Kolumnen

German High Rollers 3 – Die-Geld-Zurück-Garantie

Eine gelungene dritte Auflage meiner zweitliebsten Soap-Opera (nach Sarah Silverman). Deutsche Pokerprofis bei der Arbeit. Altbekannte Recken (siehe dazu Kritik zu Episode 1 ) verstärkt durch Johannes Steindl, Johannes Straßmann und Sascha Biorac. Wie angekündigt heute im Focus meiner Betrachtungen allerdings Hermann Müller alias “Hermann Pascha”. Davor ein paar Zeilen der hemmungslosen Eitelkeit. Wenn ich mal eine großartige Idee habe, möchte ich auch gefeiert werden und besser eine selbst geschriebene Laudatio als gar keine. Ich habe das Problem mit den kleinen kaum sichtbaren Karten am Bildschirm gelöst und ich habe einen kräftigen Muskelkater in den Armen. Wie das alles zusammenhängt und warum ich knapp davor stehe, bei den entsprechenden Behörden einen Antrag auf Namensänderung einzubringen, lesen Sie bitte in der folgenden Kolumne.

Meine Frau hat mir eine Springschnur geschenkt. Zu Weihnachten und aus Leder mit extraedlen Griffen aus mundgelecktem Aluminium und einer Kombination aus Nippel und Lasche mit der man die schnurmäßige Länge fließend verstellen kann (wenn man es kann). Selbstverständlich habe ich jenes Sportteil bisher beharrlich ignoriert, weil ich lieber schlaff, dick und kurzatmig bin als hoffnungslos peinlich und durchtrainiert. Seit gestern lebe ich mit diesem ungewünschten Präsent in harmonischer Versöhnung. Alles hat einen Sinn im Leben, auch eine fließend verstellbare Lederspringschnur mit mundgeleckten Alu Griffen. „German High Rollers – Episode 3“ im DSF macht es möglich. Wozu Kai Pflaume, wenn es Michael Körner und die microwinzigen Karten am Bildschirm auch richten können. Ein verwegener Knoten an meinen extrastabilen Stahlrohrfernsehtisch, ein extrageschmeidiger Bürosessel (der auf den Namen “Knut”, “Ulf” oder “Lars” hört) und die extrakleinen Karten können kommen. Sobald es etwas Wichtiges zu sehen gibt, genügt ein linder Zug am Seil und ich rolle gen Bildschirm. Quasi zur pokertechnischen Aufklärung, weil es doch mehr Spaß macht, wenn man das sieht, was man im richtigen Casinoleben niemals sehen wird. Dann ein beherzter Stoß zurück, um mich dann sanft – wieder mit Hilfe der Springschnur – entsprechend einzubremsen. So findet also tatsächlich jedes Ding sein Plätzchen in Gottes großer Schöpfung – sogar ein scheinbar zu Unrecht fast verstoßenes Weihnachtsgeschenk meiner Frau. Zum “German High Roller” reicht meine Bankroll noch nicht, als “German Springschnur Roller” fühle ich mich ohnedies viel wohler.

Hermann Pascha und Marcel Luske

Kommen wir jetzt zu „Episode 3“ – nahtloser Übergang vom ersten Eindruck zum ersten Bekenntnis. Ich mag diese Sendung. Die „German High Rollers“ unterhalten und amüsieren mich. Die Jungs hinter den Karten machen einen guten Job. George Danzer und Michael Körner kommentieren, was zu kommentieren ist und wer wirklich zuhört, kann sogar noch etwas lernen. Am Tisch wird gezockt, geblufft und manchmal auch kühn „gegambelt“. Alles bleibt im Rahmen des Vorstellbaren und der moralische Finger hat unten zu bleiben, weil in jeder Sportart die Besten der Besten ihr Geld wert sind – besonders dann wenn sie ihr Eigenes riskieren.

David Beckham riskiert maximal sein Haarstyling (wahrscheinlich ohnedies versichert) und seine Kreuzbänder (ganz sicher versichert). Wenn ein Marcel Luske sein Geld in die Tischmitte schiebt und es nach dem Showdown wer anderer bekommt, ist es tatsächlich weg und all die geistigen Lowrollers, die sich in den Foren über das gespielte Limit Blinds 25/50 Ante 5 lustig machen, könnten ja ein wenig zusammenlegen und antreten. (Bewerbungen bitte an die Redaktion).

Ohne sich zu bewerben, also als geladene Gäste neben Marcel Luske und den drei Novizen Steindl, Straßmann und Biorac, weiters immer noch dabei Markus Golser, Sven Stiel und Markus Lehmann. Nicht zu vergessen Hermann Müller alias „Hermann Pascha“ der von Michael Körner in diplomatischer Manier als „ Unternehmer in der Sparte Gastronomie, die besonders Männer sehr interessant finden“ vorgestellt wurde.
„Hermann Pascha“ und sein Gespür für den marketingmäßig optimierten Nachnamen. Nicht jedes rotlichtige Lokal würde sich ähnlich gut eignen wie das gar nicht ehrwürdige aber dafür amtsbekannte “Pascha”. Wer will schon “Hermann Puderdöschen” oder “Hermann Penthouseprivat” heißen? Am Pokertisch und überhaupt sonst im Leben.

Sein Vortrag am Pokertisch ist linde formuliert “loose”, aber das weiß er auch und steht dazu. Im original Pascha-Sound hört sich das dann so an:

“Ich bin ein Freier – ich spiele zum Gaudi haben. Wenn ich einen Golflehrer nehme, muss ich bezahlen. Wenn ich eine Frau nimm, muss ich bezahlen und wenn ich gegen gute Pokerspieler Spaß haben will, muss ich auch bezahlen”

Klar und einfach auf den Punkt gebracht. Dass Gewinnen und Schlausein auch Spaß machen könnten, kommt dem guten Hermann P. gar nicht erst in den Sinn und sich mit dieser Erkenntnis noch in diesem Leben auseinandersetzen zu müssen, wird ihm (und wohl auch uns) erspart bleiben. Jede Karte gefällt, jede Hand wird auf ihr Potential ohne Scheu vor Kosten und Investition gründlich untersucht.

Ratlosigkeit? Niemals!

Das kann nicht gut gehen und geht natürlich auch in diesem Fall nicht gut. Erkenntnistheoretische Ansätze wie: “Wenn alle die großen Karten spielen, spiel ich die kleinen” haben weltweit am Pokertisch wahrscheinlich schon mehr Geld vernichtet als eine mittelgroße nationale Wirtschaftskrise. Hermann Pascha wird es nie lernen, weil er es nicht lernen will und nicht lernen muss. In seinem Milieu kennt er sich aus, da kann ihm niemand was vormachen. Da hat er das Talent zum aggressiven Vortrag und wenn es sein muss, wird auch einmal geblufft und eine Falle gestellt. Eigentlich die besten Voraussetzungen für einen guten Pokerspieler, wäre da nicht gleichzeitig die endlose Eitelkeit und berufsbedingte Ungeduld. So bleibt Hermann Pascha in den Wirrungen der Nacht ein Falke und am Pokertisch eine Taube, die wohl noch einiges an Federn wird lassen müssen.

Der sekundäre Benefit liegt wohl alleine in der Genugtuung sich das eigene Spiel leisten zu können und ganz manchmal gelingt der große überraschende große Coup. Allerdings – und das ist ein wenig schade für uns Zuseher – viel zu selten. Die Premiumhände wollen einfach nicht halten. Könige und Damen werden nicht nur schlecht gespielt, sondern auch noch übel verloren und Trashhands reißen an diesem Abend schon gar nichts.

Obendrein gibt es von Kollegen Körner noch eine gelungene Bemerkung mit auf dem Weg ins All-in: “Mit den Damen müsste sich Hermann Pascha eigentlich auskennen” und wieder werden weitere 5000 ausgepackt.

Dabei, und so ehrlich sollten wir Pokerspieler sein, unsere Welt ist noch viel brutaler und erbarmungsloser als das vergleichsweise gemütliche Nachtgeschäft. Ein “Call” muss dann auch bezahlt werden, da nutzt gar nichts. In den Niederungen des Liebesgeschäftes blieb schon so manche Zeche unbeglichen, wenn sich der Schuldner erfolgreich hinter den Schutzbegriffen: “Leichtsinn, Unerfahrenheit, Triebhaftigkeit und Trunkenheit” verschanzen konnte. Beim Pokern nutzt das gar nichts und jeden Flop sehen zu wollen gehört zu den eher teureren Trieben.

Zufriedenheitsgarantie

Apropos – für alle Neugierigen – noch ein milder Zug der “gastronomischen Etablissements” die – ich zitiere wörtlich von der aktuellen Pascha Homepage – traditionelle “Zufriedenheits-oder-Geld-zurück-Garantie”. Auch das wird bei den “German High Rollers” nicht geboten. Das Verlorene ist wirklich verloren und wie ich Hermann Pascha einschätze würde er eine angebotene Option auch gar nicht in Anspruch nehmen. Schließlich hat er sich doch gut unterhalten und ist auf seine Art sicher zufrieden, weil er der Welt beweisen konnte, dass man wirklich viel haben muss, um sich sein Spiel leisten zu können. Meinen Besuch im “Pascha” werde ich nach dieser Kritik wohl auch noch ein wenig verschieben müssen. So sehr mich “ständig wechselnde Schönheiten” mit silikonisierter Oberweite (die wirklich alle Sprachen sprechen) auch reizen würden. Die “Zufriedenheit-oder-Geld-zurück-Garantie” ist mir an Versuchung nicht ausreichend. Aber sobald ich auf der Homepage ein “Wer-nicht-zufrieden-ist-darf-mit-dem-Chef-pokern” erblicke, werde ich mich stellen. Furchtlos und frisch geduscht.

Götz Schrage alias “Götz Pokerfirma.de“


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