Kolumnen

Nur nicht Aufregen!! Teil 2

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Wieder frisch motiviert und mit derselben Einstellung nahm ich das Turnier in Angriff. Wieder schaffte ich es, einen guten Stack aufzubauen und kam bis unter die letzten 30 Spieler.

Ich habe eine Regel für mich, wenn ich spiele, und die ist: „Nur nicht aufregen!“ Da ich natürlich berufsbedingt sehr genau auf alle Abläufe des Turniergeschehens achte, nehme ich mich selbst zurück und ärgere mich nicht, wenn etwas anders abläuft, als es soll. Im CCC ist diese Sorge ohnehin nicht angebracht, aber es kam zu einer anderen Situation, die mich aus der Ruhe brachte.

Ich saß nun am Tisch und studierte meine Gegenspieler. Nach den ersten Händen war mir klar wer hier Freund und wer Feind war. Ich befand mich an einem Tisch mit 3 Kumpels, die in einer unverständlichen Sprache murmelten, während sie im Spiel waren. Ich wollte mir vorstellen, dass sie sich über das Federer Tennisspiel unterhielten, welches gerade an den Flatscreens lief. Nach einem wilden „Geraise“ vor dem Flop verlor ich das Interesse und dachte, dass mein doch nicht so gut war. Es kam ein Flop mit „As x x“ und meine Kumpels checkten nun bis zum Schluss und zu meinem Erstaunen sah ich, dass sie mir jetzt einen Gefallen getan hatten, da ich gegen „AQ“ das Nachsehen gehabt hätte. Ist es eigentlich ratsam mit Top Pair durchzuchecken, wenn man vor dem Flop gereraist hat?

Ein paar Spiele später fühlte ich mich wie ein gut durchgebratenes Stück Rindfleisch, eingebettet in 2 Brötchen, angerichtet um verspeist zu werden. Nachdem zuerst ich und dann sein osteuropäischer Freund bezahlt hatten, kam ein Raise vom Big Blind. Ich bezahlte, worauf sein Freund nun abermals erhöhte, Mmmhh. Am Flop wurde vom Big Blind angespielt und wir bezahlten beide, am Turn wurde nun gecheckt und als die Rivercard kam, passt der Spieler in letzter Position sofort ?? Ich war verwirrt, aber sagte nichts, da ich ja den Wert meiner Hand nicht verraten wollte. Nun machte der Big Blind ein Potsize Bet und ich musste mit medium Pair leider passen und ärgerte mich über diesen Spielzug. Als Draufgabe zeigte mir das Big Blind noch einen Bluff.

„Nur nicht aufregen!“ dachte ich mir und konzentrierte mich auf das Spiel. Meine osteuropäischen Freunde hatten sich im folgenden Pot eine neue Nettigkeit für mich ausgedacht. Nach Bet und Call preflop, Bet und Call am Flop, check am Turn, machte ich ein großes Bet am River und mein Gegner überlegte relativ lange. Doch was jetzt geschah, schlug dem Fass den Boden aus – mein mir mittlerweile nicht mehr so sympathischer Mitspieler, der gar nicht im Pot war, schob symbolisch seine Chips zur Mitte und signalisierte seinem Freund somit „Ich würde bezahlen“ – ich blieb natürlich in diesem Moment ruhig, um den Wert meiner Hand nicht preiszugeben und letztendlich passte er. Jetzt aber genug – nicht aufregen hin und her – mir platzte der Kragen und alles musste in diesem Moment raus. Ich machte klar, dass damit jetzt genug war und es Konsequenzen haben musste. Die Drei machten natürlich ganz auf unschuldig und forderten mich auf, Englisch zu sprechen – kein Problem – ich schilderte all die Situationen mit Darlegung der Fakten und wurde permanent unterbrochen – jetzt warf es mir den Schalter, ja auch mir kann das in gewissen Situationen passieren – Ich regte mich richtig auf. Der Turnierleiter gab Penaltys für alle 3 und das Spiel ging nach 10 Minuten weiter. Ich war innerlich richtig aufgewühlt und nicht zu 100% im Spiel. Ich hatte ein Paar 8 und hatte den Flop nicht getroffen. Dennoch machte ich ohne nachzudenken ein Bet All-In und bekam den Call vom Big Blind, der Top Pair mit schlechtem Kicker getroffen hatte. Aus und Ende der Vorstellung, Gute Nacht und Auf Wiedersehen. Ich wollte mich nicht ärgern und genau das ist passiert! Meine lieben Turnierspieler – Ich verstehe euch nur zu gut wenn ihr euch manchmal aufregt und ich bin für euch als Turnierleiter da, das Spiel sauber zu halten und den Regeln entsprechend zu leiten – aber wenn ihr euch über eine Situation oder eine schlecht gespielte Hand ärgert, dann nehmt euch danach 15 Minuten Zeit, um euch zu beruhigen.

Eine halbe Stunde später war der Ärger verraucht. Meine Welt drehte sich auch so weiter, wenigstens kam ich nach meiner kleinen Tournee mal früh ins Bett. Zukünftig werde ich wohl noch genauer aufpassen und so verbuchte ich die unangenehmen Erfahrungen aus der Perspektive des Spielers als Fortbildung – Vielleicht kann ich so die Buy-ins von der Steuer absetzen? Ein netter Gedanke und wesentlich schlauer, als sich da noch weiter aufzuregen. Aktuell bin ich wieder als Turnierdirektor bei der EPT Budapest im Einsatz.

Euer Thomas

3 KOMMENTARE

  1. Da wäre mir sicher schon früher der Kragen geplatzt.
    Was haben eigentlich die anderen Mitspieler und der Dealer gesagt? Der durchschnittliche Pokerspieler würde ja schon bei der ersten Aktion, zu Recht, an die Wand springen.

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