Was ist fair? Was ist gut für das Poker? Was soll die Turnierleitung machen? Der Laptop an den Rails im $10.000 Main Event der WSOP sorgt für eine hitzige Debatte über GTO und Fairness.
Gestern spielte sich Jonathan Tamayo zum Pokerweltmeister. Der US-Amerikaner setzte sich im Heads-Up gegen Jordan Griff durch. Hätte Niklas „Lena900“ Åstedt im Spiel zu Dritt nicht den gewagten Call mit King-Jack gemacht, wäre das Bracelet vielleicht nach Schweden gegangen.
Aktuell wird jedoch weniger das Spiel am Final Table, als das, was sich am Rande zugetragen hat, diskutiert. An den Rails besprachen Dominik Nitsche, Joe McKeehen und Jonathan Tamayo Spieltaktik. Nicht ungewöhnlich, doch Nitsche hielt einen Laptop in den Händen.
Viele Zuschauer witterten einen Betrug, auf Twitter und in Poker-Foren kochte das Thema hoch. Fakt ist jedoch, hätten sich Nitsche und McKeehen die Daten auf einem Smartphone angesehen und verbal an Tamayo wiedergegeben, hätte sich niemand beschweren können.
Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass die WSOP ein Produkt ist und die Zielgruppe eben nicht die GTO-Profis sind. Somit ist das Argument, dass es sich falsch anfühlt, durchaus berechtigt. Egal, ob es im Rahmen der Regeln ist.
Die Meinungen scheinen ohnehin gefestigt. Ob die WSOP-Leitung an den Regeln nachbessert, muss sich zeigen. Dominik Nitsche nimmt den Zwischenfall mit Humor und bietet 40 % Rabatt für DTO Poker an, wenn man den Code „LAPTOPONRAIL“ nutzt.
Auf Twitter kommentierte der vierfache Bracelet-Gewinner: “Der beste Teil daran, einen Anteil am Hauptgewinn zu haben, ist definitiv das Geld. Aber der zweitbeste Teil ist, wie wütend die größten Idioten auf Twitter werden, wenn sie jemanden sehen, der auf der Zuschauertribüne einen Laptop benutzt.”
Auf Nachfrage, was er für Daten weitergegeben hat, gab Nitsche an: “Nur Anpassungen während des Spiels und strategische Erinnerungen. Nichts Besonderes. Hauptsächlich, um ihm zu helfen, mit mehr Selbstvertrauen zu spielen. Ich liebe all die Verschwörungstheorien, die ich bekomme. Die Leute denken, ich gebe ihm Karten vor.“
just game time adjustments and strategic reminders. nothing fancy. mainly to help him execute with more confidence.
i'm loving all the conspiracy theories i'm getting. people think i'm running hands. 🤣
— Dominik Nitsche (@DominikNitsche) July 18, 2024
Todd Wittles hofft, dass die Verantwortlichen nachbessern: “Da die aktuellen Regeln es erlauben, war dies kein Betrug. Dennoch sieht es schlecht aus und widerspricht dem Geist des Live-Pokers, besonders bei dem wichtigsten Event des Jahres. Die WSOP muss diese Regel so schnell wie möglich ändern und die Nutzung von Solvern am Spielfeldrand verbieten. […]
Keine Solver jeglicher Art im Turnierbereich erlaubt. Jeder Spieler wird verkabelt und jedes Gespräch über vergangene Hände wird bestraft. Wenn es auf Gespräche in den Pausen im Badezimmer beschränkt ist, kein großes Ding. Das ständige Überprüfen von Händen mit dem Spielfeldrand ist das Problem.”
Dominik Nitsche bleibt skeptisch, ob Poker jemals so reguliert werden kann: “Wie soll das umgesetzt werden? Kameras im Badezimmer? Kein Gespräch mit jemandem zu irgendeiner Zeit? Bist du sicher, dass du Poker in Schach verwandeln willst? Das kann und wird nicht passieren.”
Since the present rules allow it, this wasn't cheating.
However, it's a bad look, and against the spirit of live poker, especially at the most high profile event of the year.@WSOP needs to change this rule ASAP and ban the usage of solvers on the rail.
— Todd Witteles (@ToddWitteles) July 18, 2024
No solvers of any kind allowed in the tournament area.
Every player mic'd up and any conversation asking about past hands is penalized.
If it's limited to bathroom talk every break, no big deal. Constant checking on hands with the rail is the problem.
— Todd Witteles (@ToddWitteles) July 19, 2024