Kolumnen

Bananenrepublik Österreich oder Die Österreichische Glücksspielgesetz Farce

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In vielen Bereichen wird die österreichische Gemütlichkeit geschätzt. In Sachen Glücksspielgesetz und Privatcasinos ist diese aber komplett fehl am Platz und auch das neu gewählte Parlament ruft lieber Untersuchungsausschüsse auf Staatskosten ins Leben, als sich um die geltende Gesetzgebung zu kümmern.

Private Cardrooms gibt es seit 1993 in Österreich und das ist gut so. Und vor allem soll das auch so bleiben. Aber zu fairen Konditionen, gesetzlich geregelt und in einem ebenso fairen Wettbewerb zu den Casinos Austria.

Seit 1. Januar gilt das Gesetz, das Poker zum Glücksspiel macht und die Casinos Austria zum einzigen legalen Pokeranbieter macht. Gratulation! Per Gesetz wird etwas, was 26 Jahre lang erlaubt war, verboten. Einfach so. Natürlich gab es eine jahrelange Übergangsfrist und man hat sich darauf vorbereiten können, dass die Angestellten der privaten Cardrooms – was alleine bei den CCCs laut eigenen Angaben rund 600 österreichweit sind – ihren Job verlieren. Gratulation! Es ist natürlich wichtiger, sich um Misstrauensanträge, die gefühlten 17. Neuwahlen und sinnlose Untersuchungsausschüsse um Postenschacher zu kümmern, als um diesen Missstand. Schließlich verdienen die 600 (und sonstigen) zusammen nicht so viel, was an Abfertigungen, Postenschachereien – und daraus resultierenden Untersuchungsausschusskosten zusammenkommt. Da muss schon eine Priorität gesetzt werden. Schließlich müssen die Regierungsmitglieder und dazugehörigen Parteifreunde doch ausreichend an Sitzungsgeldern verdienen. Und medienwirksamer ist das natürlich auch. Wen interessiert schon, ob jemand, der 20 Jahre einen Job hat, den per Gesetz verliert? Wir haben ja so ein tolles Arbeitsmarktservice, da ist in einer so händeringend nach Mitarbeitern suchenden Branche wie den Casinos doch überhaupt kein Problem in Sicht.

Was ist seit dem 1. Januar 2020 passiert? Am 2. Januar kam die Finanzpolizei zum gar nicht freundschaftlichen Besuch ins CCC Wien-Simmering, nahm Mischmaschinen und auch Kassa mit, beschlagnahmte das Interieur. Weil man am darauffolgenden Tag gleich wieder öffnete, zeigten die Tiroler mehr Effizienz und legten den Innsbruckern einen Betonziegel vor die Tür. Am letzten Dienstag, den 21. Januar, war dann das Bond Casino in Wien dran. Einmal mehr Gratulation zu einem solch beherzten Vorgehen der Finanzpolizei zur Durchsetzung des geltenden Gesetzes.

Leute, das ist lächerlich. Für alle Beteiligten. Für die Finanzpolizei, die sich sicherlich nicht gerne als die Idioten und Hampelmänner der Nation darstellen lassen. Für die Casinos Austria, weil sie etwas anbieten sollen, was ihnen vom Gesetz zugesagt wird, in der Praxis aber unterwandert wird. Und auch für die Cardrooms, die einfach so ihre Daseinsberechtigung verlieren sollen.

Die Fronten sind seit Jahren verhärtet und es scheint, als würde es auch keine Lösung geben. Absurde Geldforderungen und daraus resultierende Exekutionsverfahren gegenüber Peter Zanoni und seinen CCCs sind natürlich plakativ, haben aber dennoch nicht das gewünschte Ergebnis, nämlich die Schließung der privaten Cardrooms, zur Folge gehabt. Dabei gäbe es doch viele andere Länder, die schon vormachen, wie man Poker richtig handhabt. Mit entsprechendem Spielerschutz und dennoch lukrativ für die Anbieter. Liebe Gesetzgeber, ich verrate Euch ein Geheimnis – es gibt auch in Österreich durchaus fähige Leute, die sich mit dem Business wirklich auskennen und sicherlich auch gerne an einer fairen Lösung für alle mitarbeiten. Und das muss gar keine Legislaturperiode (die die Regierung ohnehin kaum schafft) dauern, um ein gutes Gesetz umzusetzen. Wenn mal gearbeitet statt nur untersucht werden würde, dann ginge das ganz schnell.

Gleiche Voraussetzungen für Casinos und private Anbieter, ein gut durchdachtes System zum (gemeinsamen) Spielerschutz und ein fairer Wettbewerb, um Österreich als attraktiven, international begehrten Pokerstandort zu erhalten – ist das wirklich so schwer zu schaffen? Wir sind immerhin schon im Jahr 2020 angekommen. Hinterzimmerpoker braucht niemand mehr!

PS: Auch in Sachen Online-Glücksspiel ist noch viel Luft nach oben!

8 KOMMENTARE

  1. Gut geschrieben!
    Vielleicht hätte man noch erwähnen können, dass schon mehr als die Hälfte der Casinos Austria eh nicht mehr in österreichischer Hand sind.
    Unsere Regierung arbeitet quasi für ein tschechisches Unternehmen. Ich möchte jetzt aber nicht, dass das jemand in den falschen Hals bekommt, aber ich habe schon einmal gehört, das der eine oder andere Politiker für so etwas schön einmal die Hand aufgehalten hat.
    A bissal a Körberlgeld schadet ja nicht. 😁😁😁

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  2. Ganz so ist es ja nicht wie geschrieben, eine faire Transparente Bezahlung der Dealer ist eine sehr wichtige Sache fast kein Dealer aus Österreich!!! Auch eine richtige Ehrliche Steuerliche Abgabe der Cash Spiele würde das Niveau doch etwas in die richtige Richtung rücken, woran scheitert‘s jetzt als Ausrede die versagende Politik Kultur bei uns zu nennen ist wieder Typisch für Das wie es ist.

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  3. Bananenrepublik Österreich ist eine Bananenrepublik und bleibt eine, alleine die Vorgehensweise und Denkmuster was unsere Möchtegern Politiker haben, alleine Positionen was besetzt werden, wo man genau weiß, was machen diese eigentlich da und haben keine Ahnung in der Praxis, solange sich die Österreicher alles gefallen lassen wird sich nichts ändern, sage nur Vorgehensweise CCC , dürfen nicht, machen es aber trotzdem, weil es anscheinend von oberster Instanz kommt, totaler Schwachsinn, ( Antwort von einem Finanzpolizisten ) !!!!!! etc. etc. etc.
    Der verantwortliche was das in Auftrag gibt soll das auch bezahlen, ganz einfach und Haften dafür welche Schäden verursacht werden. Jeder Selbstständige Haftet auch und muß die Konsequenzen ziehen aber diese Hirnlosen Aktionen bezahlen ja eh wir, egal. Kostet ja nur ein Bar Millionen, möchte nicht wissen was das gekostet hat bis jetzt, diese drei Finanzstürmungen, ccc Simmering, Innsbruck, Gmunden!!!! Bitte Rechnung an die Verantwortlichen Behörden schicken, danke!!!

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  4. die politiker haben über 25 jahre zugeschaut wie dealer die vollzeit angemeldet sind offiziell 350€ netto lohn bekommen und rein gar nix unternommen. denen geht es nicht um die angestellten, die interessiert nur wie viel in ihrem kuvert/koffer landet.

  5. Für „Österreich als attraktiven, internationalen begehrten Poker-Standort “ ist es leider zu spät.
    Da haben die Lobbyisten der CasAG jahrelang zu gute Arbeit geleistet und in den Köpfen der heimischen Politik die Mär vom „kriminellen Glücksspiel bei dem den armen Spielsüchtigen in dubiosen Spelunken das letzte Geld abgeknöpft wird“ zu gut verankert.
    Die Politiker sind doch durch die Bank der Meinung sie müssten im Sinne des Spielerschutzes dafür sorgen, dass dieses Glücksspiel, wenn überhaupt, nur im gesicherten Rahmen der Casinos Austria angeboten werden darf.

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