Kolumnen

Gute Karten, Schlechte Karten

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Die Minibar hatte mir einen Strich durch die (Hotel-)Rechnung gemacht. „Versuchen Sie es noch einmal“ sagte ich möglichst leise, weil es mir doch langsam ein wenig peinlich wurde. Nichts zu machen. Keine Chance. Auch VISA wollte mich nicht ziehen lassen und mein Bargeld hatte ich bereits verdonkt. Die Stimmung an der Rezeption wurde immer eisiger: Meinen Pass musste ich abgeben und auf das Gästebuch schwören (Bibel war wohl keine da), das Geld schnellstmöglich zu überweisen.

Wie unangenehm.


Soviel zum glamourösen Leben eines jungen Pokerspielers.
Studium auf Eis gelegt, das gewonnene Geld aus Vegas zum Großteil gut investiert (hat mir jedenfalls mein Berater von der Lehmann Bank versichert) und erstmals im Leben auf Tour durch die Pokerhauptsstädte Europas. Gut, in meinem Fall waren dies zunächst nur Graz und Bregenz.

In Graz standen zwei Turniere auf dem Programm, ein € 800 sowie das € 2000 No Limit Holdem Event, welche ich leider außerhalb der Geldränge beenden musste. Kopf hoch. Diese Stadt war wohl einfach nicht mein Pflaster. Also nahm ich etwas entnervt und mit leicht geschmälerten Bankroll den nächst besten Flieger in Richtung Bodensee.
In Bregenz sollte Alles besser werden.

Und tatsächlich: Meine Kreditkarte wurde akzeptiert! Hoch motiviert konnte ich nun auch die ersten Turniere angehen. Zwei Top 20-Platzierung steigerten zwar mein Selbstbewusstsein, meine Bankroll dagegen ging wieder leer aus. So langsam machte ich mir Gedanken.

Eine Chance wollte ich Casino Austria aber noch geben und versuchte daher mein Glück beim € 1000 Buy-in Freezeout-Turnier, dem dritten Event der Bodensee Open. Hier geschah das Unfassbare: Sieg!
Die Karten waren wieder auf meiner Seite. Erleichtert, zufrieden und vor allem massiv im Plus verabschiedete ich mich aus Österreich.
Vorerst. Denn im Oktober steht die Poker EM in Baden an.

Der Karten-Skandal in Graz wurde übrigens aufgeklärt. Casinos Austria hatten meine VISA geblockt. Aber warum?
Wahrscheinlich aus pädagogischen Gründen oder um mich zu schützen. Vielleicht hätte ich dem Kellner doch nicht meine Hand zeigen sollen. Ich werde es wohl nie erfahren.

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