Plastikweihnachten und Poker-Pärchen
Es gibt Dinge, die will ich einfach nicht sehen. Harmloses Beispiel: Goldgestickte Krönchen auf den feisten Po-Taschen meist überschminkter Möchtegern-Prinzessinnen. Derbes Beispiel: Stark behaarte, gern auch übergewichtige Männer, die sich unter der Schwimmbaddusche die letzten, unerforschten Winkel ihres „Luxuskörpers“ gleich dreimal durch schampoonieren. Nicht ganz so widerlich, aber bei mir trotzdem auf der No-Go Liste: Lametta überhäufte Plastiktannenbäumchen und zugehörige Tannenzweig-Zierleisten an der Zimmerdecke. Aber geschenkt – für diese Deko können schließlich die Hamburger Poker Piranhas nichts.

Am Tatort hat Robert einen gewaltigen Berg Chips vor sich liegen und auf dem blauen Filz kann ich rasch nachvollziehen, was eben passiert sein muss. Zwei Spieler raisen mit jeweils Paar König. Robert hat zwei Asse auf der Hand und geht natürlich mit bis zum All-In. Im Flop kann kommen was will – Robert streicht auf einen Schlag 45.000 Punkte ein. Eine schöne Bescherung so kurz vor Weihnachten. Eine Hand später ist Tischwechsel angesagt und Dealer Matthias muss unserem Glückspilz sogar beim Chipstragen helfen. Eine komfortable Situation nach rund fünf Stunden Zockerei.

Ersatzbefriedigung verspricht in der Pause ein gepflegtes Nikotinbrötchen vor der Tür. Im Vereinsheim mit Bundeskegelbahn und Sommerterrasse ist rauchen nämlich verboten. Unter all den starken Männern, von denen viele schwarze Hemden mit Ace High-Aufdruck tragen, widme ich mich der zarten Saskia. Ihr Haar bändigt ein betont braver, schwarzer Haarreif und eine den Temperaturen angemessene Daunenjacke hält schön warm.
Die 21-Jährige ist Dealerin auf der Hanse Poker Tour und hat auch heute Abend alles im Griff. Ich eröffne unser Gespräch mit einer wohlüberlegten Frage aus der hohen Schule des erfolgreichen Flirtens: „Was machst’n so, wenn Du nicht grade hier bist?“ „Ich bin Bankkauffrau.“ „Die Männer spielen sicher besonders gerne bei Dir, oder?“ „Ich glaub schon, aber das musst Du sie schon selber fragen.“ „Hast Du nen Freund?“ „Nö.“ „Aha.“

Vielleicht entflammen schon am 17. Januar zwei einsame Herzen. Dann wollen die Piranhas in einem sicher wieder perfekt organisierten Turnier gegen den German Poker Club beweisen, wer die Nummer 1 an der Elbe ist. Zum Showdown kommt es bereits im neuen, heimischen Aquarium an der Fuhlsbütteler Straße. Auch Nichtschwimmer sind willkommen!
Mehr Infos unter www.poker-piranhas-hamburg.de