Kolumnen

Begreifen

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Manche Menschen begreifen nicht, warum man sich auch nur ansatzweise „Schwiegertochter gesucht“ gerne ansehen kann; sie begründen es mit verschenkter Lebenszeit. Manche Menschen begreifen nicht, warum es Formel-1-Fahrern Spaß macht, im Kreis zu fahren. Manche Menschen können nicht verstehen, wie man Fan vom VfL Wolfsburg werden kann; sie vermuten hier einen genetischen Defekt. Und manche Menschen begreifen nicht den Kick des Bergsteigens.

Ohne Sauerstoff auf nen 7.000er laufen. Bei minus 22 Grad. Ist ähnlich wie ein All-in Call, wenn man nur nen Gutshot hat. Extremsituationen, bei denen manchmal nur die richtige Intuition hilft. An abgeschiedenen Orten, oben alleine auf dem Berg spürt man den Gegenwind, spürt man die Faszination. Und man spürt das Alleinsein. Solche Gefühle hat man auch am Final Table. Auf sich allein gestellt. Jede falsche Bewegung kann tödlich sein. Die Unberührtheit mancher Berge in Kaschmir sind nicht soviel anders als Seat 5. Du bist ganz auf dich allein gestellt. Niemand hilft dir. Niemand. Und es ist noch ein langer, harter Weg voll Gegenwind und voll aller Unwägbarkeiten bis zum Gipfel. Grund zum Jubeln gibt es erst an der Endstation.

Bis dahin herrscht jederzeit die berechtigte Befürchtung, dir könnte etwas zustoßen. Du wirst das Ziel nicht erreichen. Doch davon lassen wir uns nicht abhalten. Schritt für Schritt kennen wir nur eine Richtung, nämlich vorwärts. Mit wachsamem Augen und geistiger Freiheit. Egal ob Everest oder WPT. Wettkämpfe mit riesigem Potenzial. Die Liebe zu etwas ist größer und tiefer als ich selbst. Hohe Höhen, tiefe Fälle. Ohne Seil. Extremsport.

Viele Menschen begreifen nicht den Kick des Bergsteigens. Das gefundene Paradies mit extrem hohen Belohnungsfaktor. Und ganz viele Menschen begreifen nicht den Reiz des Pokerspielens. Das gefundene Paradies mit extrem hohen Belohnungsfaktor.
Es ist niemandem zu helfen, der es nicht begreift. Arschlecken. Denn das kann ich dann nicht begreifen.

 

 

 

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