Kolumnen

Mein Skoda und Ich

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Manche dieser Beziehungen sind relativ unkompliziert: Man gibt, indem man zahlt, und man nimmt, indem man sich vergnügt. Du bist zu Nichts verpflichtet, musst dir keine Mühe geben, kannst dich einfach Gehen lassen … und trotzdem sind Alle glücklich und zufrieden! Ergo genau mein Ding. Leider (oder zum Glück) sind solche Beziehungen nur von kurzer Dauer und man selbst lernt wenig dazu.

Andere dagegen sind für die Ewigkeit, oder fühlen sich zumindest so an. Anfangs scheinbar perfekt, werden auch sie früher oder später in Frage gestellt.

Meine neuste Begleitung – ein sehr junges, unerfahrenes, aber durchaus hübsches Ding – hatte es von Anfang an nicht leicht mit mir. Sie wurde belächelt, ja geradezu niedergemacht.
Fiese Witze musste Sie ertragen; höhnische Blicke überall dort, wo wir Zwei auftraten.

Dies lag wohl an ihrem schlechten Image:

Von außen betrachtet ist Sie eben wirklich nur eine Durchschnitts-Hure, die Jedermann für wenig Geld haben kann.
Und tatsächlich gestand Sie mir gleich beim ersten Date, das Sie bisher 2 Jahre im Besitz eines älteren Herrn war, welcher sich nur selten mit ihr vergnügte. Der Ruf eines billigen, verbrauchten, osteuropäischen Modells eilte ihr voraus.

Nur ich erkannte sofort ihre innere Schönheit, ihre versteckten Qualitäten:

„Sie“, mein beigefarbener Skoda Fabia, ist in Wahrheit eine äußerst komfortable Kombilimousine, gebaut am 2.12.2005. Grenzwertige 75 PS peitschen diesen Traumwagen auf bis zu 180 km/h…natürlich Bergab und natürlich mit Rückenwind. Aber egal!
Wen bitte interessieren technische Daten? Das Auto hat Charakter! Extrem zuverlässig und verdammt anspruchslos (was Sprit, Öl, Wasser etc. betrifft) hat es mich bereits sicher über die übelsten Passstraßen Europas geführt, und sich dabei nicht einmal beschwert.

Dazu kommen noch alle möglichen Extras, die eigentlich kein Mensch braucht, wie Servolenkung, Anti-Blockier-System und Airbags. Ein konkurrenzloses Preis/Leistungs-Verhältnis machte unsere Bilderbuch-Beziehung dann perfekt.

Ein paar Wochen sind nun vergangen und zum ersten Mal ist der Blick durch die rosa Brille ein bisschen getrübt. Nächste Woche geht’s zur EPT nach Budapest und nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, den Flieger zu nehmen.

Dass ich öffentliche Verkehrsmittel in Anspruch nehme, gefällt meinem Baby natürlich überhaupt nicht, weswegen momentan Funkstille zwischen uns herrscht.

Ich habe ihr gesagt, dass ich keine andere Wahl hätte und mir der Flug wirklich Nichts bedeuten würde.
Es half Nichts.

Falls ich in Budapest gewinnen sollte, werde ich ihr wohl nun ein kleines Geschenk machen müssen, sei es eine Premium-Wäsche, eine Tankfüllung Super- statt Normalbenzin oder einfach mal wieder den Ascher leeren und die unzähligen McDonalds-Tüten entfernen. Gemeinsam gleiten wir dann über die Autobahn dem Sonnenuntergang entgegen und alles ist wieder so wie es sein sollte.

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