Kolumnen

Dunkle Augenbrauen und innere Werte

Außenansicht

Unter der rötlichen Neon-Leuchtreklame ist ein Schaufenster. Zu sehen gibt`s allerdings nichts. Eine hässliche Sichtblende, wahrscheinlich ein Art Paravant aus Sperrholz, verhindert den Durchblick. Klischees zucken durch meinen Kopf: Dahinter waschen Chinesen Drogengeld, vielleicht trinken Türken auch nur Tee oder Computer-Kids ballern „Counter Strike“. Egal. Ich setze mein „Ich-kann-Karate“-Gesicht auf und öffne entschlossen die Tür. Puuh! Die Luft ist rein. Hier wird nur ganz legal gepokert und der einzige Asiate weit und breit, liefert gerade Feinkost von „Joey`s Pizza Service“ an.

Ich setze mich an den Tisch von Dealerin Anja. Sie schiebt gerade eine schnelle Nummer – Blind-Erhöhung alle drei Minuten. Das ganze eskaliert in einer All-In Orgie und es macht richtig Spaß, sich das Spektakel anzugucken. Als die Schlacht geschlagen ist, frage ich Anja nach ihrer schönsten Pokergeschichte und ratzfatz landen wir in Wien. Sie sitzt also im CCC am Cash Game Button und kriegt eine 2 und eine 3 serviert. Eine Asiatin raised aus dem cut-off um 15 Euro. Anja called zum Spaß, alle Limper folden, nur ein älterer Herr, der vor der Asiatin sitzt, geht ebenfalls mit. Der Flop wird aufgedeckt. Anja trifft nichts. Als die Asiatin checked, fühlt sich der alte Mann übergangen. Er macht einen riesigen Aufstand, brüllt, lässt den Floorman kommen. Der entscheidet auf einen neuen Turn. In seinem unkontrollierten Ärger hat der Alte kurz seine Pockets gezeigt. Anja weiß – er hält Bube und Dame. Im alten Flop, den er eben annullieren ließ, war eine Dame dabei. Der neue Flop bringt für Anja zwei Zweier auf den Tisch. Alles Rainbow. Zur River Card geht der verwirrte Herr nun mit 300 Euro „All In“. Auch die Asia Frau geht „All In“, aber die Kohle fließt zu Anja! „Selten soviel Spaß mit einer 2 und einer 3 gehabt“, meint sie kopfschüttelnd!

Hasenohren

Mein Blick hängt unterdessen an einer anderen Frau mit schönen dunklen Augenbrauen. Ariane organisiert das heutige Deep Stack Turnier und zum Team von „Pokerroom“ gehört sie schon seit der ersten Stunde. Chef des Ganzen ist Pokerexperte Fred Sulayman. Er hat u.a. das Buch „Turn on the River“ geschrieben, ist aber heute nicht da. Gut für mich, denn so erfahre ich mehr über Ariane. Ende 2006 meldete sie sich auf eine Zeitungs-Annonce: „Dealer gesucht“! Von Poker hatte sie keine Ahnung, ihr Lieblingsspiel hieß Doppelkopf. Sie fing bei Null an und rauschte begeistert durch den ganzen Pokerboom. Kreuz und quer durch Hamburg wurden Turniere veranstaltet, bis die Zeit der Razzien die Euphorie bremste. Der bekannte Vorwurf: „Verdacht der Teilnahme an illegalem Glücksspiel“. Fred Suleyman ließ sich davon nicht beeindrucken, machte einfach weiter. Seit dem 1. März 2008 veranstaltet er in der Lübecker Straße Turniere – nur dienstags und mittwochs haben die Karten Ruhetag.

Sensationell ist dabei, dass die Kaschemme „Pokerroom“ eigentlich ein ziemlich cooles Reisebüro ist. Wer sich bei den Deep Stacks durchsetzt, darf es mit 17 weiteren Tagesfinalisten aufnehmen. Die zocken dann an den Al Capone Tischen um richtig heiße EPT-Tickets. Sie fliegen nach Wien, San Remo London oder Vegas. Demnächst steht Daytona Beach auf dem Spiel.

Am Tisch

Heute hat übrigens ein gewisser Duke, auf dessen Sweater fett „Triumph“ prangt, gewonnen. Er hatte einen unwiderstehlichen Lauf und schwärmt jetzt natürlich von seinen Pokerabenden: „Es macht Spaß hier zwei, drei mal die Woche zu spielen. Die Leute sind nett und man lernt sehr schnell.“ Ich teile seine Einschätzung – das Niveau ist hoch! Ob er von hier schon in die weite Pokerwelt aufgebrochen ist? „Bis Schenefeld habe ich es bei einem Buy-In von 400 Euro schon gebracht. Und Anfang April geht’s ab nach Saalbach/Hinterglemm – die Tour habe ich allerdings online gewonnen.“ Flug, 5-Sterne Hotel, Buy-In 1400 Euro – auf den Duke wartet Großes! Und auf Ariane? „Auf mich wartet mein Hund.“ Welche Rasse? „Einmal St. Pauli rauf und runter.“ Und wer wartet auf mich? Bestenfalls Götz Schrage mit der ewigen Frage: „Wann kommt endlich Deine nächste Kolumne?“

Wer mehr über die Kaschemme wissen will: www.pokerroom-hamburg.de


2 Comments
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Skuril
11 Jahre zuvor

sie wirken eher notgeil als lustig, herr kiefer.

Anja
11 Jahre zuvor

Die Pokerstory hatte ich dir allerdings anders erzählt. Schade. Anja