Kolumnen

Nur nicht aufregen

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Deepstack in Bratislava – hört sich spannend. Außerdem war ich  – höchst ungewöhnlich für einen Wiener – noch niemals in der doch so nahe gelegenen slowakischen Hauptstadt.  Eine hervorragende Autobahnverbindung, schönes Wetter und so machte ich mich zusammen mit meiner Frau Marina auf den Weg. Ein wenig zocken, einen Freund besuchen und ein wenig Spaß haben. Das Leben kann so schön – aber das Leben kann auch überraschend anstrengend sein und da heißt es dann: „Nur nicht aufregen“

Jeder der mich kennt, weiß, dass ich sehr gerne Turniere spiele, doch aufgrund meines vollen Terminplanes komme ich leider nur selten dazu. Umso mehr freute ich mich auf das Event. Die Adresse hatte ich mir selbstverständlich korrekt notiert und als wir dann keine 45 Minuten später vor den Toren Bratislavas ankamen, musste ich bemerken, dass sich mein sonst so treues Navigationsgerät weigerte, seinen Dienst zu tun. Alle Namen auf den Schildern hatten unzählige Konsonanten und waren für mich undefinierbar. Wir versuchten unseren Ortungssinn zu schärfen und die Adresse zu finden….nach 30 Minuten gaben wir auf und hatten die rettende Idee – zum nächsten Hotel, Taxi rufen und hinterherfahren, basta! Wie zum Himmel haben wir vor der Einführung des Navis Adressen gefunden und warum zum Teufel hat mein € 2.000 teures Navigations & Entertainment System keine Karte von der Slowakei? Nun denn, nach weiteren 30 Minuten waren wir tatsächlich am Ziel und gar nicht mal zu spät, weil das Turnier mit einiger Verzögerung begonnen hat.  Ich parkte mein  Auto und stürzte mich ins Geschehen.

Der Platz war reserviert und endlich hatte ich Karten in der Hand. Marina war schon in Wien vorgewarnt worden. Ich würde gnadenlos und konsequent meinen neuen Spielstil praktizieren. Angriff lautete die Devise und sogar ein Ausscheiden in der ersten Hand – und das nach der beschwerlichen Anreise – war im Beeich des Möglichen. Doch alles ging mehr als gut und um 5.00 Uhr morgens war ich müde und im Geld (unter den letzten 18).

Das Event war über zwei Tage angesetzt und ich war nicht optimistisch genug gewesen, ein Hotelzimmer zu reservieren. Kein  Problem schließlich wartete doch außer meiner schönen Frau ein schönes Auto auf mich und um nach Hause zu finden, bräuchte ich weltweit kein Navigationsgerät. Was ich allerdings schon brauche sind vier rollbereite Reifen – und was ich absolut nicht brauchen kann, ist eine eiserne Kralle mit der Aufschrift „Polizia“ an meinem linken Vorderreifen.

Doch die war trotzdem da. Ungebeten und unerwartet. Dem Schild mit der Aufschrift „dcet mec tycaz“ hatte ich wohl nicht den notwendigen Respekt gezollt. Zurück in den Club. Telefonieren, warten, telefonieren und eine Stunde  – und zugegeben günstige 20 Euros  – später, standen wieder alle vier Räder zu meiner Verfügung und die slowakische Polizei durfte sich ihre hässliche Kralle mitnehmen.

Vier Stunden Schlaf in der gewohnten Umgebung und zurück auf die Autobahn. Das Navigationsgerät hatte am Vortag seine Chance gehabt und wurde von mir strafweise ignoriert. Souverän und im erlaubten Bereich eingeparkt (nur dumme Touristen tappen in diie Parkfalle – mir passiert so etwas nicht!). Der Turnierleiter schenkte mir ein extrabreites  Lächeln und setzte mich vor mein extraschmales Stack (umgekehrt wäre es mir lieber gewesen).

Ich blieb meiner Devise treu – Angriff, sobald es meine Hand irgendwie erlauben würde.
Zweimal die Blinds gestohlen und dann zu meiner Freude gegriffen. Raise allin – Call – Call. Showdown meine Gegner und . Wunderbar, quasi in der Selbstblockade. So hatte ich mir das vorgestellt. Nur der 10er auf dem Flop passte so überhaupt nicht zu meiner schönen Hand. Turn wertlos. River wertlos und draußen war ich. 14. Platz. Nettogewinn € 150 und nach Abzug von Konsumation, Taxikosten, Polizeistrafe und Treibstoff blieben gerade mal geschätzte neun Euro übrig. Wie ich das Geld anlegen werde, habe ich noch nicht endgültig entschieden. Vielleicht lege ich es zurück für meine Alterversorgung oder besser ich investiere die neun Euro in ein slowakisches Update meines Navigationsgeräts. Man wird sehen.

Wie ich mich entscheiden werde und was mir dann noch in weiterer Folge passiert ist, erfahrt Ihr in meiner Kolumne bei pokerfirma.de, Bis dahin viele gute Hände und „nur nicht aufregen“.

Euer Thomas

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