht. Zweimal ums Gebäude mit dem Taxi und du bist schon deine fünfzig Euro los (wenn du Glück hast). Die U-Bahn hat Klasse! Die ist auch architektonisch wunderschön und wenn man in dieses legendäre Viertel „Erm Rapongi“ fährt, wo sich die ganze Ausländer treffen, um Party zu machen und Spaß zu haben, wird auch mal gelächelt und ausnahmsweise Englisch gesprochen.

Sonst kann das ziemlich einsam sein Tokio (besonders wenn dann noch Nasr als Botschafter d´Amour nach Seoul unterwegs ist).

Positiv zu vermelden auch noch das Essen – allerdings bleibt immer das kleine Gefühl der Unsicherheit. Katzen und Hunde mag ich nicht im Bett haben und am Teller schon gar nicht. In der Arcarde Spielhalle hatte ich dann noch einen versöhnlichen und lustigen Abend. Da wird gezockt, geballert und geschossen wie verrückt. Ziemlich aufgeputschte Stimmung und irgendwie ansteckend. Habe für die Pokerfirma auch sensationell gute Fotos gemacht – so wie ich es Götz versprochen habe. Tja die hat jetzt der Kameradieb, der wohl mit meinem Pass unterwegs sein wird (nach ein paar Eingriffen des plastischen Chirurgen selbstverständlich – die sollen ja hier ganz gut sein).

Dann zum Flughafen nach Tokio. Diesmal allein und ohne Nasr und trotzdem wieder in Problemen. Irgendwie glaube ich schon daran, dass auf allen Flughäfen der Welt ein Fahndungsfoto von mir hängt oder zumindest eine Art Eintrag im Computer: „Wenn Martin Kläser kommt, bitte Probleme machen und wenn keine da sind, welche erfinden“. Das Visum nach China war nicht so wie es sein sollte und als es dann fertig wa,r reichten die 20 Minuten nicht mehr fürs einchecken. Quasi Bubbleboy am Flughafen. Die anderen alle drinnen und ich für eine weitere Nacht im Flughafenhotel.

Shanghai – was für eine charmante Stadt. Gleich mal für umgerechnet 20$ durch die ganze City gefahren. Den Transrapid habe ich ausgelassen. Das Wetter ist übel, heftiger Dauerregen und um die 8 Grad, aber das macht nichts. Ich habe Freunde hier aus Deutschland und die Menschen sind freundlich und man kommt schnell in Kontakt. Wobei auch da musste ich dazulernen. Die Sache mit der Einladung zum Tee trinken, hatte mir mein Freund gleich eindringlich erklärt. Da begibt man sich wirklich in höchste Gefahr, oder es wird zumindest der teuerste Tee aller Zeiten. Fängt an wie eine harmlose Einladung in ein Lokal. Dort konsumiert man was auffällig Harmloses (und scheinbar Günstiges) bis es sich dann als maximal teurer „Spezial-Tee“ für 200$ oder mehr entpuppt. Wenn man dann nicht bezahlt, braucht man vielleicht noch einen Zahnarzt oder fliegt im schlimmsten Fall in einer schwarzen Plastiktüte nach Hause.

Mir ist dann allerdings was anderes passiert. Ich war mit einer Freundin aus Shanghai unterwegs und wir haben ganz zufällig ein paar nette Leute kennengelernt. Studenten und Studentinnen, die mit uns auf eine Kunstausstellung gehen wollten. Klar waren wir dabei und sind dann in eine kleine Galerie. Mein Freund, der schon länger hier lebt, hat mich dann zufällig angerufen und als ich ihm erzählt habe, dass wir gerade auf einer netten Kunstausstellung sind, sagte er nur ganz eindringlich: „Glaube mir das jetzt einfach Martin. Schnapp dir deine Freundin, nehmt die Beine in Hand und lauft was ich könnt“. War gar nicht so einfach, aber wir haben es geschafft. – Ohne anfängliche Bedrohung, aber dafür megaärgerlich dann die Nacht der Nächte in Shanghai. Ein Riesenclub, sehr gute Musik und ich kräftig am Schäkern mit einem deutschen Mädchen bis ins Morgengrauen. Dann wollte ich ins Hotel und gerade vor dem Club stehe, fasse ich in meine Jacke und merke alles ist weg. Pass, Handy, Visum und Kreditkarten. Natürlich will ich sofort wieder zurück. Stellt sich beim Eingang der größte Chinese der Welt, bullig und unfreundlich und lässt mich nicht mehr rein. Ich versuche auf Englisch, in Gebärdensprache und was weiß ich alles, um ihm die Situation zu erklären. Gerade war da noch das pralle Leben und plötzlich darf ich mal mehr rein, um zu checken, ob mir die Sachen nicht zufällig aus der Tasche gefallen sind (obwohl ich mir sicher bin, dass das ganz anders gelaufen ist).

Jedenfalls habe ich mein Handy wieder. Netter Ausländer aus Shanghai hat das in der Nähe der Disco gefunden und solange auf die Wiederwahlnummern gedrückt bis er mich erreicht hat. Ein feiler Kerl.

Apropos – ich werde mir jetzt auch noch eine feine Zeit machen. Nasr ist inzwischen gelandet und nach meiner Zeit in einem wirklich schicken Youth Hostel übersiedele ich jetzt ins Radisson von Shanghai. Schaut aus wie ein Wolkenkratzer, auf dem ein UFO gelandet ist. Will jetzt auch wieder ein wenig pokern und brauche eine stabile Internetverbindung. Gestern waren wir ein wenig feiern in einem sehr gute Club mit Live elektronischer Musik und einer Menge Drinks und ich werde jetzt da hinauf ins Ufo und eine Kleinigkeit essen. Angeblich dreht sich das ganze Teil – mal schauen was mein Magen dazu sagt. – Am 4.März geht es jedenfalls zurück nach Deutschland mit Papieren vom hiesigen Konsulat. Die EPT Dortmund werde ich wohl nicht schaffen, weil ich dann Sachen wegen meiner Wohnung checken muss, aber vielleicht komme ich zum Spring Poker Festival nach Wien. Bis dahin alles Gute und immer aufpassen mit wem ihr euren Tee trinkt.

Martin Kläser


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Spieler
11 Jahre zuvor

Mensch Martin, ist gar nicht lange her, da haben wir noch in Köln privat Cashgames mit Blinds von 10 und 20 Cent gespielt. So schnell kann´s gehen.