Kolumnen

Down Town Ruhepol

Jetzt brauchst du wieder etwas menschliches, etwas das dich erdet und wieder zurückholt von deinem Adrenalintrip, nicht diese plastikgeschwängerten Lächerlichkeiten des Strips, der sich selbst ins abstrakt verzichtbare überpartyt.

In Down Town Las Vegas gibt es einen Ort, wo Poker nicht mal mit Lady Gaga in Verbindung gebracht wird. Er liegt etwa hundert Meter außerhalb des beeindruckenden und überdachten Straßenverlaufs der Fremontstreet.

Im „Don’t tell Mama“, einem kleinen, ebenerdigen Club mit roten Wänden, der kaum größer ist als ein Wohnzimmer, dessen Einrichtung aus nichts anderem besteht als einer Bar, ein paar Tischen, Bänken und mächtig im Raum stehend, einem weißen Klavier.

Vom Design her gibt es viele Clubs, dazu muss man nicht den weiten Weg nach Down Town nehmen. Was es aber nur dort gibt, ist die Musikalität der Menschen die dort, wie es scheint, fast leben. Jeder kann sich zum Klavier stellen und singen und es stellen sich sehr zu Freude der Gäste nur Persönlichkeiten auf die kleine Erhöhung, welche sich erst später als Bühne zu erkennen gibt, die die Kunst des Gesanges wirklich beherrschen.

Wenn der dort kellnernde Justin das zu Tode gehörte „Umbrella“ nur mit Klavierbegleitung ganz zart und leise zelebriert, wenn Aundrea „Thunder Road“ singt und man das Gefühl hat, die Cowboy Junkies haben ihre Sängerin hier her abgestellt, wenn Bianca mit einer Stimme wie Etta James einen Song von Journey als Ballade singt, wenn Savannah zerbrechlich Joan Armatradings „Love and Affection“ dir ganz nahe bringt, dann sitzt du dort mit deinem Wodka-Martini und hast längst vergessen, dass es da draußen irgendwo eine Welt gibt, deren Ausschließlichkeit in einem Kartenspiel liegt.

Der Weg zu "Don't tell Mama"
Fast wie ein Wohnzimmer
Justin und Bianca
Savannah

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