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Stephan Kalhamer. Gaming Institute. Deutscher Poker Sportbund. Mathematiker. Trainer. Autor. Speaker. Spieler. Und und und … Ganz ehrlich: ich kann gut verstehen, wenn sich da keiner auskennt.

Ich stehe all euren Fragen offen gegenüber, ohne Einschränkungen. In den kommenden 14 Tagen werde ich direkt hier im Kommentarbereich Rede und Antwort stehen. Schonungslos und ehrlich.

Die mir wohl am meisten gestellte Frage will ich dabei gleich vorweg nehmen. Sie begleitet mich, seit ich vor knapp 10 Jahren mein erstes Buch veröffentlicht habe:

„Warum spiele ich nicht professionell Poker, sondern rede nur schlau darüber“?

Das Wesen von Poker ist purer Wettkampf. Ich bin aber kein purer Wettkämpfer. Ich schätze neben dem Gegeneinander auch das Miteinander. Als diplomierter Mathematiker war ich zunächst in der Unternehmensberatung tätig, wo das Arbeiten in Teams mit gemeinsamen Interessen zentral ist. So genial das Pokerspiel auch ist, am Tisch bist du mit deinen Aufgaben stets allein – alles andere ist aus professioneller Sicht einfach nicht haltbar.

Ich habe großen Respekt vor allen, die willens und in der Lage sind, nachhaltig diesen einsamen Kampf aufzunehmen. Ich hingegen durchlief in den Phasen, in denen ich viel gespielt habe (v.a. Cashgame), immer die gleiche Gedankenfolge: Es war eine ganze Zeit lang super, einfach beliebig aufzustehen und zu jagen. Aber das blieb es nie. Ohne moralisch werten zu müssen, kam einfach immer die Sinnfrage auf: Was mach ich hier und wozu soll das gut sein?

Ich möchte nicht nur kämpfen und versuchen zu vernichten. Ich möchte auch etwas leisten, etwas weitergeben dürfen. Deshalb und nur deshalb begann ich über das für mich interessanteste Spiel der Welt zu schreiben und es anderen Leuten näher zu bringen. Dabei fühle ich mich nach wie vor wohl, gerade auch als Familienmensch und Vater.

Stephan Kalhamer

38 KOMMENTARE

  1. @Herr Kalhamer, etwas gar selbstverliebte Statements und Eigenlob in den höchsten Tönen. Glauben Sie, das nimmt Ihnen jemand ab? „Brillanter Mathematiker und ausgezeichneter Stratege – einer der besten Coaches, die D zu bieten hat“ sprechen Bände, genau wie Ihr obiger Text. Aber ich will niemand verärgern und wünsche Ihnen trotzdem viel Erfolg.

  2. hallo herr kalhammer,

    ich schätze ihre fähigkeiten sehr und freue mich über die möglichkeiten, die sie durch diesen post bieten, obwohl mein analytisches verständnis mich glauben lässt, dass viele beiträge nicht die mögliche chance ergreifen, sondern in eine andere richtung abzielen werden.

    zu meinen fragen:

    1) „das game ist nicht zu schlagen“
    eine aussage, die häufig getroffen, aber nicht analytisch dargestellt wird. können sie hierzu detaillierter eingehen? z.B. in welchen varianten, welchen limits, welches rake, etc. sich eine konstellation ergibt, bei der sich ein langfistiges +EV nicht einstellen kann. wie analysiere ich ein game dahingehend, ob es „geschlagen“ werden kann oder nicht.

    2) der glücksfaktor
    wie bewerten sie den glücksfaktor einzelner varianten. mir ist klar, das dieses nicht auf eine fixe prozentzahl festgelegt werden kann. interessant ist aber, in welchen bereichen sie diesen faktor bei den unterschiedlichen varianten ansiedeln und wie sie diesen jeweils bestimmen.

    vielen dank für ihre bemühungen. weitere fragen werden bestimmt noch folgen.

  3. @Theoderich: Es ist richtig, dass die mir zugewiesenen Attribute über meinen Texten Eigenlob wären; wären sie denn von mir. Sind sie aber nicht. Man sollte mir bitte nur meine Texte vorwerfen und von mir aus auch, dass ich nicht aktiv gegen meine allzu positive Darstellung einschreite. Speziell dafür bin ich aber bereit gerade zu stehen: Superlative liegen nun mal im Wesen öffentlichen Arbeitens. Nie wird man von mir Aussagen wie die zitierten hören. Ich habe mich noch nie von extremen Darstellungen blenden lassen. Ich weiss, was ich kann und auch wo Grenzen sind. Eine Nachricht aber wird immer extrem sein, sonst ist es medial gesehen keine. Ich bin weder so gut wie ich manchmal dargestellt werde, noch so schlecht oder eitel wie Sie (lieber wäre mir ein legeres Du) es offenbar glauben.

  4. @Seti (1/3): Zuerst herzlichen Dank für deine wirklich sehr gelungene Einleitung. Sie spricht die schwierige Flame-Problematik sehr geschickt an.

    Ich wollte schon lange mal einen solch offenen Text veröffentlichen, einfach um evtl. Fragen konstruktiv zu klären. Dass dabei quasi zwangsläufig unschöne Nebengeräusche entstehen werden, hat mich bisher (neben der Scheu vor dem entstehenden Aufwand) immer abgehalten.

    Jetzt aber nehme ich mir mal die Zeit. – Ein Beitrag wie der deine entschädigt bereits präventiv für vieles, was da noch kommen mag… 😉 Ich werde mir zu deinen beiden Fragen Gedanken machen und sie übers Wochenende beantworten.

    Bis die Tage
    Stephan

  5. Ich lese hier auch in den Handanalysen eigentlich immer auffallend Gutes und Durchdachtes von Seti! Willst Du nicht mal selbst was schreiben über Poker oder hier n Artikel posten? Hab zwar nix zu melden bei Pokerfirma aber wenn ich „die“ wäre kaufte ich Dich ein 😉
    Bin gespannt auf Stephans Antworten auf Deine Fragen! (Mit solchen Tiefgreifenden hätte er wohl nicht gerechnet und muss jetzt erstmal 40h in den Konzentrationstunnel 😉

  6. hallo Zinedine02,

    vielen dank! für deinen post, das motiviert sehr.

    tatsächlich habe ich schon mal über eine freelancer tätigkeit nachgedacht und auch tätigkeiten für pokerfirma angeboten. leider ist eine rückmeldung seitens der redaktion ausgeblieben.

    http://www.pokerfirma.com/Pokerforum/topic/hands-posten-redaktion

    kovis handanalysen werden hier immer sehr intensiv und sehr gut diskutiert, sodass ich hoffnung habe, dass der bereich strategie im forum deutlich mehr leben eingehaucht werden kann.

    ich werde deinen post zum anlass nehmen, die redaktion nochmal direkt zu kontaktieren.

  7. @Seti zwecks „das game ist nicht zu schlagen“ (2/3): Du hast das Thema spannend erläutert. Du wünscht eine komplexe Analyse, sonst hättest du nicht so detailliert zwischen verschiedenen Einflussfaktoren unterschieden.

    Ich gehe da wie folgt ran: Um zu entscheiden, ob ein Spiel für mich schlagbar ist, interessiert mich einzig, wie relevant ich den Unterschied zwischen meiner Entscheidungsqualität und dem zu erwartenden gegnerischen Verhalten einschätze.

    Ups, das muss ich wohl noch erläutern. 😉 Ich bin noch nicht sicher, ob der Satz schon so stehen bleiben kann, aber er gefällt mir schon ganz gut. Denk(t) bitte auch mal ein wenig über ihn nach, evtl. werden wir ihn noch verbessern. Mal sehen. 😉

    Für hier und jetzt bin ich damit zufrieden, seine zentralen Bausteine knapp zu erläutern:

    1. Ich benutze den Ausdruck „meine Entscheidungsqualität“ nicht weil ich mich überhöhen will, sondern weil zur gefragten Bewertung herauszustellen ist, ob das Spiel „gutes Entscheiden“ überhaupt zulässt. Ein Glücksspiel tut das nicht. Deepe Stacks und flache Strukturen tun das im Allgemeinen ausgeprägter als etwa Hyperturbos.

    2. Ich benutze den neutralen Ausdruck „gegnerisches Verhalten“ nicht abschätzig, sondern weil es für Edge-fragen entscheidend ist, ob die Gegner sich mühen (wollen) oder eher weniger… Manche PLO Partien oder gerade auch Spin&Gos sind insbesondere deshalb enorm schlagbar, weil da oft pure Spielfreude und Witzigkeit herrscht… 😉

    3. Ich benutze den Ausdruck „wie relevant ich den Unterschied einschätze“ um auszudrücken, dass auch vorhandenes Edge (und damit die eigentlich gegebene Schlagbarkeit) entweder von zu großem Rake oder aber durch zu wenig Volumen pro (Zeit)aufwand bis zur Sinnlosigkeit (nach Stundensätzen) aufgeschmolzen werden kann.

    Fazit: ein Spiel wird von mir mit „sinnvoll schlagbar“ bewertet, wenn ich durch einen positiven Unterschied zwischen eigener Leistung in Relation zur gegnerischen Leistung häufig genug groß genug Vorteile zu erringen glaube, um mir die Reibung des Hauses und den eigenen zeitlichen Aufwand leisten zu wollen.

    Wieder kein leichter Satz. Sorry, aber es ist auch eine komplexe Materie. Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen, indem ich die zentralen Elemente beim Namen nenne und sie miteinander in Beziehung setze. Der Rest wird immer im Bereich persönlicher Abschätzung bleiben: Was soll einem eine Stunde Poker wert sein? Zum Glück wollen gar nicht alle wirklich gewinnen. Manch einer zahlt gerne für gute Unterhaltung – und dafür sollte man auch wieder mehr Respekt und Einsicht gewinnen.

  8. @Seti zwecks „Glücksfaktor“ (3/3): Auch hier ist das Thema wirklich sauber eingeleitet. Mir ist klar, worauf du hinaus willst. Es sind die großen Fragen… 😉

    Da kann man nicht mit einem exakten Ergebnis antworten. Ich kann dir aber gerne antworten, wie ich mit dieser Frage umgehe.

    Das Thema hängt mit unserem eben angesprochenen Thema zusammen: irgendwo geht es auch wieder um die Relevanz eines Vorteils. Wie schnell und dabei wie deutlich oder zumindest wie „sicher“ bringe ich einen gegeben Vorteil real aufs Eis?

    Es ist eigentlich gar nicht so schwer, das sauber abzuschätzen. Es ist doch so: Ohne Varianz weiss der Unterlegene direkt, dass er unterlegen ist. Das kann der Überlegene nicht gut finden. Mit Varianz gewinnt der Überlegene zwar irgendwann sicher, aber es nervt eben, wenn es dauert…

    Man braucht also genügend Varianz, damit das Spiel auch Spaß macht, obwohl es langfristig aussichtsarm ist. Dazu braucht es eine enorme Iterierbarkeit. Dann greift das Gesetz der großen Zahlen und Gewinner gewinnen auch tatsächlich (und nicht nur nach Erwartung)…

    Aktuell sehe ich folgende Szenarien als recht interessant: Massgrinding Zoom in mindestens einem Level unter der eigenen Spielklasse. Massgrinding Spin&Go. PLO Ring Games, online wie live.

    Zu letzterem werfe ich noch folgenden Gedanken in die Runde: PLO wird immer mehr Varianz nachgesagt als NLH. Ich bezweifle das. Ja, man hat im PLO Showdown im Schnitt weniger Vorteil, aber dafür geht es da auch öfter rein! Auf den Tag gesehen gleichen sich die Showdowns somit leichter aus…

  9. @stephan

    zu allerst einmal vielen dank für die antworten.

    ich reflektiere hier nur kurz, bin aber an einer vertiefung sehr interessiert und werde mir auch weitere gedanken dazu machen.

    zu 2/3 „schlagbarkeit“
    die antwort gefällt mir sehr gut und intuitiv hat sich mein pokerspiel(en) in der vergangenheit auch entsprechend angepasst. ich teile hier deine einschätzung voll und ganz. erstaunlich ist auch die übereinstimmung bezüglich spin&gos. obwohl häufig als nicht schlagbar deklariert (überwiegend pizepool von 2/3 buy-in bei 3 playern) ist trotz der hohen varianz aufgrund des schnellen formats, bei mir sehr deutlich die „schlagbarkeit“ des formats erkennbar.

    zu 3/3 glücksfaktor
    der zusammenhang zu 2/3 ist bewusst gewählt und sollte auch für eine vertiefung von 2/3 dienen. ein exaktes alleingültiges ergebnis, eine fixe zahl, kann man hierfür nicht definieren. und doch sehe ich möglichkeiten parameter festzulegen (z.B. spieler A spielt eine optimale strategie, spieler B weicht von der optimalen strategie ab), um ranges für den glücksfaktor zu bestimmen. auch können hier modelle (AKQ-game) als anschauungsmaterial hilfreich sein, um lösungsansätze zu entwickeln.

  10. Hallo Stephan,

    meine Frage ist weniger mathematisch sondern spricht eher die emotionale Seite von Pokern an:

    Was rätst Du Deinen Schülern oder allgemein Spielern, die Emotionen von diesem Spiel oder Konkreter von irgendwelchen Handverläufen abzukoppeln?

    Konstellationen wie zum Beispiel in kurzer Zeit 3 große Pötte zu verlieren mit sehr starken Händen gegen Runner Runner Bottom Trips bei gefloppten Top2 o.ä.

    Wenn ich mich dafür entscheide, nach solchen Suckouts die Live-CG-Session weiter zu spielen, merke ich einfach, wie Spielentscheidungen eine zeitlang unscharf werden.

    Der „Future EV“ der von solchen Spielern natürlich zu generieren ist, sollte einen eigentlich freuen und geduldig auf die nächste Situation warten lassen… nur hilft das oft in der aktuellen Situation nicht.

    Schönes Wochenende!

  11. @zinedine02

    dies entbindet stephan nicht von seiner antwortpflicht, die er auch sehr gerne wahrnimmt 😉

    zu der emotionalen seite beim pokern

    zunächst sollte man 2 fälle unterscheiden: „frust“ und tilt. deine beschriebene reaktion das „Spielentscheidungen eine zeitlang unscharf werden“, kann der kategorie frust zugeordnet werden. je nach persönlicher mentalitiät kippt das ganze früher oder später zum tilt, der sich z.B. daran festmachen lässt, dass man bereit ist unabhängig von der hand pre zu pushen, einfach weil es ja sowieso egal ist welche hand man hält.

    bei tilt sollte man im CG sofort aufhören. alles andere ist geld verbrennen. je nach mentalität ist es eventuell auch erforderlich mehrere tage nicht mehr poker zu spielen. im turnier kann es helfen den tisch zu verlassen und z.B. für ein paar minuten an die frische luft zu gehen. was einem hilft „runterzukommen“ muss jeder für sich herausfinden. ich selbst kenne kein tilt, da ich jedes ergebnis einer hand sehr rational aufnehme und 95%iger favorit sind eben keine 100%.

    frust und damit verbundene schlechtere entscheidungen kenne ich auch. ich nehme dann „fahrt raus“ aus meinem spiel bin in deutlich weniger hände involviert und spiele vermehrt spots in denen nur einfache entscheidungen kommen. potcontrol mit der absicht den pot klein zu halten sorgen dafür, dass ich keine weiteren grossen pötte verliere. ich versuche also in den folgenden händen nicht mehr +EV zu maximieren sondern gebe mich auch damit zufrieden, wenn ich die hand überhaupt gewinne. lines so zu wählen, dass man +EV wieder maximiert stellt sich von alleine wieder ein, da man ja die gespielten hände analysiert und so an die gegner wieder adapted.

    • @Seti – das muss aber an Deinem Computer/Dir liegen, Kommentare wurden nicht von unserer Seite abgelehnt. Aber vielleicht versuchst du es mit einer richtigen Email-Adresse, könnte mir vorstellen, dass das Programm da nen Filter drinnen hat 🙂

  12. bestimmt jetzt schon der 7 versuch des postings

    hallo stephan,

    der übersicht wegen führe ich eine nummerierung ein.

    frage 4-seti
    als ausgangssituation nehme ich einen spieler mit mehrjähriger erfahrung, der sich bereits viel wissen angeeignet hat und auf seinen limits erfolgreich spielt. die spielverbesserung hat also lange nicht mehr den gradienten wie zu beginn der „karriere“, als man das wissen noch aufgesaugt hat.

    andere merkmale eigenschaften etc. ausgenommen interessiert es mich, wie du als coach die optimale verteilung (prozentualer zeitlicher aufwand) der folgenden faktoren siehst:

    – poker spielen
    – eigene hände selbst analysieren
    – pokerbücher lesen
    – sich mit anderen spielern austauschen

  13. @zinedine02 (und Seti) zwecks Tilterei. Auch wieder eine gleichzeitig komplexe wie entscheidende Frage auf die es natürlich keine abschließende Antwort geben kann.

    Mir haben drei Dinge geholfen, wenig Probleme mit Tilt oder allgemeiner mit „schwachen Nerven“ zu haben.

    1. Ich weiss, was ich tue.
    2. Ich verantworte, was ich tue.
    3. Ich tue das alles schon sehr lange.

    Zu 1.: Wenn ich pokere investiere ich freiwillig in ein feindliches Umfeld. Das ist meine Definition für meine Tätigkeit am Tisch: ich investiere freiwillig in ein feindliches Umfeld. Wenn man sich darüber mal ordentlich Gedanken macht, dann bleibt von vornherein kein Platz für Tilt. Wie heftig ist es denn bitte, freiwillig in ein feindliches Umfeld zu investieren? Ja, weiss ich denn nichts besseres? Nein. Ich WILL pokern und deshalb gibt es auch nichts zu jammern. Es ist die einzige Aufgabe meiner Gegner, mir auf den Zeiger zu gehen. Es ist meine Aufgabe, das nicht zu zu lassen. Egal wer wann was tut: Ich sehe es immer unter dieser Prämisse und kann deshalb nicht mehr leiden als ich von vornherein bereit war als ich mich an den Tisch setzte. Weiter gibt es keinen Grund, warum ich „es irgendwie besser verdient haben sollte“; denn wenn ich kann, dann nehme ich als Pokerspieler jedem zu jedem Zeitpunkt alles weg. Das ist spielerisch ebenso klar wie es social unverträglich ist! Fazit: wer auszieht um zu rauben, soll nicht flennen, wenn er beraubt wird. Poker ist kein Ponyhof. Geh also mutig in die freiwillig gewählte Schlacht oder bleib eben zu Hause – und gut ist.

    Zu 2.: Ich habe noch nie in meinem Leben um etwas gespielt, was ich nicht zu 100% bereit gewesen wäre zu verlieren. Wer sich daran aufrichtig hält, der hat es auch nicht so schwer, wenn mal ein Einsatz oder auch mehrere baden gehen. Das liegt in der Natur der Sache, siehe (1.).

    Zu 3.: Irgendwann hast du einfach alles überlebt und bist auch jeden traurigen Tod gestorben; du magst einfach nicht mehr wegen Dingen rumheulen, die einfach nur normal sind. Zu meinen quantitativen Hochzeiten im SnG-Bereich habe ich Frequenzen gespielt, die alle 2 Minuten top-favoristierte All Ins abwerfen. Bekommst du aber erstmal alle 2 Minuten die Asse (oder die Könige oder auch die Damen) groß rein, dann bist du halt auch alle 10 Minuten dran, bekommst sie aus-ge-suckt und glaubst es nicht… Es füllt sich jede Stunde wieder so an, als ob alles gegen dich ist. Aber das ist nur Unfug. Der Tag, an dem du keinen Bad Beat mehr bekommst, ist der Tag, an dem du nicht mehr vorne warst. Punkt – und gut ist. 😉

    Kurze Anmerkung noch für Seti: Dass du nach einem Bad Beat tighter spielst, ist eine verständliche Aussage. Sie macht Sinn, ist aber vom Naturell her die gleiche Lösung wie eine Weile auszusetzen. Letztlich bedeutet es, dass du nach einem Beat etwas taumelst, das wahrnimmst und dich für diese Zeit selbst besonders disziplinierst. Das ist ok so. Noch besser aber wäre es selbstredend, erst gar nicht zu taumeln… Nimm das aber nur als nett gemeinten Hinweis für deine langfristige Entwicklung. Es muss immer Ziel bleiben, so selten als möglich zu tilten. Dass man dieses hohe Ziel nie perfekt erreichen kann, ist klar. Dennoch ist und bleibt es das stets anzustrebende Ideal. Ein guter Grund weiter zu pokern und dabei auch selbst zu reifen.

  14. @Seti zwecks Aufwandsverteilung: Was man in eine Sache „optimal“ reinstecken sollte, hängt auch immer davon ab, was man „optimalerweise“ rausziehen möchte. Auch beim Output gibt es „Zielkonflikte“ z.B. zwischen Stundensatz, Spaß und Investition. Hartes Massgrinding etwa optimiert die direkten Stundensätze, macht aber wenig Laune und bringt auch kaum (denkerischen) Fortschritt…

    Ich für mich spiele gerne, denke aber noch lieber darüber nach. Ich kann ehrlich gesagt nicht wirklich sagen, in welchem Verhältnis man generell seine Zeit aufteilen solltest. Ich weiss nicht, wie viel Zeit etwa du hast, welches Geld du wie schnell besitzen möchtest oder was du dir durch das Spiel aufbauen möchtest. Ich höre da bei meinen Kunden immer sehr genau hin und gebe im Rahmen meiner Einzelcoachings einen persönlichen Rat. Das ist nicht ohne und bedeutet große Verantwortung auf meiner Seite, welche ich entsprechend respektiere und mir somit stets gut überlege wie ich wem antworte…

    Ich will dir dennoch antworten: Alles über einen Kamm geschoren, meine ich, dass das Spiel selbst gute 50% einnehmen sollte. Denn für die meisten bleibt das Spiel der echte Driver – und den sollte man nicht durch zu viel „Arbeit“ darben lassen. Denn man ist immer nur wirklich gut in einer Sache, wenn man sie liebt; ein Stück weit wörtlich „Amateur“ bleibt. Bücher werden mit zunehmenden Fortschritt mehr und mehr Dialogen mit anderen guten Spielern weichen. Den sich wandelnden Mix aus diesen beiden Faktoren sehe ich in etwa so stark wie den letzten deiner Punkte, die Eigenanalyse.

  15. hallo stephan,

    zur abwechslung mal eine gewünschte handanalyse, von einer hand, die ich zwar schon mit vielen diskutiert habe, bei der mich aber natürlich die meinung von dir als professionellen coach interessiert.

    spieltheoretisch broke gehen vs. Überlebensstrategie

    folgende hand hatte ich bei der EPT in berlin 2013.

    buyin: 5300€, start-dotation 25k
    tag 1B, ca. 5h gespielt, also weit weg von ITM
    am tisch nur unknown, viele sehr loose und in den ersten stunden häufig multi-handed auf dem flop.
    CO: deutscher, 25-30j, sehr häufig activ steals, weaker player, sehr hoher VPIP, hat 1x bluff von mir auf river mit 2P gecallt
    BU: russe, 20-25j, bisher unaufällig, tendenziell ABC-player, eher tight, bisher keine hände gezeigt
    SB: rumäne, 30-35j, sehr tight
    BB: ich, loose agressive, 1x erwischt mit bluff auf river, mehrere folds, einige hände ohne SD gewonnen

    blinds 100/200 ante 25

    pot pre 550, es wird zum CO gefoldet
    CO: ~18k, OR auf 525
    BU: ~28k, 3bet auf 1,6k
    SB: fold
    BB, hero: ~22k, 4bet mit KK auf 4k
    BU hatte bisher selten gegen die steals von CO defended, wenn dann meist agressiv. CO hat hier eine sehr große range, gegen die BU auch lighter defenden kann. mit meiner 4bet erwarte ich von CO fold, von BU fold oder call.
    CO: fold, wie erwartet
    BU: 5bet auf 11k
    das grenzt die range natürlich erheblich ein. ich gebe ihm hier max QQ+, AKs. trotdem ich vorher schon wußte, das ich auf eine 5bet pushe, gehe ich seine range in gedanken durch:
    AA: da ich als LAG häufig steal+call angreife, kann er erwarten, dass ich die für ihn wünschenswerte action bringe und deshalb einfach callen. auch falls nach ihm gefoldet wird, kann er mit der FCB (und dadurch value) von CO rechnen. wenn auf sein re-raise alles foldet, bekommt er für sein AA keine auszahlung. trotzdem muss ich AA natürlich in seine range packen, aber vielleicht 0,5-1,5 (avg. also 5 remaining) combos discounten (als wahrscheinlichkeit).
    KK: ist sehr unwahrscheinlich, 1 combo, und würde ja split (normalerweise) bedeuten.
    QQ: für mich am wahrscheinlichsten, da 6 combos, hier bin ich klarer favorit.
    AKs: hätte vermutlich eher gecallt, aber wer weiß. auch hier bin ich favorit.

    aufgrund der range die ich ihm gebe und der tatsache, dass schon reichlich chips im pot sind pushe ich natürlich. er snapcallt und zeigt AA. meine 18% EQ reichen nicht und ich buste also nach etwa 5h. ich würde es auch immer wieder so machen, obwohl das ergebnis natürlich frustet.

    ich sehe (in diesem speziellen spot) keine möglichkeit nicht broke zu gehen. und du?

    es ist imo nicht schlecht gespielt, trotzdem interessiert es mich, ob man hier überlebensstrategie höher wichten sollte. in meinen geshippten turnieren (oder zumindest top 3) habe ich immer wieder spots gehabt, wo ich durch reduced risk vermeintlich value liegen lasse, vielleicht hero-folds gemacht, aber letzendlich gewonnen habe.

    über deine beuteilung der hand und mögliche optionen würde ich mich sehr freuen .

  16. @Seti zwecks Handanalyse. Ich lasse da mal etwas Zeit vergehen. Evtl. gibt es ja weitere Meinungen dazu. Wir sollten ohnehin sehen, ob wir beide nicht auch gleich einfach zum taktischen Briefwechsel übergehen könnten… 😉

    Mein Ausgangstext hatte die Intention, klar Stellung zu immer wiederkehrenden, teilweise doch recht schrägen Vorstellungen über meine Projekte oder auch direkt mich als Person (oder Spieler oder was auch immer) zu beziehen.

    Öffentliches Coaching (wie wir es hier machen), kann man dabei schon auch machen, aber alles hat seine Grenzen. Ich hoffe du verstehst das so wie es gemeint ist: offen und fair.

  17. hallo stephan,

    es gehört zum naturell eines guten pokerspielers, dass er seine ziele priorisiert. 😉

    „ob wir beide nicht auch gleich einfach zum taktischen Briefwechsel übergehen könnten“

    die idee mit der kolumne stammt von dir… 🙂
    ich hätte auch ein 14-tägiges privat coaching akzeptiert.

  18. @Seti

    Vielen Dank für Deine Antwort, die hilfreich ist! Ich denke, das ist ein sehr guter Ansatz und unmittelbar umsetzbar. Konsolidierung des Spiels und auch des Stacks über einfach spielbare und kleinere Pötte und anschließend wieder Zurückfinden zum eigenen Spiel. So ähnlich bei mir auch schon so gelaufen, nur eben noch nicht richtig bewußt oder systematisch.

    @Stephan

    Auch Dir vielen Dank für Deine Antwort und Deine Sichtweise. Deine Einstellung sehe ich dabei eher hilfreich zur Tiltprävention und Setis Gedanken als unmittelbar umsetzbar wenn der Tilt droht oder schon ein bisschen da ist…

    Auf jeden Fall beiden vielen Dank!

    @Stephan

    Du schriebst:
    „Mein Ausgangstext hatte die Intention, klar Stellung zu immer wiederkehrenden, teilweise doch recht schrägen Vorstellungen über meine Projekte oder auch direkt mich als Person (oder Spieler oder was auch immer) zu beziehen.“ Aus dem Ursprungstext ging das jetzt nicht sooo exklusiv draus hervor.

    Wenn ein Pokercoach hier anbietet, 2 Wochen lang jede Frage zu beantworten, ist nachvollziehbar, dass sich die meisten Fragen um Deine ureigenste Expertise die Dich in der Szene bekannt gemacht haben, drehen: Pokercoaching.

    Aber wenn ich Dich jetzt richtig verstanden habe, möchtest Du gerne hier nun auch mit denen diskutieren, die Dich in Deinen Texten scharf kritisieren.

    Mir ist das hier und da auch aufgefallen. Ich würde diese Leute ehrlich gesagt einfach ignorieren. Antworte diesen Leuten da, wo die Kritik sachlich begründet ist aber das meiste ist doch einfach nur erbärmliches Herumgenöle.
    Wer sich hier exponierter äußert und für die Pokerallgemeinheit wie eben Du oder zB Kovi oder xflixx in den Handanalysen, oder für das Pokeramusement wie Udo Gartenbach verdient macht, wird einfach von mehreren „Teilnehmern“ aus der Netzanonymität heraus unnötigerweise angepflaumt.

    Und abschließend noch eine Frage an Dich als Präsidenten des Deutschen Poker Sportbundes, den ich als Pokerinteressierter nur wenig wahrnehme (den Verband).
    Ich verstehe den DPSB vor allen Dingen als Interessenvertreter und Superorganisator von Vereinen, die um Ranglistenpunkte spielen und um Poker in der Öffentlichkeit aus der verruchten Ecke herauszuholen, und auch in der Öffentlichkeit als Mindsport dastehen zu lassen. Habt Ihr schon Erfolge diesbezüglich nachzuweisen? Was habt Ihr noch auf der Agenda? Wann kann ich meinen Kollegen offen sagen, dass ich an Tag x nicht kann, weil ich Poker spielen gehe ohne merkwürdig angeschaut zu werden? 😉

  19. @ seti: >100BB in KK fürs turnierleben riskieren? bei der action pre? wow. hattest du echt so nen starken read, dass er dir hier nich die rockets zeigt? 😛
    ich finde hier locker den fold. ggf. sogar den open-fold, um ihm meinen read dick unter seine luckbox nase zu reiben 😀

  20. Insb. @zinedine02 zwecks Textintention: Deine Zeilen freuen mich sehr. Es ist groß von dir, dass du dir die Mühe dafür gemacht hast. Seit Jahren reagiere ich auf irgendwelche Witzigkeiten wie von dir vorgeschlagen: nämlich nicht.

    Da mich aber gerade im Zusammenhang mit meinem jüngsten Text „Peers Politpoker“(http://www.pokerfirma.com/news/peers-politpoker/367088) sehr viele sehr angetane Meinungen erreicht haben und diese fast durchwegs irritiert nachgefragt haben, „was denn bitte mit den Kommentaren auf pokerfirma los ist“, will ich nun hier ein Forum bieten, um gebündelt Rede und Antwort zu stehen.

    Denn es ist insb. einfach schade für die Entwicklung von Poker, wenn interessierte und offene Leute allein durch den Unsinn einiger weniger einen falschen Eindruck von uns Pokerspielern gewinnen. Man kann (leider) nicht immer nur schweigen, wenn einzelne Unqualifizierte laut sind/geben. 😉 Genau das führt dann nämlich in eine negative Spirale, die wir insb. mit dem DPSB genau umgekehrt kreieren wollen…

  21. @zinedine02 zwecks DPSB bzw. „Wann kann ich meinen Kollegen offen sagen, dass ich an Tag x nicht kann, weil ich Poker spielen gehe ohne merkwürdig angeschaut zu werden?“: Ja, genau darum geht es! „Poker in der Öffentlichkeit aus der verruchten Ecke herauszuholen und (…) als Mindsport dastehen zu lassen.“

    Als wir vor fast 7 Jahren den Deutschen Poker Sportbund e.V. (DPSB) gegründet haben, haben wir uns z.B. das auf die Fahnen geschrieben. Es hat sich viel getan. Leider bei weitem nicht genug. Wir haben Nachhaltigkeit und Seriosität erlangt, indem wir einfach sauber und kontinuierlich unser Ding gemacht haben. Unsere größte Schlagzeile ist dabei wohl, dass es über die ganze Zeit keine gab. Dieser Satz ist mir todernst. Er ist super zweischneidig.

    Denn ich halte es zum einen tatsächlich für ein großes Verdienst des DPSB, dass wir uns trotz enormer insb. finanzieller Schwierigkeiten frei von negativen Schlagzeilen etabliert haben und ich heute mit dem Wert „Tradition“ im Gepäck des DPSB an Wirtschaft und Politik herangehen darf.

    Zum anderen ist es einfach nur super schade, dass es uns nie gelungen ist, in irgendeiner Form einen großen positiven Sprung zu machen. Wir haben uns mehrfach auf Europas größter Jugendmesse YOU direkt auf der Mindsportinsel (und z.B. unmittelbar neben dem Polizeistand) präsentiert. Wir sind da z.B. kritischen Lehrer- oder Elternfragen konstruktiv Rede und Antwort gestanden und haben z.B. die Werte verantwortlichen Risikokalküls am Pokertisch erläutern können. Wir haben Pokersparten in klassischen Breitensportvereinen aufgemacht. So gibt es aktuell mit Arminia Hannover (amtierendes Meisterteam des DPSB), Piranhas tus Berne Hamburg, dem SV Burgweinting und (jetzt neu) HSV Insel Usedom vier Vorzeigevereine im Bundesgebiet, die neben Fußball oder Tennis auch Pokersport im Angebot listen.

    Positive Anreize haben wir so einige gegeben. Der Funke mag aber nicht so recht überspringen. Da schließt sich leider ein großer Kreis: Es verhält sich hier nämlich ganz analog der oben angerissenen Flame-Problematik. Es gibt viele, die leise wartend gut finden, was wir machen. Das freut uns. Es gibt einige wenige, deren einziger Beitrag zur Entwicklung Kritik ist. Und es gibt nur sehr wenige (evtl. leider zu wenige), die willens und in der Lage sind, so mit anzupacken, dass das Ding endlich mal Luft unter die Flügel bekommt.

    Abschließend belege ich meine Aussagen noch mit einer knappen Linkauswahl kommerzieller wie nichtkommerzieller Beispiele, deren gemeinsamer Nenner der Versuch ist, Poker in seinen Werten zu transportieren:
    http://m.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Insulaner-pokern-sich-ins-Viertelfinale
    https://www.dpsb.org/aktuelles-dpsb/171-der-dpsb-gratuliert-seinen-meistern-2015.html
    http://www.trendyone.de/ulm/news/newsmeldung/zahler-zocken-koenner-kalkulieren.html
    http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Stephan-Kalhamer-lockert-den-Mathe-Unterricht-auf;art1158544,3545910
    http://www.thinking-networks.de/de/nachbericht-thinking-foward-forum/
    https://www.dpsb.org/aktuelles-dpsb/163-der-dpsb-zeigt-sich-auf-der-you.html

  22. @seti (und auch @Ashes) zwecks KK<AA@eptME: So wie beschrieben gehe ich hier (im Gegensatz zu z.B. Ashes) broke. Denn ich glaube, dass du, seti, deine Einschätzungen gut getroffen hast. Diese sprechen eine klare Sprache und du weisst das auch. Dennoch nimmst du dir (wohl) aufgrund der Wichtigkeit des Pots sowie der gleichzeitig vorliegenden Nichtigkeit von Geschwindigkeit/Glaubwürdigkeit (der Gegner ist eh commited) noch einen Moment der Ruhe und überdenkst deine an sich schon bei deiner 4-Bet getroffene Entscheidung. Es bleibt dabei und du gehst rein. Alles gut.

    Sollte es tatsächlich „Fehler“ geben, dann sicher nicht direkt in der Hand. Ich sehe insb. folgende Aspekte, die du für dich abklopfen solltest, ehe du dir (nach über 2 Jahren!) endlich vollends vergeben kannst und solltest. 😉

    1. Bist du in den Augen deiner Gegner auch wirklich als LAG wahrgenommen? Wenn nicht, dann geht Selbstbild und Fremdbild auseinander. Es zählt nur das Fremdbild.

    2. War dein Gegner überhaupt in der Lage, dein (realistisches, siehe 1.) Bild wahrzunehmen und dazu auch spielerisch darauf zu adapten? Wenn nicht, spielt auch das Fremdbild keine Rolle.

    3. Wie gut ist deine Gegnereinschätzung im allgemeinen? Nach 5 Stunden Spiel schreibst du folgendes über die drei Spieler direkt rechts von dir:
    – CO: deutscher, 25-30j, sehr häufig activ steals, weaker player, sehr hoher VPIP, hat 1x bluff von mir auf river mit 2P gecallt
    – BU: russe, 20-25j, bisher unaufällig, tendenziell ABC-player, eher tight, bisher keine hände gezeigt
    – SB: rumäne, 30-35j, sehr tight
    Ich mag deiner Einschätzung glauben, weil sie fundiert und dabei nicht die eigenen Readingskills überschätzend klingt. Für die Entscheidung ist deine Button-aussage damit dahingehend relevant, dass sie weniger Luft in Richtung „isolierte Asse“ als Range als Luft in Richtung „weitere Range als QQ+,AK“ lässt. (Du hast das eh auch gut beschrieben in deinem Text.)

    4. Wie solide ist dein Mindset? Wer ein 5k Turnier spielt, muss einfach sauber wissen, dass er 5k verlieren kann – und das sogar unabhängig der eigenen Spielstärke in hoch favorisierter Weise. Er sollte sogar wissen, dass er in Wahrheit etwa 7k verliert, wenn man seine Zeit, zusätzliche (Reise)Kosten und auch den ein oder anderen Moment des nun mal zu erwartenden häufigen Ärgers mit reinnimmt. 😉 Spätestens dann ist aber Schluss. Oder sollte es sein: Zwei Jahre später noch mit einer Hand zu hadern, die spieltaktisch relativ standard ist, solltest du dir nicht antun. Versuche das mal ebenso fair und analytisch wie deine sonstigen Entscheidungen zu bepreisen. Was dann raus kommt, wäre ein nicht zu schlagendes Spiel, weil dich die Niederlagen einfach zu sehr belasten… Um es mit Olli Kahn zu sagen: Mund abwischen. Weiter machen.

  23. @seti: deine Bitte um Antwort zur Hand im Forum habe ich leider zu spät gelesen, war schon am tippen… Ich will aber ehrlich gesagt auch eh nicht auf mehrere Kommunikationsorte verzweigen, versuche hier zu leisten, was gut und gerne zu leisten ist. 😉

  24. hallo Stephan,

    danke für die antwort! der verweis auf das forum war nur, um nicht in dieser kolumne eine breitere diskussion über diese hand zu initiieren.

    an deinen aussagen erkennt man sehr gut den unterschied zu den analysen guter spieler und der eines proffesionellen coaches. dies habe ich auch als gelegenheit angesehen und zu nutzen versucht. ich nehme hierbei besonders mit, dass ich mich nicht mehr mit der hand beschäftigen muss (sollte), sondern mich wieder ausschliesslich auf meine ziele fokussiere.

  25. @seti
    spieltheoretisch broke gehen vs. Überlebensstrategie

    Diese Frage hättest du vor Ort beim EPT main selbst ganz leicht (richtig) beantworten können…

    Anhand der Ausgangssituation und der Spielertypbeschreibung musst Du BU zwingend auf
    AA oder AKs setzen und das heißt mit KK spieltheoretisch 41,6 % gegen 57,7 % gewinnchance… und mit 18K rest
    ganz klar >>> F O L D

  26. nochmals die bitte: postings zu der EPT-hand bitte
    hierhin

    http://www.pokerfirma.com/Pokerforum/topic/handanalyse-ept-main-event

    und nicht in diese kolumne. hier geht es um Stephan Kalhammer und eure fragen an ihn.

    @Stephan

    man könnte meinen, dass du mit deinen sonstigen aufgaben ausgelastet sein solltest. die aufgaben für den DPSB nehmen vermutlich sehr viel zeit in anspruch und sind aufgrund der aufgabenstellung vermutlich auch sehr aufreibend.

    warum tust du dir das an?

  27. @seti zwecks „warum tust du dir das an?“: Ich bin offen gesagt nicht sicher, ob deine Frage in Richtung DPSB oder in Richtung meines Beitrags hier geht. Witzigerweise muss ich aber nicht erst nachfragen, denn meine Antwort fällt wohl ohnehin recht identisch aus, nämlich so:

    Das ist die schwierigste Frage bisher. Ich denke nämlich sehr viel darüber nach, was ich aus welchem Grund oder für welches Ziel machen will – und dann auch mache…
    (Mich so zu verhalten, hat mich insbesondere der Pokertisch gelehrt.)

    Ich glaube wohl einfach, dass das Spiel und die involvierten Leute es verdienen, die mir möglichen Hebel so „gut“ als möglich einzusetzen. An diesem „gut“ entscheidet sich dann wohl alles.
    – Weiss ich denn immer, was wirklich gut ist? Nicht wirklich.
    – Wie viel „Gutes“ darf ich tun, ohne dass ich implizit meine Familie oder Freunde zu sehr vernachlässige? Super schwer zu sagen.
    – Was „schulde“ ich einem Spiel, welches mir viel gegeben hat? Alles – oder auch nichts. Vermutlich irgendwas dazwischen.
    – Und wenn ich etwas „schulde“ dann wem? Keine Ahnung.
    – Zu guter Letzt: leiste ich vielleicht sogar am meisten, wenn ich mir – wie einmalig hier oder auch generell im DPSB – unentgeltlich die Zeit nehme, für alles – gerade auch für manch verirrten Gedanken – offen zu sein und konstruktiv aufzuklären? Ja, das glaube ich. Und deshalb gibt es auch mein Angebot hier, genauso wie meinen nachhaltigen Einsatz für den DPSB.

    Ich glaube wohl einfach ans Gute. Das mag naiv sein, aber ich kann es empfehlen. Denn es macht Laune und du siehst schnell, wer Freund ist und wer nicht. So entsteht (auch oder gerade in schwierigen Umfeldern) eine starke Allianz von echten Freunden um dich herum.

    Puh, ich hoffe das was nicht zu generell oder idealistisch. Deine Frage hat es wohl einfach hergegeben – und nun ist auch wieder gut damit. 😉
    Nächster Text von mir kommt nicht vor Montag hier. Es ist Nikolaus Wochenende. Ich mach nur, was unbedingt gemacht werden muss. 😉

  28. Für welche Spiellimits siehst du dich als guten coach?welches war dein höchstes Limit , dass du über eine aussagekräftige Sample geschlagen hast (>100000hands)

  29. @Olaf zwecks „online Limits“: Die erste Frage ist sehr einfach zu beantworten: Tatsächlich auf jedem Limit. Poker ist ein Spiel, wo ab einem vernünftigen Spielniveau jeder von jedem lernen kann und sollte. Da ich mich seit 20 Jahren mit dem Spiel an sich und seit 10 Jahren hauptberuflich in vielen Bereichen damit beschäftige und zudem durch meine Ausbildung als Mathematiker gelernt habe, richtig zu fragen und schlüssig zu antworten, glaube ich, dass ich – ohne überheblich zu sein – so antworten darf: ein guter Coach bin ich in jedem Pokerspiel.

    Gehen wir aber einen Schritt weiter, denn man will ja nicht unbedingt „nur“ einen guten, sondern eigentlich den „optimalen“ Coach. Da wird es schnell kompliziert. Es muss halt passen. Man muss irgendwo auf einer Welle sein. Dazu muss es natürlich auch preislich passen. Ich denke das System im Gaming Institute hat sich gut bewährt. Man lernt sich in einem Tagesworkshop direkt am Tisch kennen und kann dann ggf. individuell weitermachen – oder eben auch nicht.

    Deine zweite Frage will ich dir nur knapp beantworten: Ich empfehle jedem (deutschen) Pokerspieler – und somit auch mir – nicht wild mit irgendwelchen Zahlen um sich zu werfen. Es kann nur schaden:
    – Zu großen Zahlen erregen – übrigens völlig unabhängig vom deren Wahrheitsgehalt – Neid und schüren reale Gefahren.
    – Zu kleine Zahlen hingegen suggerieren in vielen Köpfen gerne mangelnde Kompetenz als Spieler.

    Wie man es auch dreht und wendet: obwohl ich weiss wie normal Gespräche über Limits in der Szene sind, ich bezweifle deren Sinn auf heftigste.
    Meine klare Aussage dazu wird deshalb immer lauten: man redet nicht über Geld. Ich lehre fundiertes Entscheiden. Das steht für sich.

    p.s.: Weil es thematisch gerade gut passt, gehe ich noch kurz auf Hendon Mob ein. Davon halte ich besonders wenig. Da kann man sich z.B. für 6-stellige Winnings als Sieger in den Fokus schreiben lassen, auch wenn man dafür 7-stellig investiert hat. 😉 Mein Eintrag in dieser Datenbank zeigt übrigens nur 1. Plätze. Andere Platzierungen habe ich streichen lassen. Ich denke, auch damit ist einiges ausgesagt… 😉

  30. Vielen Dank für deine ausführliche Antwort… Leider gehst du dabei nur bedingt auf meine Frage ein! Ich hatte nur gefragt, welches das höchste Limit war, das du mit aussagekräftiger Sample geschlagen hast… An keiner Stelle hatte ich nach genauen Zahlen gefragt! Mir hätte beispielsweise die Antwort NL25 oder PLO50 genügt…

  31. Hi Stephan,

    so, das Zeitfenster für Deine Antworten schließt sich ja langsam… daher die Frage: Welche Frage hättest Du hier gerne noch beantwortet die aber noch nicht gestellt worden ist?

    Und noch eine Frage: Was würdest Du sagen wieviel Prozent der Community zeigt ein pathologisches Spielverhalten und ist süchtig nach Poker mit eher negativen Folgen für Geldbeutel und soziales Leben?

    PS: Und noch ein Nachsatz zu der besonderen Flameproblematik nach Deinem vorletzten Artikel:
    Leute mögen einfach den Peer nicht… er ist ein klarer und kluger Kopf aber mit einer Attitüde versehen, die etwas an Arroganz erinnert. Ihn finden halt nur etwa 25% gut und der Rest mag ihn nicht…Siehe 13er Wahlergebnis…

  32. @zinedine02 zwecks Suchtproblematik: persönlich glaube ich tatsächlich, dass es keine große Suchtproblematik mit Poker gibt. Das Spiel ist einfach zu „nüchtern“ im Vergleich zum klassischen Casinospiel. Mit den optisch-akustischen „Verlockungen“ etwa eines Automaten kann da etwa ein geflopptes Set nicht mithalten.

    Aber das ist nur meine Meinung. Ich kenne schlichtweg keine belastbaren Zahlen oder Fakten. Ich komme aber natürlich viel rum und in meiner Umgebung erkenne ich keine Spielsucht-Problematik – und ich hoffe doch schon, dass ich sie wahrnehmen würde.

    Danke euch allen für den interessanten Austausch hier.

  33. @Stephan

    danke dir für die zeit, die du dir für diese kolumne und die sehr interessanten antworten genommen hast.

    erfreulicherweise hat sich die flameproblematik, wie ich zu beginn befürchtete nicht eingestellt. auch das ist +EV und vielleicht weiterer ansporn für zukünftige kolumnen.

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