In der Welt des Live-Turnierpokers gibt es neben Preisgeldern, Titeln und Ranglisten eine eher stille, aber umso leidenschaftlicher verfolgte Disziplin: das Sammeln von Ländern, in denen man mindestens einmal „in the money“ gekommen ist – das Flag Hunting.
Sichtbar wird dieses besondere Hobby über die Flaggen, die bei jedem Cash in der Datenbank von The Hendon Mob angezeigt werden. Für manche Spieler sind diese Flaggen weit mehr als bloße Statistik – sie erzählen von Reisen, Planung, logistischer Präzision und dem Versuch, Poker wirklich global zu leben.
Ein Spieler, der dieses Konzept auf ein neues Level gehoben hat, ist der Niederländer Koen Roos. Ihm gelang es im Kalenderjahr 2025, in insgesamt 50 verschiedenen Ländern einen Turnier-Cash zu verbuchen. Damit stellte Roos einen neuen Jahresrekord im sogenannten FlagHunter-Ranking auf und übertraf die bisherige Bestmarke von 48 Ländern, die Dominick French im Jahr zuvor erreicht hatte. Entscheidend ist dabei, dass für jede Flagge tatsächlich ein Cash notwendig ist – reine Turnierteilnahmen zählen nicht. Jeder Eintrag steht also für ein gespieltes Turnier, ein überstandenes Feld und ein erreichtes Preisgeld.

Das FlagHunter-Ranking von The Hendon Mob unterscheidet zwischen Jahreswertungen und einer All-Time-Statistik. Während French mit 75 Flaggen weiterhin die Gesamtwertung über alle Jahre hinweg anführt, gehört Roos nun der Rekord für die meisten Länder innerhalb eines einzelnen Jahres.
Poker weltweit erleben
Genau darin liegt der besondere Reiz dieser Kategorie. Flaggen-Jäger suchen gezielt nach Turnieren in Ländern, die abseits der klassischen Poker-Hotspots liegen, und nehmen oft weite Wege auf sich, um einen neuen Eintrag zu erzielen. Das Ergebnis ist eine Form von Poker-Karriere, die weniger von einzelnen großen Scores lebt, sondern von Konstanz, Mobilität und Neugier. Für viele Spieler ist das FlagHunter-Ranking deshalb eine Art persönliches Langzeitprojekt.
DACH-Flaggenjäger
Aus DACH-Sicht hatten wir im Jahr 2025 auch ein paar Mitstreiter dabei mit dem Durchstarter Fabian Bartuschk aus Deutschland, der in der 2025 Jahreswertung mit 21 Flaggen Rang 3 (geteilt mit Dominick French) belegen konnte, mit dem Österreicher Andreas Fröhli, der mit 15 Flaggen Rang 6 belegte. Diesen Rang teilt er sich mit der Schweizerin Maureen Bloechlinger. Maureen schaffte es im letzten Jahr auch, die Top-Position für die Frau mit den meisten Flaggen (Rang 8 weltweit mit 38 Flaggen insgesamt) zu erreichen – eine Leistung, die schwer zu überbieten ist.

Das Flaggen-Sammeln auf The Hendon Mob ist damit weit mehr als eine Spielerei. Es macht sichtbar, wie international Live-Poker inzwischen geworden ist, und erzählt Geschichten, die über reine Gewinnsummen hinausgehen.
Jeder neue Länder-Eintrag steht für Planung, Risiko und den Versuch, an einem fremden Ort erfolgreich zu sein. Koen Roos’ Rekordjahr zeigt eindrucksvoll, wie viel Hingabe hinter dieser scheinbar kleinen Zahl an Flaggen steckt – und warum sie für viele Pokerfans einen ganz eigenen Reiz besitzt.