Kolumnen

Mit dem Bus ins Abenteuerland: Hinterm Gecko geht’s weiter

Andererseits – im Bus kann man bezaubernde, meist ausländische Mitbürgerinnen kennen lernen und das Gefühl als Schwarzfahrer die Hamburger Verkehrsbetriebe ausgetrickst zu haben, soll Hobby-Freaks derbe kicken. In Linie 3 hat das ganze aber noch einen weiteren Vorteil: Der Kutscher setzt einen quasi direkt vor der Gecko-Bar ab.

Die Gecko Bar ist eine Art Abenteuerspielplatz mitten in Bahrenfeld und die Helden sind schon alle da: Die Stars bekannter Computer-Games thronen als handgemachte, lebensgroße Airbrush-Figuren über den Köpfen der Gäste. Prince of Persia, Herr der Ringe, Warcraft – die Lichtinstallationen wirken. Übertroffen werden sie nur vom tierischen Namensgeber der Location, einem riesigen, 1470 Kilo schweren Gecko. Das grüne Reptil prägt den um die Jahrhundertwende erbauten Festsaal mit seinen neun Meter hohen Wänden und der stuckverzierten, gewölbten Decke. Falls Sie jetzt denken, in diesem Phantasie anregenden Ambiente wird Poker gespielt, liegen Sie allerdings falsch. Billard ist angesagt. An sieben großen Tischen wird gestümpert und eingelocht – es ist eine Freude! Bleibt die Frage, wo sind die Pokertische?

Fehlersuchbild für Dealer
Gecko Bar

Ich suche den Chef des Hauses: Mehdi Zarkesch ist seit 1995 der Besitzer des Geckos und richtig – er ist der Bruder von Shahin, des Szene-Bekannten Zauberers und Zockers. Wie dem auch sei, Mehdi führt mich an eine verspiegelte Tür, tippt wie vor einem Tresorraum eine Zahlenkombination in ein Display und – „Sesam öffne Dich“ – die Glastür verschwindet lautlos in der Wand. Der Weg ins Hinterzimmer ist frei und hier fliegen die Karten.

An drei Tischen geht es Freitags, Samstags und Sonntags zur Sache – für totale Anfänger ist der Club am Wochenende eher weniger geeignet. Wer hier sitzt, glaubt bereits zu wissen, wie das große Spiel funktioniert. Sorry wenn ich jetzt schon wieder von der Atmosphäre berichte, aber sie ist einfach toll. Eine edle, rote Stofftapete ziert die eine Wand, gegenüber schimmert Blattgold. Wer hier verliert, kann sich trösten: Nobel geht die Welt zu Grunde. Und außerdem geht es selbstverständlich nur um Gecko-Chips und nie um Bares. Beim Deep-Stack Turnier am heiligen Sonntag gibt’s z.B. für 15 Euro 8000 Chips, Blind-Erhöhung alle 15 Minuten. Ein Tipp übrigens noch für Anfänger. Mittwochs spielt ab 19.30 Uhr ein Verein im Hinterzimmer. Sie nennen sich Poker & People Hamburg e.v. und freuen sich über neue Mitglieder.

Bevor ich weiter ins Nachtleben starte, frage ich Mehdi noch, wieso der Raum so seltsam schmal ist. Er zeigt mir ein paar Fotos vom Zustand des Gebäudes vor dem aufwendigen Umbau. „Hier war früher mal eine Kegelbahn drin“, erklärt er. Total runtergekommen war der lange Schlauch, aber mit etwas Phantasie kann man sich noch leicht vorstellen, wie hier früher die Kugeln übers Parkett sausten.

Durch die verspiegelte Glasschiebetür des Hinterzimmers trete ich wieder zurück an die Billardtische. Marlit versucht hier gerade vergeblich ein paar vernünftige Stöße hinzukriegen. „Nichts für Ungut“, sage ich, „aber willst Du es nicht lieber mal mit Poker probieren?“ Sie grinst nur und behauptet, mit Karten ebenso wenig anfangen zu können wie mit dem Queue. „Ich kann nur Mau Mau, Schwimmen und Finger kloppen“, gesteht sie. Bedauerlich, aber wenn dem so ist, hat sie im Hinterzimmer wahrlich nichts verloren.

Wer mehr über die Gecko-Bar wissen möchte – die aufwendige Homepage lässt keine Fragen offen: www.gecko-bar.de


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